Archiv der Kategorie: clever shit

documentations of brighter moments.

wahlanalysen.

Es macht ja wenig Sinn, am Tag nach der Wahl eine Wahlanalyse zur Wienwahl zu publizieren. Weil das tun genug andere, und in der Erkenntnistheorie gibts ja das bekannte Problem, dass jeder Gedanke  schon mal von wem anderen gedacht werden hätte können, originelle Wahlanalysen sind also auch vor dem Hintergrund schwer. Ich habe mich in den letzten Tagen also lieber durch viele Kommentare, Analysen, Meinungen und Artikel zur Wien Wahl gekämpft (zugegeben, den von Andreas Mölzer in der Presse hab ich ausgelassen) und versucht, die Argumente dieser AutorInnen zu sysetmatisieren.

Frage 1: Warum hat die SPÖ so viel an die FPÖ verloren?

Antwort A: Die Integrationspolitik der Stadtregierung ist verfehlt. Vieles wurde schöngeredet, die Probleme der Menschen ignoriert (Rainer Novak, Die Presse, Kotanko im Kurier). Es brauche „plausible Konzepte zur Integration“ statt „feelgood“-Politik, meinen die linkeren (Heidi Glück im Standard), es müsse endlich aufgehört werden, die Verfehlungen der muslimischen MigrantInnen hinter Kulturrelativismus zu verbergen (Ulrich „lernen’s a bisserl Geschichte, Herr Reporter“ Brunner in der Presse), es war ein Fehler, überhaupt so viele schlecht ausgebildete MuslimInnen einwandern zu lassen (Martina Salomon, Kurier), so die rechteren.

Antwort B: Zaudern, Zögern und defensive Themenpolitk bringen keinen Wahlsieg. Die Herumdruchserei mit dem Bundesbudget habe mehr geschadet als genützt (Robert Misik, Heidi Glück), bereits Erreichtes (Gratis-Kindergarten, U-Bahn-Ausbau und Volksbefragungs-Themen) wurde von der SPÖ nicht verkauft (Petra Stuiber, Standard). Die SPÖ Wien hat keine Visionen präsentiert (Brandstätter, Kurier).

Antwort C: Wer Strache als Feinbild definiert, treibt die mit der SPÖ unzufriedenen WählerInnen in seine Hände. Wem etwas an der Stadtregierung nicht passt, muss den Bürgermeistergegenkandiaten wählen, so wollte es die Wahlkampfinszenierung. (Rainer Novak, Die Presse, Michael Fleischhacker, Die Presse, ein bisschen auch bei Christoph Chorherr, Die Grünen)

Antwort D: Nicht zum Schmiedl, sondern zum Schmied geht der Ausländerfeind in Wien. Die Versuche der SPÖ, sich als Law and Order Partei zu positionieren, halfen der FPÖ. Das  wurde aber häufiger der ÖVP „vorgeworfen“. (Robert Misik, Anita Zielina im Standard, Paul Aigner in seinem Blog)

Antwort E: Die Partei ist am Sand. Michi Häupl war ein grantiger, müder, nicht voll einsatzfähiger Spitzenkandidat, im Bund steht alles still, die WienerInnen haben es verabsäumt, sich dagegen zu profilieren, WählerInnen lassen sich nicht mehr gemütlich einkochen. (Peter Ulram in der Presse, Heidi Glück, Petra Stuiber). Niki Kowall argumentiert im Blog der Sektion 8, dass die SPÖ zudem ein Rekrutierungsproblem habe, dass sie strukturell verbürgerlicht und damit ein glaubhaftes Eintreten für die Belange benachteiligter Gruppen nicht mehr möglich sei.

Der Misik hat irgendwie alle Argumente zu einem sinnvollen Ganzen verwoben, das ist auch ein bisschen sein Job.

Frage 2: Was muss die SPÖ tun, um die verlorenen WählerInnenstimmen von der FPÖ zurückzuholen?

hier sind die Antworten ein wenig dünn gesät.

Antwort A: Bessere Integrationspolitik. Die Linken sagen dazu nichts konkretes, die Rechten nichts brauchbares (z.B. Brunner)

Antwort B: Aufhören, die FPÖ auszugrenzen. Die Regierungsverantwortung würde schnell den Mythos FPÖ entzaubern (u.a. Thomas Strobl als Gastkommentar im Standard), Rot-Grün hingegen den Blauen noch mehr in die Hände spielen.

Antwort C: Rot-Grün. Weil rot-schwarz zipft die Politikverdrossenen nur noch mehr an (z.B. Misik)

Antwort D: Mit den Leuten reden, die die SPÖ nicht mehr wählen. Gabi Burgstaller meinte, die SPÖ solle in die „Ghettos“ gehen. Was ihrer Meinung nach dann passiert bwz. warum sie jetzt nicht dort ist und wenn sie dort ist, warum sie dort wenig erreicht, ist offen.

Antwort E: Andere Themen forcieren, sich um Aufstiegschancen Jugendlicher, Lebensqualität, Ausbildung, soziale Gerechtigkeit kümmern und Abstiegsängste verringern (so Günter Ogris bzw. Günter Traxler, Standard). Gö wirklich. Aber wie? Durch welches konkrete Projekt in Wien? Ok, ok, das muss sich die Partei selbst überlegen.

Gut, inwieweit sind wir jetzt schlauer geworden?

Antwort A: So mäßig. Aber die bürgerlichen Medien sind ja eh zum schmeißen und wir machen lieber irgendwas.

Antwort B: Die SPÖ Wien kann sich nur selber helfen. Und damit sollte sie schleunigst anfangen – Gutes verstärken (Ergebnisse bei Jungen, Frauen, Migrantinnen, Innenbezirke) und aufhören, an die FPÖ zu verlieren. Wie das geht? Weiß nicht, ich kann da auch nur Allgemeinplätze anbieten. Persönlich präsent sein. Politik auf Augenhöhe betreiben. Zuhören. Solidarität vorleben. Leute in die Parteiarbeit einbinden. Wissen, warum die Sozialdemokratie eine gute Idee ist und das weiter erzählen. Wissen, warum FPÖ-Politik für die Leute scheiße ist und das weiter erzählen. Offen für Neues sein. Ich lass es lieber, ich muss schon selbst über mich lachen. Was für ein unbefriedigendes Ende.

Und eine P.S. Antwort: Kein Kommentar hat empfohlen, mit der ÖVP zu koalieren.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter clever shit, irgendwas mit medien, serious

how to referat

mein gesamter 2. studienabschnitt besteht aus prüfungsimmanenten lehrveranstaltungen. das ist einerseits gut, weil wenig massenabfertigung und diskussionen möglich, andererseits schlecht weil zeitbudget naja und viel zu oft miese didaktik.

oft hab ich mich ja schon über die unsitte beschwert, dass lv-leiterInnen sich in einem referatsmarathon durchs semster wälzen, falls es noch nicht durchgedrungen ist: liebe lehrende, das ist KEINE didaktik!

auf der anderen seite hab ich mich fast noch öfter über schlechte referate von studierenden geärgert, in denen kein funken mühe steckte. gut, wenn mensch 7 referate im semester halten muss, nutzt mensch mit der zeit auch ab, aber auch ohne viel  zeitaufwand wär ne mündliche präsentation nicht so schwer zu machen. hier ein paar anregungen für die streberInnen unter uns:

1) es gibt einen grund, warum lv-leiterInnen seminararbeiten VOR dem referatstermin verlangen. nicht nur, dass faule studis wie ich die abgabe dann nicht 5 semester hinauszögern, nein, die inhaltliche vorbereitung auf das referat ist wirklich besser. falls ihr das noch nie gemacht habt, versuchts mal – 100 zu 1.

2) verschiedene präsentationsmedien haben haben unterschiedlichen nutzen. wenn exakt dasselbe im powerpoint, auf den handouts und auf der vortragsunterlage steht, bringt sich die sache wenig. hier ein kleines how-to:

a) powerpoint: gebt den leuten einen grund, hinzusehen! dh, es müssen visuelle anreize geschaffen werden, die am handout nicht gelingen würden und der illustration des gesprochenen dienen (grafiken mit lesbaren beschriftungen, fotos, dokumente…). die keep-it-short-and-simple-regel solle sich eigentlich schon allen eingebrannt haben, aber mensch weiß ja nie, deshalb noch mal: weniger ist mehr. nur was unbedingt zur orientierung da sein muss, kommt ins ppt!

b) vortragsunterlage: die ist fast so wichtig wie der vortrag selbst. da soll abgestimmt auf die folien der kluge input drauf – also hard facts, jahreszahlen, argumente, hintergründe und so weiter. ein spannendes referat beginnt mit der frage „kann ich meinem publikum etwas neues erzählen und beibringen?“ –  und das soll im idealfall dann mit dem gesprochenen wort passieren. ein umfassendes runterbeten des seminararbeits-inhaltes bringt weniger als die auswahl prägnanter beispiele zur illustration des gesamten themas. und genau deshalb taugt auch die vorher geschriebene seminararbeit NICHT als vortragsunterlage. schreibt was neues!

c) handout. völlig unterschätztes medium in der referatsgestaltung. im idealfall ersetzt es für eure faulen zuhörerInnen das mitschreiben, für euer engagiertes publikum lässt es platz zum notieren eigener gedanken/fragen und verfügt über hinweise zu weiterführender literatur. in KEINEM fall ist es der ausdruck der powerpoint-folien.

3) üben! egal, wie oft ihr schon referate gemacht habt, wie sicher ihr frei sprecht, wie gut ihr euch in dem thema auskennt – übt das referat gefälligst, bevor ihr es anderen leuten zumutet! erst im gesprochenen wort stellt sich heraus, ob ihr selbst vor langeweile einschläft oder der aufbau zur vermittlung der inhalte taugt. und ob es nicht doch ein weeeeeenig zu lang ist.

4) haltet euch an zeitbegrenzungen. zum wohle der allgemeinheit. und auch was für lehrende: referate, die länger als 25 minuten dauern, enden für alle beteiligten im 0/8/15 seminar meistens in einer multiplen katastrophe.

klugscheiß ende.

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Eingeordnet unter clever shit, student things

Ausgeränkt.

Das „Times“ – Ranking für Hochschulen ist da. Ein weiteres in der unendlichen Reihe der Reihungen, bei der eine Uni der anderen dann die lange Nase zeigen kann und ein „ich bin besser als ihr“ in Richtung der unteren Plätze nölt.

Nun ist die Uni Wien wie eine Schlammlawine vom Platz 115 auf 132 gerutscht – welch Schmach, welch Schande. Und was sagt Johannes Hahn dazu? Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen! Dann wird alles besser!

Es folgt: die genauere Betrachtung.

Was sind eigentlich die Kriterien dieses Hochschulrankings? derstandard hat das in seinem artikel kurz zusammengefasst, und auch hier ist die „Scorecard“ zu finden.

Die zeigt deutlich: 40% der Bewertung sind daraus entstanden, dass 10000 WissenschaftlerInnen befragt wurden, was ihrer Meinung nach tolle Universitäten sind. Der Rest der Kriterien setzt sich aus Internationalität (wie viele AusländerInnen finden sich bei Lehrenden und Studierenden?), Qualität der Lehre (wie viele Lehrende pro StudentIn) und Forschung und Chancen am Arbeitsmarkt (die Wirtschaft wurde befragt).

Der/die aufmerksame LeserIn wird jetzt sagen: „Und warum sollten Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren die Sache besser machen? Das hat mit den gezogenen Kriterien des Rankings überhaupt nichts zu tun.“ – ja EBEN! Zwischen den Faktoren des Rankings und Studiengebühren/Zugangsbeschränkungen gibt es keine nachvollziehbare Kohärenz!

Und das zeigt auch die Realität: Von den österreichischen Universitäten ist die Uni Wien die größte und diversifizierteste, und sie ist im Gegensatz zu medizinischen Universitäten oder Fachhochschulen in vielen Bereichen nicht zugangsbeschränkt .  Rund 80% der Studierenden dort zahlen keine Studiengebühren. Und bei aller Liebe – weder die Med Unis noch eine beliebige FH hats in die Top 200 geschafft.

Lösungsansätze?

Wie die Unis bei Rankings zukünftig besser abschneiden können weiß ich nicht, ich halt es aber auch nicht für sonderlich zentral. Zuerst bräuchte es eine ernszunehmende Diskussion darüber, welche Maßstäbe an Unis überhaupt anzulegen sind, um sie für „gut“ oder „schlecht“ zu erklären – alleine WissenschaftlerInnen nach ihren Meinungen zu fragen find ich unseriös. Für das österreichische Hochschulwesen gilt nach wie vor: mehr Geld für den tertitären Bereich und ein gemeinsames Schulsystem im primären und sekundären Bereich. Und dann, erst dann diskutieren wir wieder über Rankings.

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