Ich brauche einen Erklärbären.

„Mama, warum haben im Pinzgau so viele den Hofer gewählt? – Ich weiß nicht, aber es ist wohl kompliziert.“

Es habe wohl etwas mit dem Gefühl zu tun, sich von den Snobs in der Stadt abgrenzen zu wollen, tippt Mama. Jetzt habe ich kurz das Gefühl aufklären zu müssen: In Wien leben die meisten AusländerInnen und die meisten Arbeitslosen Österreichs. In meinem Wohnbezirk Neubau gibt’s nicht nur Biosupermärkte sondern Drogendealer, BettlerInnen und eine riesige temporäre Asyl-Unterkunft. Norbert Hofer hat hier unter 20%.

Ich erzähle meinen Wiener FreundInnen immer, dass meine Jugend in Zell am See ziemlich weltoffen war. Schließlich lernt man in einem Tourismusort beim Fortgehen schnell mal wen aus einem anderen Land kennen, und im Sportverein waren ja auch etliche „zuagroaste“. Ganz abgesehen davon wirkt die „Österreich!!“ grölende Wutpartei in einem Ort dessen Wirtschaft zum Großteil von der Urlaubs- und Spendierbereitschaft von AusländerInnen abhängt geradezu grotesk.

Kann mir jemand erklären, was Leute zum Beispiel im Pinzgau so für den Hofer begeistert hat? Gerne auch anonym in den Kommentaren!

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Ich brauche einen Erklärbären.

  1. Magda Deckard

    Ich fürchte, Mama hat trotzdem recht. Das Duell war längst kein reines „links gegen rechts“-Duell mehr, sondern wurde speziell von Hofer zu einem „oben gegen unten“ bzw. „abgehoben gegen bodenständig“-Duell stilisiert – auch wenn die Wahrheit ganz anders aussieht, man muss sich ja nur ansehen, wofür bzw. wogegen Hofers FPO eintritt (Abschaffung der AK zum Beispiel).

  2. Raphael

    Ich komme aus dem Pinzgau und ich habe eine Vermutung warum so viele Leute Ing. Norbert Hofer ihre Stimme gegeben haben. Der Grund dafür, wie sollte es auch anders sein, ist das Streitthema Asylpolitik und die damit in Verbindung stehenden Konsequenzen und Maßnahmen für die „Einheimischen“ und die sogenannten „Zuagroasten“.

    Erstens, muss ich sagen, dass bei uns das Zusammenleben der heimischen Bevölkerung und der Asylbewerber eigentlich recht reibungslos abläuft. Einerseits gibt es eine Menge engagierter Personen und Organisationen die sich für das Wohl dieser Menschen einsetzen und andererseits gibt es Personen die dem nicht besonders viel abgewinnen können. So weit so gut. Kleinere Reibereien sind aufgrund der differenzierten Ansichten der beiden Lager vorprogrammiert. In letzter Zeit konnte ich jedoch beobachten, dass sich ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung, und ich spreche hier glaube ich nicht nur für den Pinzgau, schlichtweg benachteiligt fühlt. Viele Familien in unserer Region stehen finanziell nicht besonders gut da, sie müssen am Ende des Monats jeden Euro zwei Mal umdrehen um die laufenden Lebenserhaltungskosten decken zu können. An Freizeitaktivitäten, geschweige denn Urlaub braucht man gar nicht erst denken. Des Weiteren haben die Leute hier Ängste, dass das Österreich, so wie wir es heute kennen nicht mehr lange so sein könnt wie es jetzt ist. Unsere Großeltern und teilweise auch Eltern haben Österreich zu dem gemacht was es heutzutage ist. Darauf können wir stolz sein! Viele verstehen nicht, warum sie dieses Land, dass sie mit ihren eigenen Händen mühsam aufgebaut haben jetzt auf einmal mit tausenden von Menschen aus völlig anderen Kulturen teilen sollen. Die zusätzlichen Bilder der Medien, die tausende von Menschen, teilweise außer Kontrolle, an den Grenzen, Bahnhöfen oder sonstigen öffentlichen Plätzen zeigen haben sich in Köpfen der Menschen eingebrannt und verstärken das Motiv des „Heimatschutzes“.
    Die Angst der Benachteiligung/Vernachlässigung wird mit folgenden Fragen nur noch verstärkt. Warum bekommen diese „Zuagroasten“ Essen, Kleidung und Unterkunft kostenlos zur Verfügung gestellt und ich muss jeden Monat neben meinem 40 Stunden Fulltime-Job noch Putzen gehen um meinen Kinder und mir genau denselben „Luxus“ bieten zu können? Warum lädt ein ortsansässiger Betrieb alle Asylwerber in unserer Gemeinde zum Festmahl ins Gasthaus ein und ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal auswärts essen war? Warum bekommen diese Flüchtlinge ein ganzes Haus zur Verfügung gestellt und benötigen noch zusätzlich, weil sie zu faul sind, einen Haushälter (der nicht vor 9:00 Uhr kommen darf, da die Flüchtlinge in der Früh schlafen wollen), der für sie putzt, im Winter Schnee räumt und einheizt, im Sommer Rasen mäht und den Garten pflegt? Bei uns im Pinzgau machen solche Vorkommnisse und Erfahrungen äußerst schnell die Runde und verbreiten sich wie ein Lauffeuer und stiften Unmut in der Bevölkerung. Eine Frage die aktuell immer mehr an Bedeutung gewinnt ist: Warum kommen diese Männer aus Syrien, Irak, … immer alleine und lassen ihre Frauen und Kinder in den ach so gefährlichen Kriegsgebieten zurück? Das diese Männer zusätzlich noch in Gruppen in der Nacht in den Orten/Städten im Pinzgau umherziehen (liegt wahrscheinlich daran, dass sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit dürfen/müssen) verunsichert bzw. verängstigt die Bevölkerung noch zusätzlich. Muss es wirklich soweit kommen, dass man bei uns am Land in der Nacht auf dem Nachhauseweg Angst haben muss?

    Ich glaube, dass andere Themen im Wahlkampf nicht wirklich eine Rolle gespielt haben. Die Leute hier, haben in Herrn Hofer einen Präsidentschaftsanwärter gesehen der diese Ängste angesprochen hat.

    • evamal

      Danke für den interessanten Kommentar! Besonders das Thema Angst ist glaube ich sehr wichtig, v.a. weil es sich meistens ziemlich irrational entwickelt. In Wien zum Beispiel gibt es seit längerem eine Diskussion über die U6, eine relativ dreckige, volle und im Sommer extrem heiße&stinkige Ubahnlinie, an deren Verlauf auch ein paar soziale Einrichtungen sind die Junkies und Alkis anziehen bzw wo auch viel gedealt wird. Ich bin fast jeden Tag dort unterwegs (seit Jahren) aber erst seit überall darüber gesprochen wird wie arg das ist denke ich selbst jedes mal dran wenn ich einsteige. Mit ist nach wie vor noch nie was dort passiert (außer vielleicht dass die Geruchskombi aus Schweiß, Bier und Kebap im Sommer wirklich grauslich ist), aber alleine dass alle behaupten es sei dort so gefährlich lässt mich plötzlich selbst aufmerksamer werden. Darum ist tatsächlich die Stimmung im Land sehr wichtig und man muss sich manchmal selbst gut befragen warum man eigentlich ein mulmiges Gefühl hat.

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