Ein Trollgefängnis

Diese Podcasts machen mich urgscheid. Letztens gehört: Carmel Vasiman about Hate Speech and Trolling. Während Carmen Vasimal großartig und toll ist, kann ich das leider von den Interviewern nicht behaupten. Eine von Vasimals Thesen zu Hate Speech im Internet ist folgende: Besonders in sozialen Netzwerken sollten wir das Internet nicht als Medium, sondern als Raum verstehen. Hate Speech bedeutet in dem Sinn also nicht, dass irgendwer anonym einen Kommentar zu einem Thema abgibt und durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt ist, einen Menschen zu beleidigen, sondern dass er in einen persönlichen Raum eingreift. Das müsste sowohl konzeptuell als auch legislativ umgesetzt werden. Ein Vergewaltigungskommentar auf einem feministischen Blog ist also keine „freie Meinungsäußerung“, sondern Gewalt. Hier hat sich dann ein Interviewer disqualifiziert, als er meinte, das Internet dürfe doch auf keinen Fall reguliert werden wegen Freiheit und so. Der hat wohl auch noch nie Kommentare wie diesen hier gelesen – wer sowas schreibt, muss zur Verantwortung gezogen werden, finde ich.

Einige deutsche Netzfeministinnen haben hier vor einiger Zeit einfach mal zur Selbsthilfe gegriffen und hatr.org gegründet. Auf der Website werden Tollkommentare anonymisiert gepostet, mensch kann sie dann „facepalmen“, für Hitler- und Nazivergleiche gibts denn Godwinbonus. Die Werbeeinahmen aus den Inseraten werden dann an feministische Projekte gespendet. „Scheiße zu Geld“ ist also wirklich der perfekte Slogan.

hatr.org: scheiße zu geld

Ich bin von hatr.org wirklich fasziniert. Das Projekt zeigt a) dass Hatespeech gegen Frauen im Internet einfach kein isoliertes Einzelphänomen ist, sondern dass so der Kommentaralltag eines Blogs mit feministischen Themen aussieht, bleibt aber b) nicht in der Opferhaltung hängen, sondern macht was draus. Um die Internet-als-Raum These zu benützen: Hier wurde ein Trollgefängnis gebaut. Trollkommentare werden von den Orten, wo sie geschrieben wurden, ins Trollgefängnis transportiert, dort werden sie ausgestellt, gefacepalmed und als das gezeigt, was sie eigentlich sind: Antifeministische Kacke und nicht das Problem einzelner Bloggerinnen. Find ich Spitze.

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Eingeordnet unter genderize, serious, seriously?, sirius black

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