Willkommen in Amerika!

Guys and gals, I’m really well!

Also alle, dies noch nicht mitbekommen haben – seit Samstag weile ich in den Staaten, nach einem kurzen Intermezzo im Huckleberry-Finn-mäßigen Larose residiere ich (anders kann mensch das nicht nennen) in Lake Terrace Gardens, NOLA. Alles sehr gut hier, bei der Einrichtung, die ich übernehmen konnte, war zum Glück auch ein Fahrrad dabei. Im Vergleich zu den Durchschnitts-AmerikanerInnen ist meine Mobilität derweil aber immer noch ENORM begrenzt. Ohne Auto ist mensch hier tatsächlich ein armes Schwein – im doppelt übertragenen Sinn. Zum einen haben hier wohl wirklich nur die kein Auto, die sich keines leisten können. Der Bus ist nix für Reiche, mit dem Rad am Stadtrand kilometerweit zum nächsten Supermarkt zu radeln, auch nicht. Hier steckt auch gleich der zweite übertragene Sinn drinnen: Bei 34 Grad, sengender Sonne und den schlechtesten Straßen, die die westliche Welt zu bieten hat, 2,5 Kilometer zum nächsten Supermarkt zu fahren ist kein Spaß. Mit den Einkäufen, die an der Lenkstange baumeln, wieder zurück zu radeln übrigens auch nicht.

Deshalb wurden wir heut netter Weise mit dem Auto hin und her kutschiert, neben der Freundlichkeit (Kulturschock Nummer 1: Es war noch kein Mensch unfreundlich zu mir.) hat sich im Rouses aber gleich Kulturschock Nummer 2 eingestellt : Hier grassiert eine Plastiksackerlepidemie unvorstellbaren Ausmaßes.

Diese Plastiksackerlgeschichte geht mir ja seit einiger Zeit durch den Kopf (obwohl ich Plastic Planet nicht gesehen hab!), und in Wien bin ich daher meistens ganz öko-mäßig mit Stoffsackerl zum Billa gegangen bzw. hab mich schlecht gefühlt, wenn ich allzu viel Obst in durchsichtigen Säckchen abgewogen habe. Irgendwie find ich Plastiksackerl verwerflich (no pun intended!) – so einen wertvollen Rohstoff wie Erdöl in sowas unnötiges wie Einweg-Tragebehelfe zu stecken, nur um die Eingweg-Tragebehelfe dann in den Einweg-Plastikabfallbeuteln zu verstauen, ist einfach nicht schlau, meine ich. Dabei hat im Standard vor einiger Zeit ein Plastiksackerl-Lobbyist behauptet, dass der Gesamtverbrauch an Plastiksackerl von einer Person in Österreich ungefähr so viel an Öl verbraucht, wie zur Herstellung des Benzins für eine Fahrt von 13 (!) Kilometern benötigt wird (ich find den Link grad nicht). Also eigentlich ists eh wurscht.

Eigentlich. Heute waren wir wie gesagt beim Supermarkt und luden hamstermäßig unser Einkaufswagerl voll (wer weiß, wann die nächste Gelegenheit kommt, Tomaten zu kaufen), schritten zur Kasse, und da war sie: Die Plastiksackerlepidemie. Die sieht so aus: Zunächst zieht die Kassierin die Waren über die Scannerkasse – in Zeitlupe, wohlgemerkt. Die Hofer-Kassierin in der Zieglergasse schafft in der selben Zeit das 20fache, ehreschwöre. Jeder Artikel wird genau begutachtet und dann in ein Plastiksackerl gelegt. Das Plastiksackerl ist aber nicht voll, wenn es voll ist. Das Plastiksackerl ist voll, wenn maximal drei Dinge drin sind. Ein Kaugummi, ein Flaschenöffner, eine Packung Spaghetti. Eine Flasche Olivenöl, zwei Zitronen. Oder auch schon früher: Zwei Packungen Milch. Eine Packung Eier. Shrimps. Eine Flasche Wein. All das kommt natürlich in ein Extra-Sackerl. Halt bloß nicht zu schnell, aber stetig.

Ich habe die Sackerl gezählt: Vom heutigen Einkauf bin ich mit 19 Plastiksackerl heimgekommen. Würden die Obstsackerl mitzählen, wären es 23 geworden. Der (nicht mehr so heimliche) Öko in mir weint still. Ich räume den Kühlschrank ein und stecke 19 Plastiksackerl in den Plastikmüllsack.

Zum Glück sind wir gefahren worden, denk ich mir noch einmal, als ich den vollen Kühlschrank sehe. Mein innerer Öko schluchzt herzzerreißend. Ich schalte Musik ein und such im Internet nach gebrauchten Autos.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter cheerio!, culture, student things

2 Antworten zu “Willkommen in Amerika!

  1. Du hast Plastikmüll? Gratuliere! Mülltrennung haben die hier bei mir zwar schon mal gehört, aber wohl noch nie praktiziert. Mir graust es jedesmal, wenn ich eine Flasche zwischen die Essensreste, Plastiksackerl und Coladosen stecken muss. Da wird sämtliche Müllaufklärung, die mir seit der Volksschule eingeimpft wurde, zuschanden gemacht und schön langsam kommt mir sogar das schlechte Gewissen abhanden. 😦

    • evamal

      ach, schön wärs. Hier ist das Plastik in Plastikmüllsack ein Eigenschaftswort für den Müllsack, nicht für seinen Inhalt. Rein kommt natürlich auch alles – außer die Essensreste, die kommen in den Abfluss. Dort ist eines dieser unheimlichen Teile, die von der Gurke bis zum Hühnerknochen alles zerhächseln. Falls sich wer erinnert: Bei den Dinos gabs das auch – nur war das Dinosauriertier, dass diese Küchenfunktion ausgefüllt hat immer krank, weil irgendwer Gabeln reingeworfen hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s