KonsumentInnenmacht? eher nicht.

Jetzt wollen wir also mit der Macht des Konsums Niemetz Schwedenbomben retten, lese ich im Internet. Die Regale werden leergeräumt, um die tollen Teile weiter im Handel zu halten. Weil wir das Tschisi-Eis so sehr vermissen, darf nicht auch noch die Schwedenbombe daran glauben, und daher müssen wir KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN.

Das freut die EigentümerInnen des Unternehmens, die in den letzten Jahr(zehnten) Niemetz ziemlich heruntergewirtschaftet haben dürften. Hohe Kapitalentnahmen, die nicht Investitionen sondern wohl einem privaten Tierliebe-Projekt dienten und eine inexistente Marketingstrategie führen dazu, dass die Arbeitsplätze von 66 MitarbeiterInnen gefährdet sind, 50 davon Frauen. (Quelle: Standard, toller Artikel, btw.). Die Solidaritäts-Kaufaktion soll nun dieses Unternehmen retten. Wozu? Die Schwedenbomben wirds weiter geben, InvestorInnen stellen sich ja eh schon an. Dank der Kaufwut der nostalgisch Veranlagten dürfte der Markenwert in den letzten Tagen auch noch ordentlich gestiegen sein. Und von einem Management, das tatsächlich das Unternehmen managed hätten wohl auch die ArbeitnehmerInnen mehr. Denn jede Soli-Kaufaktion ebbt einmal ab, und dann sind die Niemetz-Arbeitsplätze genauso gefährdet wie davor. Außerdem sind die Schwedenbomben als Süßigkeit echt nicht so super (Katharina Seiser lesen). Nichts desto trotz hat die Niemetz-Retten-Facebookgruppe über 30.000 Mitglieder.

Mich ärgerts, dass sich KonsumentInnen so leicht hinters Licht führen lassen und glauben, dass sie mit solchen Aktionen was total superes machen (Traditionsunternehmen retten oder so). Klar, die Firma dankt, weil die Kasse klingelt. Der Heini Staudinger war auch froh, als ihm das Grün-Alternative Österreich ob seiner Kampagne gegen die Finanzmarktaufsicht seine Schuhe förmlich aus der Hand riss. Dass er inhaltlich völlig daneben liegt, war denen auch wurscht – Hauptsache Zeitgeist, Hauptsache „guter Kleinunternehmer“, Hauptsache KonsumentInnenmacht. So ein Blödsinn. Wenn schon „verantwortlicher Konsum“, dann bitte nachdenken, wem ein Konsumboykott oder Konsumaufruf tatsächlich nützt und welchen Zweck er verfolgt. In der Internet-Aufregung vielleicht noch ein, zwei Artikel mehr lesen, bevor man sich zum Teil der emotional bewegten EinkäuferInnen machen lässt.

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