Archiv der Kategorie: irgendwas mit medien

Was ich in der Arbeit mache.

RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: Terminvereinbarung

  1. Können wir einen Termin vereinbaren?
  2. Ja, haben Sie einen Vorschlag?
  3. A, B oder C.
  4. B passt für uns.
  5. Dann fixieren wir B.
  6. Sehr gut, B passt bei uns auch. Wir sind bei Ihnen?
  7. Ja, bei uns, ich darf den Termin wie folgt bestätigen.
  8. Vielen Dank, wir freuen uns schon.
  9. Wir uns auch.
  10. Schöne Woche noch.
  11. Ihnen auch.
  12. Danke.
  13. Bitte gerne.
  14. Sehr nett von Ihnen.
  15. Sehr gerne.
  16. Viele Grüße.
  17. Freundliche Grüße.
  18. Sehr freundliche Grüße.
  19. Sie legen zuerst auf.
  20. Nein Sie legen zuerst auf.
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Wurmloch-Weisheit

Heuer hatte ich einen Neujahrsvorsatz, den ich stolz Daniel offenbarte. Nicht, dass er im engeren Sinn danach gefragt hätte (Ich: „Was ist eigentlich dein Neujahrsvorsatz?“ – Daniel: „Hab ich noch nicht darüber nachgedacht, vielleicht…“ – „MEINER IST MEHR BLOGGEN“). Ein bisschen wie Glennon Doyle Melton in ihrer Anfangsphase wollte ich sein, einfach jeden Tag um 5 Uhr früh eine Stunde lange was schreiben und es dann veröffentlichen und mit der rohen unmittelbaren Erzählung aus dem Alltag meine Mitmenschen inspirieren, aus ihrer Isolation erlösen, mit meinen Internetpredigten Positives verbreiten. Nur ohne um 5 Uhr früh aufzustehen. Dass es ein richtiger Neujahrsvorsatz war merkt man daran, dass ich ihn verlässlich gebrochen habe. Was ich stattdessen gemacht habe?

  • alle Statusmeldungen der BVG der letzen zwei Jahre durchgelesen (ich bereue keine Sekunde)
  • mir sehr viele Contouring-Videos auf Instagram angeschaut (Ich bereue einige Sekunden, weiß jetzt aber, dass Männer groß im Kommen bei den Schmink-Accounts im Netz sind und ich glaube, das ist irgendwie nicht so gut für die Gleichberechtigung wie man auf den ersten Blick meinen könnte.)
  • den gesamten Instagram Feed von Mimi Thorisson durchgescrollt (Mein Neid war so groß! 7 Kinder, deren Namen ich jetzt alle kann, Modelmaße und -aussehen, immer ein Glas Vintage-Champagner oder Bordeaux in der Hand, von Beruf Internet- und Fernsehköchin ohne ein Messer richtig halten zu können.)
  • den Wikipedia-Artikel zu Reinhold Messner samt aller Hyperlinks durchgelesen (Wusstet ihr, dass er die 8.000er weitestgehend mit 3 Zehen bestiegen hat? 7 hat er am Nanga Parbat gelassen.)

Ich springe also nach wie vor beherzt in jedes Wurmloch, das sich im Internet auftut. So scrollte ich mich letztens durch ein Interview mit Barack Obama, in dem er über die Bücher spricht, die er während seiner Amtszeit gelesen hat, was das Schreiben für ihn bedeutet, und warum gemeinsame Geschichten wichtige politische Werkzeuge sind. Er ist einfach perfekt in diesem Interview – wie er seine Ambitionen als Autor mit Anfang 20 beschreibt, was er warum wann gelesen hat und am Ende eine unglaublich gute Brücke zu seiner Arbeit:

I think that what one of the jobs of political leaders going forward is, is to tell a better story about what binds us together as a people. And America is unique in having to stitch together all these disparate elements — we’re not one race, we’re not one tribe, folks didn’t all arrive here at the same time.

What holds us together is an idea, and it’s a story about who we are and what’s important to us. And I want to make sure that we continue that.

Man kann gar nicht anders, als sich am Ende des Interviews selbst völlig nutzlos zu fühlen. Der Typ hat während er die ärgsten Sachen in der Politik bewältigte einfach mir nichts dir nichts den heißesten Sci-Fi-Dreiteiler des letzten Jahres gelesen? Ich war die letzten 5 Monate zu verpeilt um mein Hörbuch-Abo zu kündigen. Nach dem Obama-Minderwertigkeitsmoment baute mir der Algorithmus präzise einen Text in den Feed, in dem es darum geht, dass erfolgreiche Menschen um 4 Uhr früh aufstehen und um 06:30, wenn die Loser erwachen, schon Buchhaltung und Fitnessstudio erledigt haben. Sozialleben haben sie keines weil sie um 21:00 ins Bett gehen, aber den Preis zahlen sie gerne für den kleinen Vorsprung gegenüber der schlafenden Welt. Michelle Obama z.B. steht um 04:30 auf, heißt’s in dem Artikel.

„Bitte, das stimmt nicht!“, rufe ich aus meinem Wurmloch. Michelle Obama steht nämlich frühestens um 05:30 auf, manchmal auch um 06:00. Das erklärt sie selbst bei Ellen, kurz bevor sie testen, wer mehr Liegestütze schafft. Jeder, der in den letzten Tagen die obligatorischen 20 „wir sind so traurig dass Obama nicht mehr Präsident ist“-Videos gesehen hat, weiß das. Der Liegestütz-Wettbewerb ist nämlich ein ikonischer Internet-Moment. Den kennt man aber nur wenn man öfter sinnlos im Netz herumgurkt, statt Steuererklärung, Sit-Ups oder Meditationsübungen zu machen.

Überhaupt, was sind das für Leute, die meinen dass sie durch absurd früh aufstehen dem Alltagsstress ein Schnippchen schlagen können? Die meinen, die schönen Dinge im Leben einfach dann erledigen zu können, wenn sonst niemand was von ihnen will?

„WAKEY WAKEY BUSY DADS! Now is a good time to make a batch of cookies for the freezer and moisturise dry elbows. ‚Me-time‘

… witzelt manwhohasitall auf Twitter. Um 5 Uhr früh ist aber überhaupt nichts schön. Um diese Uhrzeit blickt man höchstens in die augenberingte Fratze des Neoliberalismus: Zeit verschwenden ist eine große Sünde.

So gesehen sind Internet-Wurmlöcher der Riss in der Matrix, Snapchat-Filter eine potenzielle Revolution. Recht auf Ausschlafen für alle! Ziellos Internet-Surfen ist ein Menschenrecht! Gebrochene Vorsätze sind die besten Vorsätze! Das sollte mal auf ein Demo-Schild.

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Handyfotos

Meine Schwägerin hat mir vor einigen Wochen ein echt nettes New Mom-Comic gezeigt, in dem ein Bild mit dem Titel „baby’s portrait of a mom“ herausgestochen ist. Es zeigte ein Frauengsesicht, fast völlig verdeckt von einem iPhone. Ikonografisch erinnert es an Magritte, inhaltlich an mein Leben.

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Ich meine, ist das noch normal?

Unbenannt

Ich kann kein einziges löschen. Kaum macht das Kind etwas interessantes (also etwas anders als nur schnaufen) zücke ich die Handykamera und halte drauf. Meist ohne Erfolg- jede Aktivität wird eingestellt, das Kind starrt regungslos die rote Handyhülle an. Es muss ein faszinierender Anblick sein für ein drei Monate altes Geschöpf. Ich schicke währenddessen Dankesgebete an die Handygötter, Mutterschaft in Zeiten des Smartphones erleben zu dürfen. Es ist mein Tor zur Außenwelt, mein Gefährte in der Nacht, mein tragbares Zusatzhirn. Dass viele Kinder lieber mit Smartphones als mit pädagogisch wertvollem Holzsspielzeug spielen, spricht finde ich für sie.

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Kennst du Blogs?

Jetzt wollte ich gerade einen Rant schreiben darüber, dass im Internet niemand über Themen bloggt, die mich interessieren.

Es ist nämlich ungefähr so: Leute in meinem Alter bloggen über Mode oder DIY oder Essen (ich auch!) oder, in speziellen Fällen, über Berufspolitik. Dabei gibt es einige andere Themen, die mich als angehende End-Zwanzigerin viel mehr beschäftigen. Zum Beispiel die ewige Unsicherheit, dass man noch immer nicht so recht weiß, was man werden will, wenn man erwachsen ist. Woher dieses Gefühl kommt, sich immer um etwas beruflich besseres bemühen zu müssen. Schreibt einfach niemand über die eigene Situation im Job, weil man sich da ja was verbauen könnte? Oder über Kinderpläne (bist du verrückt? da stellt dich ja niemand mehr ein!)? Oder ob man nicht langsam verdummt in der eigenen Filterbubble aus Home-Improvement Blogs und sophisticated reading und nichts mitkriegt von der Welt jenseits der Craft-Beer und Concept-Store-Demarkationslinie?

Darüber wollte ich mich aufregen: Wo sind die Blogs von Personen in meinem Alter, die nicht wie ein einziges RTL-Living-Programm ausschauen? Worüber ich mich eigentlich aufregen will bin natürlich ich selbst: Jetzt bin ich gut ausgebildet, kann mich sprachlich ausdrücken, bin von meiner Intelligenz einigermaßen überzeugt und verbringe meine Internet-Zeit damit, Home-Improvement- und Modeblogs zu lesen. Offline koche ich Zwetschken ein. Dann poste ich Fotos davon auf Instagram, und das ist mein Beitrag zum digitalen Abdruck meiner Generation im Internet. Zu Hilfe.

Klar gibt es tolle Blogs die darüber schreiben, was mich interessiert und berührt (schon alleine deshalb, weil es im Internet einfach alles gibt). Hoffentlich finde ich sie rechtzeitig. Also bevor ich versuche, Blätterteig selbst zu machen.

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Fertig aufgeregt.

Mein politisches Blogging- und Posting-Verhalten folgt oft dem gleichen Schema: Ich lese was im Internet, empöre mich darüber und erkläre hier, oder auf Facebook oder auf Twitter, was grad meiner Meinung nach die aktuelle Katastrophe ist. Davon hab ich jetzt glaub ich genug. Das frustet mich einfach. Auf Twitter habe ich eine „three strikes and you’re out“-Policy eingeführt – wer mich dreimal aufregt wird entfolgt, so haben ein paar österreichische Alphatwittermänner dran glauben müssen, und ich habs nicht bereut. Dafür folge ich Leuten, die ich interessant und witzig finde, an spannenden Orten wohnen, oder die Artikel posten, auf die ich sonst nie kommen würde. Ich hab mich gefragt, ob das der Rückzug ins Private ist, der mir dann mit Ende Zwanzig komplett bevorsteht. Dann habe ich mich ein bisschen mit dem Konzept „Politik und Macht sind nicht dasselbe“ auseinandergesetzt und finde sehr viel sinnvolles daran. Antje Schrupp erklärt das hier vertretene Konzept von Politik so:

„Der Vorschlag wäre also, [Politik] so zu definieren, dass Politik überall da vorhanden ist, wo sich Menschen darüber austauschen, welche Regeln in der Welt gelten sollen. Und zwar dann, wenn sie das nicht nur aus einer egoistischen Perspektive tun oder um ihre eigenen persönlichen Interessen zu vertreten, sondern um die gemeinsame Welt im Sinne aller zu gestalten. Diese Art von Politik findet natürlich nicht nur in Parteien statt, nicht nur in Parlamenten, sondern überall. Sie findet auch auf der Straße statt, in Nachbarschaften, am Küchentisch, eben überall da, wo Menschen zusammenkommen und trotz ihrer Unterschiedlichkeit Regeln finden müssen, wie sie es jetzt handhaben wollen oder woran sie sich orientieren möchten.“

Ich mag diesen Vorschlag. Und das erklärt auch meine Abneigung gegen die üblichen Internet-Diskussionen über Politik. Sie konzentrieren sich in ihrer Aufregungsökonomie ausschließlich auf einen kleinen Teil von Politik: Welche Partei hat ihre Interessen wo durchgebracht, welche ist wo gescheitert, wer ist am Scheitern schuld? Politik ist dort gleich Machtpolitik (Schrupp: „die institutionelle Ämterpolitik eben“), und das ist oft relativ öd. Nicht, dass ich was gegen institutionelle Ämterpolitik hätte – ich finde die sogar ganz gut, sonst wäre ich ja in der Sozialdemokratie schlecht aufgehoben. Aber das ist eben nicht alles. Es gibt so viele verschiedene Orte und Mittel, wo und wie Politik gemacht wird. In meiner Beziehung, meiner Familie, meinen Freundschaften, meiner Uni, meinem Job, meinen Ecken des Internet, meiner Küche, meiner SPÖ-Sektion.  Der Erfolg politischer Versuche kann sich, finde ich, nicht ausschließlich an einem Gesetzestext messen, sondern an veränderten Einstellungen, Einsichten und Kooperationen. Das ewige „der hat das gesagt – der hat das gesagt – die haben das gemacht – die haben das nicht durchgebracht“ – Geschrei darf man nicht mit Politik verwechseln. Und ich möchte in Zukunft noch viel weniger dazu beitragen, dass diese Verwechslung  die Vorstellung von Politik einengt. Fertig aufgeregt. 

Nachtrag: Den Artikel hab ich erst heute gepostet, geschrieben hab ich ihn aber schon vor Monaten (Ende August). Heut hab ich ihn nochmal durchgelesen und noch immer für postenswert befunden.

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Dinge, die in der Zeitung stehen…

… und mich irritieren, Folge 252: Vergewaltigungsberichterstattung

In Neu Dehli starb eine junge Frau an den Folgen einer Gruppenvergewaltigung. Kurz vor Weihnachten wurde in der Wiener U-Bahnlinie U6 eine Frau vergewaltigt. Zu Jahresende wurde ein Mann gefasst, der der Vergewaltigung von drei Frauen verdächtigt wird. Diese Gewalttaten sind erschütternd. Nichts desto trotz kommt mir der Tonfall der öffentlichen Debatte um diese Fälle problematisch vor.

Vergewaltigung ist ein Drama – besonders dann, wenn sie von Ausländern an den Frauen unseres Landes verübt wird, das zeigt ein Blick in den Boulevard. „Wir raten Frauen, nicht alleine in der Nacht-U-Bahn zu fahren“, so Polizei-Sprecher Thomas Keiblinger“, ist im Schundblatt Nummer 1 zu lesen. „Absolut falsch ist jedoch die Analyse, wonach es sich beim gegenständlichen Fall nur um einen Einzelfall handelt. Die Belästigungen von Frauen durch ausländische junge Männer haben in Wien in den vergangenen Jahren stark zugenommen und enden meist in Gewaltexzessen.“, klärt uns ein Polizist und FPÖ-Gemeinderat in einer Aussendung auf. Gut, das ist keine Berichterstattung, aber der mittlerweile wegen Verhetzung angezeigte Herr ist als Teil der Exekutive und Legislative weithin akzeptierter Teil unseres Staatsapparates.

Rechte Politiker und Schmierblatt-Verantwortliche finden die Gewalt gegen unsere Frauen also empörend. Und gegen Vergewaltigung ist man auch im Qualitätsjournalismus. Umfassend wurde über den brutalen Mord einer jungen Frau in Indien und die darauffolgenden Proteste berichtet. Doch dieser öffentliche Schulterschluss gegen Gewalt an Frauen hat einen Pferdefuß. Während einzelne Fahndungsfotos eines Obdachlosen, eines Ausländers und eine namen- und gesichtslose Gruppe  mörderischer Vergewaltiger in Indien gut Klicks generieren, wird gleichzeitig das Bild von Gewalt gegen Frauen und Mädchen verzerrt. Die Täter, über die sich die Öffentlichkeit empört, sind fremd („ausländische junge Männer“), am Rand der Gesellschaft (obdachlos), oder weit weg, schon fast bei den „Wilden“ (Indien). Die Täter, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Österreich verüben, sind aber tatsächlich alles andere als das. Es sind  mit überwiegender Mehrheit Bekannte, Freunde, Beziehungspartner oder Verwandte. „Am häufigsten erleben Frauen Gewalt in ihrer Familie, 90 Prozent aller Gewalttaten werden nach Schätzungen der Polizei in der Familie und im sozialen Nahraum ausgeübt.“, erklärt das Frauenministerium. Viel mehr als in der U-Bahn müssen sich Frauen in den eigenen vier Wänden fürchten. Und es ist nicht ihr unverfrorener Akt, in der Nacht allein U-Bahn zu fahren, und auch nicht die Taktung der Wiener Linien, die Vergewaltigungen provozieren. Es sind Täter, die sie ausüben.

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Facebook ist mein Freund

Ich war ein bisschen krank, heute ist (hoffentlich) der letzte Tag dieses grippalen Infekts, und gerade jetzt komm ich drauf, wer sich eigentlich am meisten um mich sorgt: Facebook!

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Danke, besser! Mein Kopfweh hat nachgelassen, ich glaub, es ist nicht nur das Aspirin.

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Nicht viel, ich warte, bis ich wieder gesund bin.

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Jaja, alles halb so schlimm. Zieht sich halt schon ein bisschen, das ganze.

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Die Taschentücher sind aus, außerdem hab ich den Fernseher kaputt gemacht, glaub ich.

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Mittelmäßig, danke der Nachfrage.

(Aus der Reihe: Was dir plötzlich auffällt, wenn du vor lauter Fadesse eine Website alle 30 Sekunden aktualisierst.)

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