fisch in sauce

Boah. Eigentlich wollte ich Vitello Tonnato und eingelegten Fisch machen (P. hat morgen Geburtstag, wir brauchen essen.), allerdings vergaß ich dabei, dass in Zell am See Kalbsfleisch etwa einen Monat vorbestellt werden muss. „Geschlachtet wird erst am Mittwoch“, so der trockene Kommentar der Verkäuferin beim Metzger auf meine Anfrage, ob 1,5 kg Kalbs-Oberschale vielleicht noch irgendwo aufzutreiben seien.

Also nur eingelegter Fisch. So ein Rezept aus nem italienischen Kochbuch, gleich nach den eingelegten Sardinen. Funktioniert wie folgt: Forelle waschen, trocken tupfen, kurz in Mehl wenden, in Olivenöl braun anbraten. Fisch raus, klein gehackter Zwiebel rein, glasig dünsten. Mit ordentlich Wermut ablöschen, Orangenschale dazu, Orangensaft dazu, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und viel Petersilie dazu. Das Zeug über die Forellen gießen, auskühlen lassen, in den Kühlschrank tun, am nächsten Tag essen. Klingt ziemlich einfach und schnell, oder?

Das dachte ich auch, bloß wollte ich die Forellen nicht beim servieren filetieren. Also kaufte ich Forellenfilets – t.k., natürlich. Wer in Zell am See frische Forellenfilets will, muss wohl selbst im See sein Glück versuchen, ich hab in den diversen Supermärkten jedenfalls keine entdeckt. Dafür verfrachtete ich prompt enorm schimmlige Zitronen in mein Einkaufswagerl (Maximarkt. Unsägliches Geschäft). Ich würde jetzt gerne ein Foto mit meinem Gesichtsausdruck herzeigen, als ich die Zitronen aufs Kassaförderband hob. Kurz vorm Erbrechen versteckte ich das Netz im nächsten Fußball-Wühlkorb. Wirklich, in Geschäften, die Fußbälle und Flatscreens verkaufen, sollte mensch es nicht mit Zitronen versuchen. Oder Forellen. (Carrefour ist hier natürlich ausgenommen. Bestes Geschäft von Welt.)

Die Forellen, jedenfalls. Nachdem sie sanft aufgetaut waren, spülte ich das erste Filet in fließendem Wasser ab, legte es aufs Schneidbrett, um appetitliche Häppchen daraus zu machen, fühlte pro forma nach Gräten, und siehe da: Als hätte mein Daumen Kammzinken gestreichelt. Ungefähr 30 Kratzhalserstickungs-Teile drinnen. Im Bad holte ich eine Pinzette (Wer sich bei uns zu Hause künftig die Augenbrauen zupfen möchte: Nicht die blaue Pinzette verwenden.) und machte mich an mein Werk. Weil mein Einkaufs- und Kochverhalten von extremer Angst vor Nahrungsmittelknappheit just beim Eintreffen der Gäste geprägt ist, zupfte ich geschlagenen 12 Forellenfilets die Gräten aus der Bauchfalte. Und weil ich auch nicht so extrem gut sehe, verbrachte mein Gesicht 40 Minuten in 4 cm Entfernung von rohem Fisch. Dass ich momentan nicht mehr davon kosten möchte, liegt wohl auf der Hand.

Während der Fisch-Schönheitspflege besuchte mich M. öfter in der Küche. Sie schnupperte an der Wahnsinns-Minestrone (mit diesem kulinarischen Erfolg hatte ich natürlich nichts zu tun, ich war nur ihre Schneidsklavin.), guckte mir interessiert zu und meinte „Du hörst aber progressive Musik.“. Im Radio lief irgendein FM4-Scheiß, sie erlöste mich mit Radio Salzburg Humtata. Bei Fischfilet # 7 wechselte ich (mit fischigen Händen – wer da geruchsmäßig empfindlich ist, greift bei uns lieber auch das Küchenradio nicht mehr an) wieder den Sender. M. kehrte bei Fischfilet # 10 zurück. „Das klingt jetzt nach Verzweiflungsmusik. Bist du schon sehr verzweifelt?“, kommentierte sie den FM4-Alternative-Rock. Vermutlich hat der Sänger wirklich sehr mitleidig gejault, M. ließ dieses mal jedenfalls die Finger vom Frequenzeinstellungsrad.

Dann gings kurz schnell: Pfanne, Öl, erste Ladung Fisch bei mittlerer Hitze rein. Damit die Hautseite schön knusprig und der Rest schön glasig wird. Küchenmeditation bestimmte die folgende Stunde: Das behutsam Braten dauerte pro Fischportion so 10 Minuten, etwa 12 Forellenfilets ergaben in etwa 6 Fischpfannenportionen. „Geduld, Geduld, du bist schon so weit gekommen, jetzt ruinier nicht mit Ungeduld die grätenfreien Filets“ – dieses Mantra wiederholte ich still für eine Stunde.  Währenddessen wurden aus den 8 Esslöffel Öl etwa 58 (der Fisch war durstig, das leichte Sommergericht konnte ich so flugs in deftige Hausmannskost verwandeln.)

Schließlich wieder schnell: Fisch fertig, fisch raus, Zwiebel rein, Noilly Prat rein, Orangenschale, Orangensaft, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Petersilie, wowgehtdasschnell hurrafastfertig. Kaum hatte ich die Marinade über die Fische gegossen, folgten zwei Erkenntnisse: 1) Der Zwiebel ist nicht durch. Mein Gedulds-Mantra dafür nicht mehr gereicht. Die Fische ziehen jetz in halb-rohem Zwiebel. 2) Die mühevoll sanft erbratene Kruste ist natürlich völlig fürn Arsch, wenn der Fisch bis oben hin in Sauce liegt.

Dann hab ich mir ein Butterbrot geschmiert und mich  vor den Fernseher gelegt. Ich dachte kurz an den zusätzlichen Vitello Tonnato – Plan, kichete panisch, schob es aufs Fernsehprogramm und seufzte erschöpft. Bon Appetit.

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