ich checks nicht.

wisst ihr, bei manchen dingen im web 2.0 check ichs einfach wirklich nicht.

ich finde, ich bin einigermaßen internetkompetent, lese online-medien sofern ich zeit dafür habe, habe meine blogs auf netvibes in 3 verschiedenen kategorien geordnet und versuche widerwilligst, mich mit twitter (mittels tweet deck) anzufreunden. und fb find ich ja ganz großartig.

was ich nicht verstehe:

1) wie kann wer ernsthaft GERNE twittern? das ist SAUMÄSSIG fad, und wenn es einen ort der billigen web 2.0 selbstdarstellung gibt, ist es dort. bei manchen twitterati frag ich mich ja, wo die die zeit dafür hernehmen. jetzt nicht für ihre „18 aktualisierungen pro tag“, sondern diese informationslawine, die der äther produziert auch noch zu verarbeiten (journalistInnen nehm ich da jetzt mal aus). und wie zum teufel filtert mensch da nach sinnvoll und nicht-sinnvoll? ich hab noch nicht rausgefunden, nach welchen maßstäben tweets zu beurteilen sind. summa sumarum: twitter ist FAD. und wenn leute körperliche entzugserscheinungen kriegen und zu ostern 40 tage twitterfasten machen dann find ich das psychotisch.

2) und dann hab ich (auch aus dem twitter-äther) folgende veranstaltung entdeckt (und dass ich sie erst jetzt entdeckt hab ist vermutlich wieder mal ein zeichen, wie viel unterschied zwischen mir und einem richtigen social media superstar ist). die re:publica in berlin. was eine trekkie convention für trekkies, ist das für blogger. für bloggerinnen nicht, leider. klar tun die auch was für gender und so – es gibt einen ziemlich spannenden track mit allen relevanten deutschsprachigen fem-bloggerinnen, aber sie schaffen es nicht, sich dazu durchzuringen, auf ihrer homepage geschlechtergerechte sprache zu verwenden. sprache schafft realität. wenn das bloggerInnen nicht wissen, wer dann?

und auch der blick auf die speakers list ist ziemlich arg: 118 männer, 34 frauen (ich hab mich sicher ein bisschen verzählt, aber die tendenz ist wohl klar ersichtlich). sich bei so einer veranstaltung darüber zu wundern, dass die blog-charts von männern angeführt werden scheint mir ein bisschen hirnrissig.

3) jetzt hab ich grad vergessen, was ich als 3) schreiben wollte… ich glaub ich wollt mir nur mal generell über die selbstreferentialität dieses social media systems aufegen, wo alle leute schreiben „rassismus ist gemein“ und sich dann wundern, warum die rechten dazugewinnen. weil sie haben sich nix vorzuwerfen, sie haben sich ja gegen rechts engagiert. auf ihrem blog. und überhaupt, diese politkerInnen. hören auf nix, was aus der blogospähre kommt.

meine meinung: ich lese sachen, finde dinge sinnvoll, aber abkaufen tu ich bloggerInnen politische empfehlungen nur, wenn sie das thema auch in echt lebten. sich mit echten menschen unterhalten. vor allem mit solchen, die social media nicht lesen oder aktiv nutzen, weil sie andere probleme im leben haben als „40 tage twitterfasten“.

und noch ein gedanke am ende: wer hat zeit für social media? studis. journis. männer. frauen nicht – deren arbeitswoche hat bis zu 70 stunden (im alter zwischen 30 und 34), während jene von männern in derselben altersgruppe ungefähr 48 ausmacht. und jetzt zählen wir eins und eins zusammen und fragen uns noch mal, warum männer die blog-charts anführen – wer checkts nicht?

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11 Kommentare

Eingeordnet unter genderize, irgendwas mit medien, seriously?

11 Antworten zu “ich checks nicht.

  1. Ich finde, dass du dich zu weit aus dem Fenster lehnst, wenn du einerseits dich darüber aufregst, dass die re:publica nicht korrekt gendert und du selbst, nur ein paar Zeilen zuvor, psychische Krankheiten verunglimpflichst. Sprache erzeugt Realität und so. Aber es kann auch sein, dass du es ernst gemeint hast.

    Auf jeden Fall empfehle ich den Beitrag von Jana über das Twitterfasten zu lesen, von der ich es mir erst abgeschaut habe.

    Die Informationen hat es ja schon immer gegeben, aber bisher hatten wir nicht die Möglichkeit sie zu erhalten. Twitter hat das in manchen Bereichen verbessert. Würde ich alle Bücher lesen, die erscheinen wäre ich auch erst einmal überfordert. Das gleiche gilt fürs Fernsehen oder nur was in der Straße vor dem Haus passiert. Was sinnvoll und was nicht ist, entscheide ich subjektiv. Ich baue Beziehungen zu Menschen auf. Immer wieder aussortieren, was für mich nicht relevant ist. Akzeptieren, dass ich nicht alles lesen kann. Ich habe mich an die Informationsmenge gewöhnt.

    Bei der re:publica werde ich auch sein. Welch Zufall. Ein Vortrag über #unibrennt. Zuerst habe ich gar nicht daran gedacht, aber Jana hat mich vorgeschlagen, so habe ich ihn eingereicht. Was jeder machen konnte. Ebenfalls interessant wird der Vortrag sein, warum Frauen nicht so sichtbar im Web sind. Ich finde es schade, dass man eine Konferenz, auf der solche Sessions stattfindet, abschreibt, weil sie es mit dem gendern nicht so gut drauf haben.

    Ich habe schon immer viele Blogs von Frauen gelesen und folge auch auf Twittern sehr vielen. Mir wäre daher nicht aufgefallen, dass sie weniger Zeit dafür haben. Bei mir persönlich geht die Freizeit für das Social Web drauf. Für mich gibt es aber auch nicht mehr die Grenze zwischen beruflich und privat.

    Und zuletzt lade ich dich gerne zum nächsten Blogtail in Wien ein. Findet vermutlich Ende April statt. Dann können wir gerne noch einmal persönlich über das Thema sprechen.

  2. 43 Frauen, wenn meine Zählung korrekt ist. Eine Frauen-Quote von etwa einem Drittel bei den Vortragenden ist für eine Web-Konferenz alles andere als schlecht, finde ich (bei den Gästen wird sie noch etwas besser sein). 50/50 wäre wohl allen lieber, aber erzwingen kann und will man ja auch nichts, denn:

    Es gab viele Wochen lang die Möglichkeit zur Einreichung eigener Vorträge, Panels, Workshops, ein sehr großer Teil der re:publica ist somit „nutzerinnengeneriert“. Wem also sollte man die deiner Meinung nach schlechte Quote vorwerfen?

  3. Pingback: Tweets that mention ich checks nicht. « Eva Maltschnig's Blog -- Topsy.com

  4. Hach, ja, interessant, wie diese Grenzen sich immer verschieben. Der gute Armin Thurnher echauffiert sich ja auch gern über den puren Narzissmus und die Selbstdarstellung der BloggerInnen. Die BloggerInnen echauffieren sich über den puren Narzissmus und die Selbstdarstellung der TwitterInnen.

    Warum tun sie das? Um ihrem kleinen Publikum ihre Position zu präsentieren zwecks Distinktionsgewinn? So geht’s daher. Akzeptanz gibt’s keine. Süchte werden unterstellt, Verhalten pathologisiert.

    Ich find‘ übrigens Golfen unglaublich fad. Ich hab auch noch nie gegolft. So ist das, mit der Sicht von außen. Die drin sind MÜSSEN ja alle spinnen (sonst wär ich ja auch drin, und ich spinn nicht, eh klar, oder?)

  5. @digiom: Würde sagen, Süchte werden nicht unterstellt, sondern durch Twitter-Katharsis inszeniert. Was unterstellt wird, ist Inexistenz von Golferfahrung, was von schlechter Recherche zeugt (siehe @Eva_Maltschnig als Beweis, dass Eva eh in da Bande dabei gewesen sein hätte dürfen)

    @johnny: auf was hinauf genau ist „1/3 bei einer Web-Konferenz alles andere als schlecht“? Kennen sich Frauen nicht so gut aus, mit diesem Internet oder haben Frauen einfach biologisch weniger Online-Zugang?

    (und damit endlich jemand den Hilfeschrei einer verlohrenen Seele annimmt [und warum heißt es eigentlich SEEle aber sElig?]):
    @Eva
    Eh ists selbstdarstellung. Aber bei aller liebe, in moment scheinst du menschen nach dem „hab ich schon mal ein wort persönlich gewechselt“ prinzip zu folgen. Probier’s doch mal mit @brandonenglish; @BrianReich; @sorendayton; @tommatzzie; @drbieber oder @hrheingold (ja, das sind alles Männer. Weil du weißt schon. Wir können von Glück reden, dass überhaupt 1/3 der frauen weiß, wie man einen Computer einschaltet)
    oder auch @fakeapstylebook und @OHnewsroom. Vielleicht verbessern die deine Twitterfolgeerfahrung. Und wenn nicht, dann bleibt ja noch immer golfen.

    • Eva

      ach yussi – bei aller liebe 🙂 vermutlich ist mein followerinnen-verhalten, das (wie aus deiner messerscharfen analyse hervorgeht) in etwa nach den parametern funktioniert, nach denen ich leute auch auf facebook adden würde, wirklich der grund dafür dass mir twitter keinen spaß macht. aber ich bin für die tipps dankbar, und wer weiß, vielleicht muss ich dann nächstes ostern auch twitterfasten um mein real social network erhalten zu können. im übrigen bin ich auch der selbstdarstellungn nicht abgeneigt (warum sonst würde ich wohl bloggen…), aber dann muss es wenigstens lustig sein.

      @digiom, mir gings nicht darum zu sagen, dass twitter(ati) blöd ist(sind), sondern dass es mir keinen spaß macht und ich mich daher in die seele der 18 tweets am tag – fraktion nicht einfühlen kann. und die entfremdung von der realen welt, die mittels online inszeniertem twitterfasten für mich ja ziemlich deutlich gemacht wird, schockiert mich schon ein wenig.

      @johnny: du schreibst „50/50 wäre wohl allen lieber, aber erzwingen kann und will man ja auch nichts“ – erstens kann das sehr wohl erzwungen werden. zum beispiel hätte mensch immer nur gleich viele männliche wie weibliche speakers zulassen können. das hätte vielleicht männer, die aufgrund der quote nicht untergekommen wären dazu ermutigt, aktiv frauen zu motivieren, einen beitrag einzureichen, damit sie dann auch dürfen. und zweitens: ob „man das erzwingen will“ oder nicht ist immer noch ne politische frage – ich würde wollen, du nicht.

      und zum selben thema @luca: bei der re:publica gehts nicht darum, dass sie „das mit dem gendern nicht so gut drauf haben“ – sie machen es systematisch nicht. bewusst nicht. und auch du sprichst dort laut homepage nur für die „besetzer“ des audimax der uni wien.

      • Entfremdung von der realen Welt.

        Ist Twitter nur ein Spiel? Sind Emails auch Entfremdung von der realen Welt? Ist ins Theater gehen oder einen Film schauen nicht viel mehr Entfremdung?

        Auf Twitter kommuniziere ich real mit realen Menschen. Mit Freunden, die ich regelmässig sehe, Studienkollegen, interessanten Menschen und solchen, die ich online kennen gelernt und noch nie persönlich getroffen habe, aber mich dennoch näher fühle, als ehemaligen Freunden, von denen ich nur noch selten etwas mitbekomme.

        Twitter ist vielleicht nicht materiell, aber real ist es sicher. Auch wenn es dort einzelne erfundene Charaktere gibt. Die hat man offline genauso.

        Das Twitterfasten hat für mich sehr reale Auswirkungen. Die werde ich voraussichtlich morgen, wenn es vorbei ist, verbloggen.

        Wieder zur re:publica.
        Ich behaupte sie machen es unbewusst nicht.

        Für die Besetzer oder auch Besetzer_innen spreche ich sicher nicht, sondern nur für mich. Das war immer so und das wird immer so sein. Homepage bezeichnet nur die Startseite und nicht die Website.

  6. @Yussi Ich weiß nicht, warum die Frauenquote auf anderen Konferenzen schlechter ist (weißt du es?), aber ich glaube, dass meine Bemerkung im Vergleich zu anderen, ähnlichen Konferenzen gemeint war, war nicht so schwer zu verstehen.

  7. evamal

    nochwas sei hier angemerkt – der frauenanteil der diesjährigen re:publica ist bereits ergebnis einer stärkeren bloggerinnenvernetzung:
    ich lese andere blogs zu ungenau, sonst hätt ich das in meinem beitrag natürlich erwähnt.

  8. Sorry, kann nicht mehr schreiben… mich schockiert grad total diese Selbstinszenierung einer Schockierung über die Selbstinszenierung, die hier stattfindet.

  9. Pingback: Oh, ein Link! « Jakob Scholz' Blog

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