warums sehr leicht ist, in wien nicht grün zu wählen.

Wir waren gestern zufällig in der Lugner City einkaufen. Um 16:00 steigen wir aus der UBahn raus und rennen in SJ und SPL-Leute, die Flyer verteilen. 10 Meter weiter stehen drei Haufressen mit HC-Weste und Schlitzen im Gesicht. Wir gehen in die Lugner City rein, Richtung Merkur. Am Kebap-Stand stopfen sich grad zwei Typen im Lodenjanker voll. Im Kessel vorm Merkur ist dann der „Ring“ aufgebaut. Unheimlich viel Exekutivpräsenz, unheimlich viele Schlägertypen, die sich mit einem Knopf im Ohr und einem riesigen FPÖ-Button mit der Aufschrift „Sicherheit“ noch viel geiler fühlen. Freibier. John Otti Band – Raise Your Flag. Der Frontsänger übt mit dem Publikum schon mal, HC richtig stimmungsvoll zu begrüßen. Überall Luftballons. Blaue Luftballons, so weit das Auge reicht. Ich will hier weg.

Wir kaufen fertig ein, gehen raus, laufen wieder in SJ-AktivistInnen, die in „Wien wehrt sich“ T-Shirts Flyer verteilen und mit den PassantInnen reden.

Kein einziger grüner Luftballon hier. Franz Joseph Stanzl, seines Zeichens Kultuschaffender, Grünen-Wähler und Aktivist (ich hoff, die Bezeichnung triffts), beschrieb auf seinem Blog kürzlich, wie unpassend die penentranten Luftballon-Einsätze der Grünen manchmal sind. Außerdem argumentiert er in anderen Beiträgen, dass mensch als linker, denkender politischer Mensch gar nichts anderes wählen könne als Grün, und dass all jene (vor allem Junge), auf die obige Beschreibung zutrifft und trotzdem noch im sozialdemokratischen Gebiet aktiv sind, wohl nicht ganz dicht sein können.

Viele seiner Argumente kann ich nachvollziehen, nichts desto trotz heißt für mich der größte Grund, die Grünen nicht zu wählen das Phänomen des „preaching to the converted“ – wir reden nur mit Gleichgesinnten und kümmern uns in unserer Zielgruppenarbeit nur um jene, die eh schon unserer Meinung sind. Wenn Strache in der Lugner-City vom Minarettverbot spricht, tanzen die Grünen am Urban Loritz Platz Walzer. Wenn die „Zivilgesellschaft“ ihr Missfallen zur Asylpolitik artikuliert, werden tausende grüne Luftballons ausgeteilt. Im letzten Nationalratswahlkampf der Grünen stellte sich Alexander van der Bellen vor die Uni Wien und verteilte Flummis mit Grünen-Logo drauf.  Das wird aber nicht dazu führen, dass die FPÖ bei JungwählerInnen verliert. Grüne Luftballons hab ich in der Lugner City keine gesehen. Von Grün-WahlerInnen in Transdanubien hab ich noch nie gehört. Leider greifen die Grünen kein bisschen in den „Kampf um die Stadt“ ein, bleibt die SPÖ als einzige Partei, die mensch in diesem Anliegen unterstützen kann. Wie gesagt, ich gehöre wohl zur Schimpanse-im-Tütü-Fraktion, aber diesmal hab ich sogar ein rationales Argument dafür.

PS: Ich möchte mich hier noch mal kurz ausdrücklich über den gegenseitigen Hass von SPÖ und Grünen aufregen. Lasst das, bitte. Wurscht, ob jetzt eine Koalition im Raum steht oder nicht, aber es kann doch nicht sein, dass es in Österreich zuerst Schwarz-Grün gibt, bevor jemals wer überhaupt über Rot-Grün nachdenkt – auf welcher Ebene auch immer.

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