Selbstbetrug im Fitnessstudio.

Wieder mal einen ziemlich unproduktiven Tag verbracht? Mit 1000 Kleinigkeiten verzettelt, stundenlang auf Facebook jeden Link angeklickt und wenn das Internet dann ausgelesen war, wieder bei orf.at angefangen? Naja, das passiert. Aber so ungewöhnlich ist das gar nicht. Letztens hab ich eine fürchterlich tolle Erklärung zum Aufschiebeverhalten des homo sapiens sapiens gelesen (irgendwo auf Reddit, finds grad nicht). Da steht drinnen, dass regelmäßiges Geschirr-Abwaschen dagegen hilft. Naja, ich hätte mir eine einfachere Lösung gewünscht.

Ich mach das jetzt anders: Nach solchen Tagen geh ich ins Fitnessstudio. Zwar würde die Tatsache, dass ich in der Früh mein Turnzeug packe und mitnehme implizieren, dass ich a) hellseherinnenmäßig einschätzen kann, dass das ein unproduktiver Tag wird, oder b) es gar nicht erst versuche, aber ignorieren wir das mal. Nach einer Dreiviertelstunde Crosstrainer bin ich mäßig erschöpft und fühle mich großartig weil wertvolles Mitglied der Gesellschaft: Gesund, körperumfangsmäßig im Durchschnitt und sehr diszipliniert. 45 Minuten Sport = Zufriedenheit und die Illusion, dass der Tag doch nicht so unproduktiv war wie ursprünglich gedacht.

Diesen Fintess-Selbstbetrug hab ich durch umfangreiches Bildungsprogramm perfektioniert. Bislang bin ich dank der eingebauten Minifernseher in meinem heimischen Fitnessstudio nicht auf die Idee gekommen, die sportliche Langeweile (nein, es macht keinen Spaß währenddessen.) mit was sinnvollem zu überbrücken. Nachdem hier die Geräte allerdings ein wenig ausschaun, als wären sie aus der Sowjetunion geklaut, entbehren sie demnach auch der eingebauten Unterhaltung. Nach ein wenig Vickie-mäßigem geknoble fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Podcasts! Warum komm ich eigentlich erst jetzt auf die Idee? Podcasts sind ein völlig unterschätztes Bildungsmedium, finde ich. Und mit NPR (National Public Radio; ist so ähnlich wie Ö1 – nur AkademikerInnen hörens, aber sie haben tolle Programme, die anders als bei Ö1 fast alle als gratis Podcast downloadbar sind) hab ich auch gleich eine großartige Quelle dafür gefunden.

Wer sich für Kulturwissenschaften interessiert, dem/der sei aber folgendes Programm ans Herz gelegt: Bei den „Stimmen der Kulturwissenschaften“ werden mehr oder weniger abgespacede Forschungsprojekte beplaudert. Super: Eines davon dreht sich um „Fitness, Wellness and  Body Concepts.“ – „Do these modern body management ideologies finally lead to a new soft commercial type of eugenics, “the survival (or the thriving) of the fittest, healthiest and most beautiful”?“ – spannende Frage. Ich werd das bei meiner nächsten Crosstrainer-Session reflektieren. Ich wette, das Fitnesstudio verlasse ich trotzdem hyper-zufrieden: Körpermäßig mitten im Mainstream und klug dazu.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter cheerio!, student things

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