Archiv der Kategorie: economy for everyone

nieder mit dem „ich versteh es nicht also muss es klug sein“- dogma. wirtschaft geht uns alle an.

diverses.

zum ersten bin ich der meinung, dass der begriff „mittelstand“ verboten werden muss. wenn die övp schreibt, eine erhöhung des spitzensteuersatzes ab einem jahreseinkommen von 300000 würde den „mittelstand“ belasten und die SPÖ wolle genau dem „ins geldbörsl und ins nachtkastl schaun“, dann kotz ich im strahl (ich hab letztens im fernsehen gesehen wie eine deutsche moderatorin das wirklich gesagt hat! das ist mein neuer lieblingsspruch und löst damit „if you have a hammer, everything looks like a nail“ ab)

zum zweiten glaube ich, dass ma rudi hundstorfer ein wenig mit der zuckerbrot- und peitsche-strategie zu leibe rücken muss. gesetztesentwurf zur durchsetzung des geltenden arbeitsrechts: super, rudi. leiwande initiative. genau das erwarten wir von einem sozialminister. (und am rande: findet ihrs nicht auch grotesk, dass die IV es scheiße findet, geltendes arbeitsrecht einhalten zu müssen und eine durchsetzung davon ganz fürchterlich aufwändig wäre?). frauen können halt besser aufbetten – lasst uns den rudi mit zitronen bewerfen (oder mit tomaten, ganz wie es beliebt), auf dass es ihn recht in den augen brennt. er sollte zur buße den etagen-bediensteten im nächstgelegenen hotel eine schicht abnehmen.

zum dritten: bitte nicht wegen dieser banken-abgabe-sache viktor-orban-fan werden. nur weil der imf seine politik nicht gut findet ist orban noch lang kein linker. die fidesz, seine partei, die seit den letzten wahlen eine 2/3 mehrheit im parlament hat, kann wohl am ehesten mit der FPÖ verglichen werden, die Jobbik, die in ungarn ebenso im parlament sitzt, ist wohl am ehesten sowas wie die Heimwehr. im übrigen zieht orban grad eine verteilungspolitisch katastrophale steuerreform durch – gleichzeitig mit dem einnahmenseitigen konsolidieren wirft er ausgabenseitig den besser verdienenden geld hinterher (16% flat tax, teilweise abschaffung der erbschaftssteuer). insofern hat der iwf schon recht – ein niedrigeres defizit wär zu erreichen.

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mehr rehgulasch, weniger waldsterben.

letztens musste ich schon schmunzeln: finanzstaatssekretär reinhard lopatka meine, mensch müsse mit diesen finanzmarktregulierungen höllisch aufpassen weil da vertreibe mensch ja das ganze kapital aus österreich. das flüchte dann quasi hinter die staatsgrenze, weil „kapital ist scheu wie ein reh“.

was tun rehe im wald? sie schaun eh liab aus, hüpfen da halt ein bissi herum und FRESSEN. sie FRESSEN KLEINE BÄUME. die BÄUME STERBEN davon. und dann STIRBT DER GANZE WALD. damit das nicht passiert, muss der/die försterIn kraftfutter zufüttern. nur damit die viecher herumhopsen und liab ausschaun. zu viele rehe fressen ganze jungwälder auf. da bleibt nix übrig.

retrospektiv betrachtet also nicht ganz geglückt, dieses sprachliche bild. aber auch anderen leuten ists in erinnerung geblieben. andreas schieder zum beispiel, dem anderen finanzstaatssekretär. der hat den lopatka im profil-streitgespräch drauf angesprochen:

Schieder: […] Dieser Mythos vom scheuen Reh des Kapitals, der jetzt gern von der ÖVP verbreitet wird…
Lopatka: Das ist kein Mythos, sondern Fakt.
Schieder: Investitionsentscheidungen hängen doch von vielen Kriterien ab, von der Qualität des Arbeitskräfteangebots, von der Bildung bis hin zur sozialen Sicherheit und Lebensqualität. Wenn all diese Kriterien stimmen, schreckt eine Börsenumsatzsteuer niemanden ab.

ich sags mal plump: kapital, das scheu wie reh ist, nützt unserer wirtschaft ja sowieso nix. das heißt nämlich, dass es nicht in langfristigen investitionen steckt, sondern entweder in stiftungen parkt oder auf der börse herumhopst. und sobald der jäger mit dem schießgewehr auftaucht das weite sucht (wobei, so weit ist bis liechtenstein ja auch nicht). mir konnte noch keineR erklären, warum es gut für österreich ist, wenn hier ganz viel externes kapital parkt. ich mein, wir besteuern es ja nicht einmal.

eigentlich ein einfacher schluss: rettet das klima! rettet die wälder! tötet die rehe!

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padam, padam

schallt es in meinem kopf, sobald ich mich konzentrieren soll. padam, padam. alles andere ist interessanter, auch ein blogeintrag ohne zweck und ziel.

im übrigen fahr ich in kürze nach italien, und falls ihr euch fragt, ob es denn dort krisenbedingt auch bald günstige weingüter mit ältlichen weinen für ältliche menschen käuflich zu erwerben gibt, muss ich euch enttäuschen. italien ist höchst verschuldet (115,8%). aber das sind ist es schon lange. und nicht im ausland, sondern bei italienischen banken. die italien im übrigen auch nicht retten musste. sagt die zeit, sagt auch joachim becker, von dem ich euch schon erzählt hatte. die immobilienbesichtigung verschiebe ich also auf in 20 jahren oder so.

und weil das letztes mal so gut funktioniert hat (und ich zu faul zum suchen bin) – hyman minsky experts out there? trottelsichere texte out there? (für alle nicht-ökonomie-nerds: hätten die politikerInnen minsky gelesen, hätten die seit mitte der 1980er gewusst, dass es früher oder später auf den finanzmärkten kräftig kracht und die realwirtschaft mit baden geht. systemimmanente konjunkturzyklen, nennt er das).

und weil ich so unproduktiv bin, werd ich unter dem gelben fransensonnenschirm statt dem neuen missy mag, fantasy-schund, high level sci-fi und seichten krimis wohl minsky-modelle studieren (und dabei bahnhof verstehen). daruf ess ich morgen gleich mal miesmuschelsuppe (10 euro in die schlechte-wortwitz-kassa, ich weiß.)

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irgendwann bleiben wir dann dort?

Gestern Letzens hab ich im Online-Standard einen ziemlich weirden Artikel zu Griechenland gelesen – pittoreske Ideen tummeln sich in dieser wirtschaftssjournalistischer Glanzleistung. Zu Beginn recht vielversprechend für jene, die postkeynesianische Ausflüge in Mainstream-Medien aufregend finden, fragt der Artikel, wie die griechische Wirtschaft angesichts des verordneten Sparzwangs um Himmels willen denn jemals wieder auf die  Beine kommen soll. Ein griechischer Ökonom, George Pagoulatos, wird mit folgendem Vorschlag zitiert:

Pagoulatos schlägt daher vor, Griechenland in ein „neues Florida“ umzuwandeln. „In den kommenden zehn Jahren wird es in Europa 50 Millionen neue Pensionisten geben, die müssen wir holen.“ Der griechische Staat sitzt auf Land im Wert von bis zu 300 Milliarden Euro, jede Menge Grundstücke für Rentner also.

Wegen angeblich mangelnder Alternativen fordern auch andere, denTourismus in neuen Bahnen zu forcieren. Der Chef der Athener Börse, Sypros Capralos, denkt an, Staatsländereien über Kapitalgesellschaften an die Börse zu bringen.

Allerdings sind Landverkäufe wegen strenger Umweltauflagen nur schwer umzusetzen, wendet der Abgeordnete der regierenden Pasok, Athanassios Alevras, ein.

Griechenland muss Florida werden! Yeah! Das ist die Idee des JAHRHUNDERTS! Schicken wir doch alle alten Leute an die Ägäis, ein paar Investitionen in die dortigen geriatrischen Stationen und die Überweisungen der nordeuropäischen Pensionen an Neo-GriechInnen, die krebsrot am Strand sitzen, wird wie ein wohltuender Regen auf Griechenlands Leistungsbilanz herunterfallen. Ich sehe den Werbespot im Hauptabendprogramm bildlich vor mir (auch STS wird an den Songrechten kräftig mitverdienen). Klingt nach einer durchdachten, nachhaltigen Strategie.

Wenig Leute scheinen sich ernsthaft Gedanken über sinnvolle wirtschaftspolitische Strategien für Griechenland zu machen. Werner Raza, Elisabeth Springler und Joachim Becker, die heute am 11. 5. im Republikanischen Club über die Krise diskutierten, sind einige von ihnen. Zwei von ihnen darf ich dieses Semester als LehrveranstaltungsleiterInnen kennen lernen, und ich beiß mir in den A*, dass ich es nicht geschafft habe, hinzugehen – wer dort ist war und vielleicht eine kurze Zusammenfassung der Diskussion zur Verfügung stellen kann, dem/der ist meine unendliche Dankbarkeit sicher.

Joachim Becker hat letztens außerdem einen „nicht sehr fantasievollen“, wie er meinte, aber einleuchtenden Gedanken mit uns Studierenden geteilt: In Griechenland werden der private Konsum und die Staatsausgaben zurückgehen. Daher ist zu erwarten, dass auch die Wirtschaftsleistung sinkt. Der Wachstums- und Stabilitätspakt („Maastricht-Kriterien“) fordert von den Euro-Ländern eine Neuverschuldungsquote von unter 3%, gemessen an der Wirtschaftsleistung. Wenn die Wirtschaftsleistung in Griechenland aber dank IWF und EU-„Hilfe“ zurückgehen wird, was passiert dann? Die Verschuldung im Vergleich zum BIP steigt.

Nachhaltige Wege aus der Krise müssen anders aussehen.

PS: ich freue mich über sinnvollen Lesestoff zum Thema! Wer gute Sachen weiß, immer nur her damit! Ich verlinke sie dann hier für die geschätzten 2-3 Leute in meiner gigantischen LeserInnenschaft, die das interessiert.

Die griechische Schuldenkrise, von Martin Konecny (SJÖ)

Analyse der Bank Austria (nicht von der Quelle abschrecken lassen, interessante Makro-Daten, argumentiert für stärkere EU-WiPol-Koordinierung und erklärt ganz gut, welche Schuld die deutsche und österreichische WiPol am Griechenland-Debakel hat)

Aus der Zeitschrift Analyse und Kritik ein Überblicksartikel mit Links zu detailierteren Analysen, dieser Artikel beschäftigt sich zum Beispiel ein wenig mit dem institutionellen Korruptionsproblem in Griechenland, beleuchtet aber auch dort den Einfluss von Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Positionspapier des wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland

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do not feed economists!

ein transpi auf der gestrigen demo. ich spiele mit dem gedanken, mir das motiv auf den oberarm tätowieren zu lassen.

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brand eins in zahlen

zum schwerpunkt kultur in der letzten ausgabe (12/2009):

Autoren: 12
Autorinnen: 2

genannte Künstler: 94
genannte Künstelrinnen: 12

gezeigte Kunstwerke, die von einem Mann gemacht wurden: 21
gezeigte Kunstwerke, die von einer Frau gemacht wurden: 1

Fotos, die Männer zeigen: 28
Fotos, die Frauen zeigen: 6

„Experten“ und männliche Personen, die in den Texten vorkommen/zitiert werden: 75
„Expertinnen“ und weibliche Personen, die in den Texten vorkommen/zitiert werden: 24

ist das eigentlich euer ernst?

ps: zur  zählweise: bei fotos im magazin wurde die darstellungsintention berücksichtigt. wenn z.b. ein bild von rembrandt eine frau darstellt, der untertitel jedoch „rembrandt“ lautet, habe ich es nur als „bild eines künstlers“ gewertet. zählungen der künstlerInnennamen habe ich in jedem artikel neu begonnen, jedoch pro künstlerIn und artikel nur ein mal. ebenso bei expertInnen.
mir sind sicher fehler unterlaufen, aber die richtung ist wohl nicht auf flüchtigkeitsfehler zurückzuführen.

den blog-eintrag hab ich auch als leserInnenbrief an die brand eins redaktion geschickt.

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Eingeordnet unter culture, economy for everyone, genderize, irgendwas mit medien, seriously?