Archiv der Kategorie: serious

serious things.

99 percent.

Eine Büronachbarin fragte mich nach meinen Hobbys. So spontan sind mir keine eingefallen, zurück in meinem eigenen Büro sickerte es dann: ach ja, Politik. Ein paar Stunden später postet eine New Orleanser Musikerin den Treffpunkt für den hiesigen Solidaritätsmarsch mit #occupywallstreet. Sie und ihre Band werden dort sein. Zu Mittag noch fand ich Ezra Kleins Kommentar titelmäßig so abtörnend, dass ich ihn nicht gelesen hab („What does occupy Wall Street want?“ – das klang einfach zu sehr nach den hunderten österreichischen Zeitungskommentaren, die sich über die unorganisierten Audimax-BesetzerInnen beschwert haben). Und dann hab ich doch einen Blick gewagt – vielleicht ist das ganze doch nicht so winzig und unwichtig, wie gedacht, so sein Fazit.

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Dialektik à la New Orleans

So ganz sicher bin ich mir mit dieser Stadt noch nicht. Schlechte Infrastruktur? Naja, der Bus war pünktlich, billig und hat uns zuverlässig in die Stadt gebracht. Gute Infrastruktur? Er fährt zwei mal die Stunde. Unsichere Stadt? Noch keine beängstigende Situation erlebt. Sichere Stadt? Alleine im Finsteren zu Fuß gehen – nein Danke. Ambivalenzen stehen hier auf der Tagesordnung, hier noch ein paar Beispiele: Weiterlesen

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Vollverschleierungs-Studienkommentar

Die Open Society Foundation des Investmentbankers George Soros publizierte anlässlich des Inkrafttretens des Burka-Verbots in Frankreich im April 2011 eine Studie zum Thema. Ihre „Key Findings“ lauten in etwa so: Die Frauen werden/wurden nicht zur Vollverschleierung gezwungen. Sie sehen den Schleier als spirituelles Symbol, der Entschluss zur Verschleierung führte öfter zu Konflikten mit der Familie. Verbale und teilweise physische Angriffe erfahren alle Frauen in der Öffentlichkeit. Die Verschleierungs-Debatte in Frankreich veranlasste einige der Frauen erst, sich zu verschleiern.

Das Bild der eingesperrten, zur Verschleierung gezwungenen Frau spiegelt sich in den Untersuchungsergebnissen nicht. Vielmehr zeigt sich in der Studie, dass Schleierträgerinnen mehrhheitlich gut ausgebildete, in ihrer religiösen Praxis emanzipierte und eher avantgardistische Frauen sind, die trotz gesellschaftlicher und familiärer Widrigkeiten ihrer religiösen Überzeugung folgen.

Wiewohl die Grundidee der Studie eine super Sache ist (mit Leuten reden statt über sie) und der akutellen Debatte vielleicht ein wenig mehr Differenzierungsgrad geben kann, kann ich mich mit dem gewählten methodischen Vorgehen nicht ganz anfreunden.

Die Studienautorin beschreibt die gewählte Methode als „primarely qualitative“. 32 Frauen wurden interviewt, allen wurden standardisierte Fragen gestellt, mit 28 wurden längere Gespräche geführt (zw. 35 Min. und 2 Stunden). 14 Interviews wurden telefonisch geführt, 18 persönlich. Regionale Informationen gibt es ebenso wie ungefähre Angaben zum Kontaktweg (bestehende Kontakte, Kontaktsuche über islamische Institutionen, Kontakte, die über Erstkontakte vermittelt wurden). Und das wars mit den methodischen Informationen. Wie mit den qualitativen Daten weiter umgegangen wurde, erfährt mensch nicht.

Warum ist das wichtig? Aus der Lektüre der restlichen Studie scheint es, als würde allein die Inhaltsebene der Aussagen zu Ergebnissen zusammengefasst werden. Wenn zum Beispiel eine Frau sagt, sie habe sich aus Protest zur Verschleierungsdebatte zur Vollverschleierung entschlossen, wird die Aussage so wie sie ist übernommen und als Fakt gesetzt. Bei qualitativen Studien steht allerdings nicht die Inhalts-, sondern die Bedeutungsebene der Aussagen im Vordergrund. D.h. bei so einer Aussage müsste gefragt werden: Warum möchte die Frau gegen die Debatte Protest einlegen, warum in dieser Form, welche Bedeutung hat der Schleier für sie warum, welche Bedeutung hat das Verschleierungsverbot daher, was wird verschwiegen… Solche Fragen und Antworten ergeben sich aus der Interpretation der Aussagen (hermeneutische Methoden, so Zeug halt), die vor allem in einer Gruppe, der die Interviewerin nicht unbedingt angehören sollte, durchgeführt wird. Der Prozess ist der mühsame Teil der qualitativen Sozialforschung. Über einen Satz eine Stunde zu reden ist ziemliche Fitzelarbeit, die aber notwendig ist, um die am Text aufgestellten Hypothesen überprüfen zu können. Ob, bzw. wie interpretiert wurde, kommt aus der Studie nicht hervor.

Eine andere methodische Augenfälligkeit ist der meiner Meinung nach wenig geglückte Methodenmix. In der Studie wird immer wieder von Mengen gesprochen (Etwa gibts eine prozentmäßige Aufschlüsselung der religiösen Praxis der Befragten nach Einteilungen à la „practise a little“, „devoutly practising“), in denen das quantitative Paradigma immer wieder durchschlägt. Die Prozentzahlen sind mit Sicherheit richtig berechnet, allerdings kann bei qualitativen Studien nicht mit Konzepten gearbeitet werden, die ein quantitatives Sampling zu Grunde legen. Der religiöse Alltag von 32 Frauen sagt nichts über den religiösen Alltag der französischen Musliminnen aus. Genauso wenig sagt der religiöse Alltag von 32 Frauen etwas darüber aus, wie bei den einzelnen Frauen die Entscheidung für die Verschleierung mit Religion zusammenhängt.

Punkt 3 der mich stört: Auch bei der Aussagekraft der Studie werden qualitative und quantitative Methoden ungut vermischt. Qualitative Studien können und wollen nie allgemeine Aussagen treffen, weil ihre Erkenntnisse immer an die Subjetke gebunden sind, die im Zentrum des Forschungsprozess stehen. Zu rekonstruieren, aus welchen Gründen die Entscheidung zur Vollverschleierung fiel, welche Umwelteinflüsse das wie beförderten und wie das Selbstbild der interviewten Frau aussieht – das kann qualitative Forschung leisten. Die Logik der Entscheidung wird bei der Interpretation rekonstruiert. Eine bestimmte rekonstruierte Logik kann mittels kontrastivem Vergleich mit anderen Fällen zu einem Typ zusammengeführt werden. Aber auch die Typen sind nie „echt“ in dem Sinn, als dass mensch sie quantitativ messbar machen könnte – qualitative Erkennntisse leben von Bedetung und Sinn und nicht von Mengenangaben. Das erschließt sich eben nur interpretativ.

Bei so einer Studie könnte am Ende also gesagt werden: Bei unseren Untersuchungen haben wir folgenden Typ der verschleierten Frau rekonstruiert: (Beschreibung der Sinnstruktur einfügen). Es kann nicht gesagt werden: Frauen verschleiern sich, weil (Aufzählung einführen).

Typenmäßig würde hier wohl was ganz interessantes rauskommen: Die Frauen sehen sich nicht als Opfer eines Systems, sondern als selbstbestimmte Musliminnen, die ihren eigenen religiösen Weg gehen. Sowas in der Art.

Das Ergebnis müsste dann der Ausgangspunkt für weiteres Sampling sein. Qualitatives Sampling bedeutet theroetisches Sampling: Ich wähle meine Interviewpartnerinnen nicht zufällig, sondern nach theroetischen Kriterien. Zuerst ist das natürlich „verschleierte Musliminnen in Frankreich“, wenn die ersten Interpretationsergebnisse da sind, müsste das aber heißen: Minimal und maximal kontrastiv. Also so ähnliche Fälle wie möglich und so kontrastreiche Fälle wie möglich. Wenn die ForscherInnen dann das Gefühl haben, dass eine Sättigung erreicht ist – also keine neuen Bedeutungsstrukturen mehr auftauchen – dann ist das Sampling abgeschlossen. Den Punkt „so kontrastreiche Fälle wie möglich“ hat die Studienautorin so wie es aussieht ausgelassen.

Der Grund dafür ist nachvollziehbar: Maximal kontrastiv zu selbstbestimmten Frauen sind Opfer, die nicht für sich sprechen dürfen/können/wollen. Die zu einem Interview zu bewegen ist eine der schwierigsten Dinge in der qualitativen Forschung. „Entschuldigen Sie, werden Sie vielleicht von ihrer Religionsgemeinschaft oder Ihrem Ehemann gezwungen, sich zu verschleiern und dürfen Sie nicht allein außer Haus gehen?“ – das ist nicht so der gute Feldeinstieg. Und da sagt auch kein Mensch „Ja, und ich würde Ihnen gerne alles darüber erzählen, damit Sie es dann publizieren können.“

Das heißt nicht, dass das Sampel der Studie mit 32 Personen zu klein ist. Im Gegenteil, das ist für ne qualitative Analyse schon ziemlich viel. Jedoch beschränken sich die Ergebnisse auf einen (oder einenhalb) Typen von Schleierträgerinnen, wie viele andere ausgelassen wurden, könnte nur weitergehende Forschung zeigen. Aber das muss mensch halt auch zu den Ergebnissen dazusagen.

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Grenzen überschreiten

Na dann hab ich mich heute tatsächlich in die Bibliothek begeben – zwar schmilzt mensch dort bei gleichzeitigem Wasserflaschenverbot (keine gute Umwelt für Evas mit niedrigem Blutdruck), aber die Gesellschaft ist nett und die Lektüre gar nicht so fad wie gedacht. Thematisch heut „in da Reissn“ [Anm.: = „in Bearbeitung“ auf nicht-Hochdeutsch] : Alfred Schütz, Peter L.Berger und Thomas Luckmann sowie Anke Abraham und die Rosenthals – vereint gegen meinen Allzeit-Helden Pierre Bourdieu. Ein Drama mit offenem Ausgang.

Wer das noch nicht mitbekommen hat: Wäre ich nicht so feige, dann ließe ich mir ein „Pierre Bourdieu“ – Herz mit Pfeil auf den Oberarm tätwoieren. Er war meine erste große Liebe was sozialwissenschaftliche TheoretikerInnen angeht, Karl Marx kam da nie auch nur ansatzweise ran. Bis vor Kurzem dachte ich, er sei fehlerlos. Jetzt weiß ich, er ist es nicht: Er hat das sozialwissenschaftliche Potenzial, das in der Biografieforschung steckt, verkannt. In einem seiner Texte (Die Biographische Illusion) erklärt er polemisch (wie es halt seine Art ist…), dass die Analyse einer einzigen Lebensgeschichte in etwa so sinnvoll sei, als würde mensch bei dem Versuch, etwas über ein U-Bahnnetz herauszufinden, sich nur eine einzige Linie davon ansehen und die Kreuzungspunkte ignorieren. Was ein biografisches Ereignis bedeutet, kann mensch nach Bourdieu immer erst dann wissen, wenn es im sozialen Feld kontextualisiert wurde. Wenn irgendwer Chefin von Unternehmen A wird, müsste ich als Forscherin herausfinden, welche Kapitalverknüfpungen (Bekanntschaften, Geld, Prestige…) mit der Position verbunden sind, um bewerten zu können, ob sie z.B. gesellschaftlich auf- oder abgestiegen ist.

Zugegeben, ich hab den Text erst auf Google Books überflogen, aber ich glaub da verkennt der Gute sein eigenes Konzept von Gesellschaft.

Biografieforschung ist ja deshalb spannend, weil sie zeigt, wie Menschen mit von ihnen nicht beeinflussbaren Dingen umgehen. Was tun sie, wenn ein Krieg kommt, sie krank werden, sie Geld erben…? Bei Theorien des Sozialen ist es ja normalerweise immer so ne Sache: Entweder sie sagen, die Menschen können sowieso alles total individuell und rational entscheiden, oder sie rekurrieren auf irgendwelche halb-mystischen sozialen Systeme, die sie recht elaboriert beschreiben, in der aber keine einzige konkrete Handlung eines Menschens vorkommt. In der Synthese dieses konzeptuellen Problems haben sich oben genannte AutorInnen versucht (auch Bourdieu), sie kamen zu ähnlichen Schlüssen: Beides – Struktur und Individuum spielen eine Rolle. Themen wie Alltagsbewusstsein, Alltagswissen, Reflexion, die Herausbildung von Sinnstrukturen und Sozialsationsprozesse kommen bei allen vor. Alle außer Bourdieu finden aber, dass gerade Biografien zeigen, wie diese Themen in einem konkreten Menschen zu tragen kommen, was er damit anfängt und an seine Umwelt zurückgibt.

Das ist ja eigentlich bei Bourdieu auch ne wichtige Frage. Sein „Habitus“ entsteht ja durchwegs aus solchen Sozialisationsprozessen und zeigt sich im alltäglichen Handeln. Der Habitus ist Mittler zwischen dem Ich und der Umwelt, er markiert die Grenzen jener Welt, die ein Mensch nicht verlassen kann. Wie sich der Habitus genau bildet und welche Grenzen sich hier markieren lassen, zeigt die sozialwissenschaftliche Biografieforschung deutlich. Bei meinem Diss-Thema kann ich das Konzept vielleicht ganz explizit anwenden: Für die emigrierten Frauen war der Umzug nach Amerika im Rahmen des Denkbaren. Das ist ja eigentlich ziemlich komisch. Viele von ihnen hatten nicht einmal eine vage Vorstellung von den Kontinent, geschweige denn sprachen sie Englisch. Was in diesem Fall den Habitus prägte und wie sich Grenzen formierten, ist eine höchst interessante Frage. Warum konnten die regionalen Grenzen überhaupt überschritten werden? Was brachte sie dazu? Oder waren die Grenzen, die ihre Rolle in der Paarbeziehung festlegten, noch viel stärker als die Landesgrenzen? Konnte eine Frau eher auswandern, als verlassen zurück zu bleiben? Eigentlich eine ziemlich produktive Verbindung zwischen Habitus- und Biografieforschung, Herr Bourdieu, meinen Sie nicht?

Das eigentliche Missverständnis, dem Bourdieu aufsitzt, ist aber Folgendes: In individuellen Erzählungen zeigen sich ja immer auch Elemente des „objektiven Sinns“. Also der Alltagswirklichkeit, die alle Menschen teilen und den Ereignissen, die auf die Menschen hereinbrechen – oder wir sagen einfach „Geschichte“ dazu. Unsere Lebensgeschichten haben was mit der „restlichen“ Geschichte zu tun, insofern ist es auch legitim,  geschichts- und sozialwissenschaftliche Fragen an sie zu stellen.

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embrace it.

I must start getting acquainted with my doctoral thesis NOW. No, this is not true, i should have started ages ago. But I didn’t – leaving Vienna for a year ist quite a big decision. The scaryness-factor doubles every minute. I leave my relationship and social network behind, and behind means that the Atlantic and parts of the Gulf of Mexico will seperate us for ten months. I’m not leaving for a few months of erasmus partying in a random European city. My destination is New Orleans. Imagining what this will be like fills my days, no wonder I’m not capable of doing much apart from this right now. Writing the occasional article for PROGRESS or doing one or two things for the Student’s Union (my political energy is now focused on getting the candidates for the doctorial program at WU Wien (re)elected) is all I manage, and this is just welcome distraction from what I should be doing – putting up my tents in the library and getting to work.

As I am through with most procastination activities I have in my repertoire, only blogging was left, so here is my new plan: I will tell my incredibly large audience about my thesis. I will blog about every single progress or set-back. I will bore the hell out of you (and me), until you (and me) embrace my thesis to the utmost. We will love and cherish it. And I will finally start doing something. Here we go:

What is my thesis about?

Austrian-American relationships are quite an exotic research topic. Many scholars wrote about the transformation of the relationship between Germany and the US, but Austria is sort of a neglected case, I think. (Maybe I am totally wrong about this, I’ll check this out in the next weeks) One of the few scholars who dedicate their work to this issue is my co-advisor Günter Bischof. He is chair of Center Austria at the University of New Orleans and a profound expert on the issue. Maybe due to his own migrational history, he is not only interested in political history or social structures, but also in individual stories and biography research. He encouraged me to choose a topic like this for my thesis: I’m writing about Austrian War Brides and their lives in the US. When I explain my subject to Austrians, it usually takes some time until I described what and why I am writing about, so in brief not so brief:

During the occupation era of allied forces in Austria between 1945 and 1955, social interaction between soliders and civilians helped forming attitudes towards entire nations. The US forces were known als benevolent occupiers, those who grew up during this period remember chocolate and chewing-gum gifts from GIs. Especially in contrast to the sovjet occupational regime (or at least in contrast to what was heard and thought of the sovjet occupational regime), the civilians in Salzburg and Upper Austria were more or less okay with having the Americans around. But the evolvement of gender roles during the occupation period is quite an interesting one: The post-war Austrian population was short of two cohorts. First of all, around 65.500 Austrian Jews were murdered in the Nazi-Regime, another 120.000 were forced into exile. Many intellectuals went to the USA and stayed there, as the Austrian government was not very keen on inviting them back or even apologizing for the atrocities Austrian authorities committed during the Nazi era. Secondly, there was a huge lack of men in post-war Austria. 240.000 Austrian Wehrmacht soldiers died, another 500.000 were prisoners of war (I need to re-check the source of this numbers). To get the dimensions of this right: According to Statistik Austria, Austria had a population of just about seven million in 1951. 740.000 men would compose around 20 percent of the whole male population. Quite a lot, isn’t it?

The Austrian nation, just like the German one, was therefore perceived as feminine. According to Petra Goedde („GIs and Germans“), this helped alleviating the tension between the allied forces and the defeated Germany – the majority of German civilians who interacted with the GIs were women. Thanks (?) to specific gender roles, women were generally thought innocent of any war crimes as their place in society was strictly defined. Women were mothers, housekeepers, daughters, not soldiers. This engendered role concept did not allow women to be wartime actors, they were victims of the male wrongdoers of society. Because of this, the interactions between female Germans and GIs were more relaxed than between German men and American Soldiers. Women were victims, not enemies. The same is true for Austria. Although there is a small difference – Austria was said to be Nazi-Germany’s first victim, so the defeat of Austria was labeled „liberation“.

Nevertheless, if a women started a relationship with an American solider, she was always accused of being a prostitute. Mainly the remaining men and the fiercest defenders of conservative sexual moral (e.g. the catholic church) complained about the immorality of those intercultural relationships. If Austrian women started relationships with American soldiers, they put their own integrity at risk. But their criticism did not stop these encounters to happen. Of course, prostitution-like relationships were also part of the post-war reality like platonic or romantic relationships. Ingrid Bauer, one of the few austrian researchers who are familiar with the topic of occupation and gender-relations, puts it this way: „In short, it was about domestic, communicative, and sexual ’services‘.“ (Bauer 2007:77), the women found the undamaged men attactive – „It was a question of ‚intact‘ men, without war injuries, who demonstrated calmness and success at the same time.“ (Bauer 2007:71), Bauer concludes.

Long story short – the approximately 70.000 GIs, who were in Austria by the end of 1945, left traces. Some had illegitimate children with austrian women, some chose Austrians as wifes. Here is, where my thesis starts: Those War Brides emigrated from their country of origin to a compleatly foreign nation – the United States of America. They left everything behind: Possessions (although most of them did not have many), friends and family. They did not know anybody in the US but their husbands. Many of them did not even know the language. Nevertheless, the packed their stuff and went away – forever. Many of them thought, they would never see their relatives again.

Although there is abundand research on the topic of war brides in the US (I am currently getting an overview on this – my newest purchase is „Entangling Alliances – Foreign War Brides and American Soldiers in the Twentieth Century“ by Susan Zeiger, I keep you posted on how I liked it), the Austrian wifes are not being covered until now. My thesis should shed some light on these women and the experiences they made during their lives. With the method of biographical interviews, I try to reconstruct their lives and the strategies they chose to make their way in their new home country.

Embrace it!

Embracing the topic should be easy enough, as those women were much braver than I was when they made the decision to leave Austria. I will be coming back after ten months, they went to stay forever. And still, I worry like hell. Will there be anybody to talk to? To hang out with? Does anybody get my sense of humor on the other side of the lake (not that I have much of it…)? Can I even communicate things the way I want? Even this short blog post makes me deeply unhappy about my very mediocre lexis and writing skills in English. Did the Austrian War Brides worry about the same things I worry about now or were their realities too different to mine? Are their any culture-specific strategies to cope with emigration? Or at least with a part time stay far, far away? Hopefully, I can adopt some of their tricks. I am looking forward to interviewing these women, I really hope that I can find enough who are willing to share their memories with me.

References:

Bauer, Ingrid; Huber, Renate: Sexual Encounters across (Former) Enemy Lines, in: Bischof, Günter; Pelinka, Anton; Herzog, Dagmar (Hg.): Sexuality in Austria, New Brunswick/London: Transaction Publishers 2007, S. 65-101

Goedde, Petra: GIs and Germans: culture, gender and foreign relations, 1945-1949, New Haven: Yale University Press 2003

Zeiger, Susan: Entangling Alliances. Foregin War Brides and American Soldiers in the Twentieth Century. New York/London: New York University Press 2010

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keine Bagatelle.

Die HochschülerInnenschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien ist fest in der Hand der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (=AG, die mit dem Regenbogen). In der Universitätsvertretung (Studierendenparlament auf Ebene der einzelnen Hochschule) stellen sie die 2/3 Mehrheit. Die Universitätsvertretung hat laut HochschülerInnenschaftsgeset (HSG) die Aufgabe, Studierende auf Universitätsebene zu vertreten (z.B. bei Verhandlungen mit dem Rektorat oder anderen zentralen Stellen). Dem gegenüber sind Studienvertretungen dafür zuständig, in ihrem Wirkungsbereich (der Studienrichtung) die Studierenden zu vertreten – etwa gegenüber ProgrammdirektorInnen oder Bereichsverantwortlichen für Studienpläne etc.

Wer hat das Recht auf eine eigene Studienrichtungsvertretung?

Das Gesetz regelt diese Frage wie folgt:

§ 17. (1) Für jedes ordentliche Studium, insbesondere auch für Lehramts- und Doktoratsstudien, ist eine Studienvertretung einzurichten. Die Universitätsvertretung kann beschließen, dass Studien zu einer Studienvertretung zusammengefasst werden. Derartige Beschlüsse bedürfen der Zweidrittelmehrheit.

Im Regelfall ist also eine Studienrichtungsvertretung für jedes ordentliche Studium einzurichten. Ein ordentliches Studium erkennt mensch an der eigenen Studienkennzahl. Während also die bestimmten Spezialisierungsmöglichkeiten im Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als „Studienzweige“ gekennzeichnet sind und trotzdem unter einheitlicher Kennzahl laufen, sind die verschiedenen Master-Programme an der WU im Gegensatz zum „Bachelor für alle“ (Ausgenommen Wirtschaftsrecht – das ist ein eigenes ordentliches Studium) als ORDENTLICHE STUDIENRICHTUNGEN eingerichtet (Finanzwirtschaft und Rechnungswesen, Sozioökonomie, Management, Steuern und Rechnungslegung, Volkswirtschaft und so weiter). Denen gebührt im Normalfall auch eine EIGENE ORDENTLICHE STUDIENRICHTUNGSVERTRETUNG.

Warum erlaubt das HSG, Studienrichtungsvertretungen zusammenzulegen?

Manchmal kann eine Zusammenlegung von Studienrichtungsvertretungen sinnvoll sein. Besonders in der neuen Studienarchitektur bietet sich etwa die Zusammenlegung von Bachelor-, Master- und Diplomstudierenden einer Studienrichtung zu einer Studienrichtungsvertretung an. Beispiel dafür ist etwa die Stv PoWi, die Bachelor-, Master- und Diplomstudierende der Politikwissenschaft gleichzeitig vertritt. Ein Fachbereich, ein Institut, verschiedene Studienpläne, (fast) die selben Probleme – die Zusammenlegung führt in diesem Fall zu effizienter, schlagkräftiger Vertretung.

In der ersten ordentlichen Sitzung der Universitätsvertretung der WU Wien am 15. Oktober im Wintersemester 2010/2011 wurde unter dem Tagesordnungspunkt „Zusammenlegung von Studienrichtungsvertretungen“ folgendes beschlossen (Kopie aus dem Protokoll der Sitzung, nein, ich habe nicht bei der UV gefragt, ob ich den Auszug veröffentlichen darf, aber die Sitzungen sind wenn nicht anders beschlossen ohnehin öffentlich und ich finde, die WU-Studis sollten das auch in der beschlossenen Form lesen:)

ANTRAG Norbert Köck (AG WU):
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Diplomstudien“ zusammengefasst
werden.
– Diplomstudium Betriebswirtschaft
– Diplomstudium Internationale Betriebswirtschaft
– Diplomstudium Volkswirtschaft
– Diplomstudium Wirtschaftswissenschaften: Management Science
– Diplomstudium Wirtschaftswissenschaften: Wirtschaft und Recht
– Diplomstudium Wirtschaftswissenschaften: Sozioökonomie
– Diplomstudium Wirtschaftspädagogik
– Bakkalaureatsstudium Wirtschaftsinformatik
8
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Doktorat“ zusammengefasst werden:
– Doktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (2001)
– Doktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (2007)
– Doktorat Wirtschaftsrecht (2005)
– Doktorat Wirtschaftsrecht (2007)
– PhD Finance (2005)
– PhD-Studium Finance (2009)
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Masterstudien
Wirtschaftswissenschaften“ zusammengefasst werden:
– Finanzwirtschaft und Rechnungswesen
– International Management / CEMS
– Management
– Quantitative Finance
– Sozioökonomie
– Strategy, Innovation and Management Control
– Supply Chain Management
– Wirtschaftsinformatik
– Wirtschaftspädagogik (2007)
– Wirtschaftspädagogik (2010)
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Masterstudien“ zusammengefasst
werden:
– Volkswirtschaft (2009)
– Volkswirtschaft (2010)
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Wirtschaftsrecht“ zusammengefasst
werden:
– Bachelorstudium Wirtschaftsrecht (2006)
– Bachelorstudium Wirtschaftsrecht (2009)
– Masterstudium Wirtschaftsrecht (2007)
– Masterstudium Wirtschaftsrecht (2009)
PROTOKOLLIERUNG Jacqueline Lagler (AG WU):
 Nur eine kurz Anmerkung, es kann auch in einer StV Bereiche geben. Man kann dann auch
drinnen sagen, ok gut, der ist zuständig für VW, weil der studiert jetzt VW, der macht BW,
der macht IBW und der macht Wirtschaftsinformatik, das ist möglich. Die Tatsache, dass es
für 100 Leute eine eigene StV gibt, ist ineffizient.
9
Peter Schweinberger (AG WU) verlässt die Sitzung um 12:53
ANTRAG Christian Tafart (AG WU):
 Schluss der Rednerliste
Abstimmung: GEG: 3
ENT: 1
PRO: 7
Die Sitzung wird um 12:59 für eine Pause unterbrochen.
Die Sitzung wird um 13:15 wieder aufgenommen.

Wiewohl schon mal zu hinterfragen ist, wie sinnvoll die Zusammenlegung aller Master-Studienrichtungsvertretungen zu einer Hyper-STV ist, geht aus diesem Beschluss klar hervor, dass bis zur letzten Sitzung die Einrichtung einer Master-Studienrichtungsvertretung Volkswirtschaft BESCHLOSSENE SACHE WAR.

In der letzten UV Sitzung ist der AG eingefallen, dass so eine eigene Studienrichtungsvertretung VW, die wie die Studienrichtungsvertretung Doktorat nicht in den Einflussbereich der Aktionsgemeinschaft fällt, ziemlich unbequem ist. Daher wurde ein neuer Beschluss zur Zusammenlegung der Studienrichtungsvertretungen gefasst – die VWlerInnen haben also kein eigene Vertretung mehr.

Dieser strategisch motivierte Schachzug ist keine Bagatelle. Hier wird das Gesetz nicht im Interesse der Vertretung der Studierenden ausgelegt, sondern alle nicht opportunen StudienrichtungsvertreterInnen ihres Wirkungsbereichs beraubt.

Folgende Stellungnahme gibts auf Facebook von Stefan Kilga (Vorsitzender ÖH WU, Aktionsgemeinschaft zur Causa:

Das dreigliedrige System (Bachelor – Master – PhD/Doktorat) und die parallel auslaufenden Diplomstudien haben die Studienstruktur in den letzten Jahren stark verändert. Das beeinflusst auch die Studierendenvertretung.

Um dieser neuen Struktur Rechnung zu tragen, ist es notwendig, auch die Studienvertretungen anzupassen: Die „alten“ Studienvertretungen der auslaufenden Diplomstudien (das sind IBW, BW, WiWi, WiPäd und VW) werden künftig zu einer gemeinsamen Studienvertretung zusammengefasst. Für die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Masterstudien wird es erstmals eine neue, gemeinsame Vertretung geben.

Was ist der Hintergrund? Die Studiensituation an der WU ist angespannt. Oder um es in anderen Worten zu sagen: Die WU ist am Limit. Unterfinanzierung, Knock-Out Prüfungen und Kürzungen in der Lehre betreffen alle Studierenden gleichermaßen und unabhängig vom gewählten Studium – teilweise sogar massiv. Aus diesem Grund ist jetzt wichtig, auf EINE starke, gebündelte und schlagkräftige Interessenvertretung zu setzen. Mit einer starken, gemeinsamer Basis. Mit dem Anspruch, die Studienqualität zu verbessern und gemeinsam für Fairness im WU-Studium zu kämpfen. Jetzt ist definitiv nicht die Zeit für Experimente.

An der WU studieren aktuell über 26.000 Personen. Auf die Masterstudien, die sich noch im Aufbau befinden, entfällt die zahlenmäßig kleinste Gruppe. Für jede dieser Kleinstgruppen einzelne Vertretungen einzurichten ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll – wenn nicht sogar gefährlich.

Die Behauptung, dass die Studienvertretung Master VW aufgelöst worden sei, ist – zum Glück für alle Volkswirtinnen und Volkswirte – falsch. Es gab bis dato keine eigene Studienvertretung für den Master VW, daher kann eine solche auch nicht aufgelöst werden.

Daher hat die ÖH WU beschlossen, für alle WU-Studierenden gemeinsam mit einer starken, konzentrierten Stimme gegen die gemeinsamen Probleme zu kämpfen.

Herzliche Grüße,
Stefan
lg

Warum sich einige seiner Argumente ad absurdum führen, habe ich oben bereits dargelegt, nur noch ein Kommentar zu Kilgas „ja nicht ausscheren, gemeinsame Vertretung ist stärker“ – Argument:

Die Universitätsvertretung, dessen Vorsitzende Kilga ist, ist für die Vertretung ALLER Studierender verantwortlich. Die Studienrichtungsvertretungen sind für die Vertretung ALLER STUDIERENDER EINER STUDIENRICHTUNG zuständig. Kilga kann also bereits seinen Einigkeits-Wunsch als UV-Vorsitzender ausleben. Studienrichtungs-Arbeit ist für die Aktionsgemeinschaft aber seit jeher ein Fremdwort. Ich habe kürzlich das Diplomstudium Sozioökonomie abgeschlossen, ich weiß, wovon ich rede. Wir waren als Studienrichtung Wirtschaftswissenschaft/Studienzweig Sozioökonomie mit den Studienzweigen Wirtschaft und Recht und Management Science in einer Studienvertretung vereint. In 11 Semestern Studium an der WU habe ich 2 (In Wörtern: Zwei) Mails von „meiner“ Studienrichtungsvertretung bekommen. Beratung? Fehlanzeige. Studienrichtungsspezifische Veranstaltungen? Fehlanzeige. SozÖk-Stammtische wurden von engagierten Einzelpersonen organisiert, die Stv-VW hat das Engagement und Interesse einiger SozÖks aufgefangen. Die Stv VW ist seit 2005 vom VSStÖ und kritischen Unabhängigen dominiert. Sie macht ihre Arbeit gut, bindet alle interessierten in ihre Planung ein, berät, vernetzt, und vertritt die Studierenden mit enormen Engagement. Kilga und seine AG WU vernichten diese Arbeit.

Zum Schluss noch ein Vergleich, das das Ausmaß dieser Frechheit verdeutlicht. Von 2007 bis 2009 hatten die Koalitionsfraktionen an der ÖH Uni Wien (GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi) eine Zweidrittel-Mehrheit. Mit dieser hätten ebenso Studienrichtungsvertretungen zusammengelegt werden können. Zum Beispiel hätte den MandatarInnen dieser Exekutivperiode einfallen können, die Studienrichtungsvertretung Rechtswissenschaft (traditionell AG-dominiert) mit einigen traditionell nicht-AG-dominierten Studienrichtungen entsprechender Größe zusammenzulegen. Dann hätte es nicht nur keine konservative Jus-Studienrichtungsvertretung mehr gegeben, es hätte überhaupt keine Studienrichtungsvertretung Jus mehr gegeben. Die UV Uni Wien, jene UV, die von der AG immer als links-linke Chaostruppe bezeichnet wird, hat sich nicht zu solchen Niederungen herabgelassen. Die AG WU, die von sich gerne das Image der professionellen, apolitischen Service-Truppe verbreitet, zeigt, wie tief Interessensvertretungs-Arbeit sinken kann. Dabei vergessen die FunktionärInnen der AG, dass der aus dieser Aktion resultierende Image-Schaden dabei an der ÖH als Interessensvertretung an und für sich hängen bleibt. Jenen, die sagen „wozu haben wir eine Interessensvertretung, wenn sie ihre Energie ohnehin nur in sinnlose Machtspielchen steckt?“, werden hier neue Argumente geliefert. Und das ist ihnen nicht zu verzeihen.

PS: Dienstag Abend Krisenplenum, 18:00 auf der WU. Genauer Ort wird noch auf der Homepage der Stv VW bekannt gegeben.

Ein Kommentar

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Atomkraft nein Danke – und was dann?

Der Aufschrei war groß: „Ich habs euch ja gesagt“ lautete der Subtext zahlreicher Facebook-Postings betreffend der Reaktor-Unfälle in Japan. Ich finde, hier wurde ziemlich selbstgerecht zur „Katastropheninformation“ beigetragen. Was aber für Japan (und den Rest der Welt) die Alternative zu Energie duch Kernspaltung wäre, das wissen die PosterInnen auch nicht.

Zu Japan (Infos aus dem gestrigen Im Zentrum und dem heutigen Interview mit einem der Science Busters – Professoren auf FM4):

  • In Japan stehen 55 AKWs
  • Japan hat die Möglichkeit der Energiegewinnung aus sauberen Quellen fast ausgereizt. An jeder möglichen Stelle wurde ein Staudamm gebaut, Solarenergie ist weit verbreitet, Windenergie kann aufgrund geographisch ungünstiger Verhältnisse (Taifuns!) kaum genutzt werden.
  • Japan verbraucht momentan rund 34,24 Barrel pro Kopf und Tag an Erdöl (Quelle: EIA 2009), im Vergleich dazu liegen die USA bei 60,4, Deutschland bei 29,9 BPD
  • Japan hat keine nennenswerten Rohstoffvorkommen, die zur Energieerzeugung genutzt werden könnten.

So, jetzt sollen die JapanerInnen also aus der Atomkraft aussteigen. Und dann? Dann müssten sie importieren: Kohle, Flüssiggas und Öl. In rauen Mengen. Und damit dann Strom erzeugen. Der weit verbreitete Mythos, dass Kohlekraftwerke in den 1970ern ausgestorben sind, wird ja bereits von den USA widerlegt. Dort wird die Hälfte der benötigten Elektrizität in Kohlekraftwerken erzeugt, diese Drecksschleudern sind auch ein wichtiger Grund für das Klimaproblem der USA. Und Japan soll auch diese Strategie verfolgen? Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Nicht aus sicherheitspolitischer Perspektive (China möchte auch Kohle haben, dann konkurrieren die am Weltmarkt, und diese Ölrenten-Regimes à la Saudi-Arabien über Gebühr zu unterstützen, ist auch nicht so großartig.), nicht aus wirtschaftspolitischer Perspektive (Die japanische Wirtschaft hätte dann vermehrt horrende und/oder extrem volatile Rohstoffpreise in ihrem ohnehin bereits jetzt schon sehr umfangreichen Wirtschaftsprobleme-Portfolio.) und schon gar nicht aus ökologischer Perspektive!

Ich bin die letzte, die für Atomkraft als saubere Energiealternative plädiert. Mit etwas Strom zu erzeugen, das auf Jahrtausende alles umbringen kann, was auch nur in die Nähe kommt, ist nicht klug. Es ist aber auch nicht klug, aus der Atomkraft auszusteigen, ohne saubere Alternativen anbieten zu können. Und mit ein paar Photovoltaik-Zellen ists hier nicht getan – die japanische Regierung setzte sich 2007 als Ziel, bis 2030 den Atomstromanteil am Gesamtverbrauch von 30 auf 40 Prozent zu steigern. Diesen Anteil im Elektrizitätsmarkt zu füllen, ist mit den momentan verfügbaren alternativen Energien einfach nicht möglich, glaube ich. Wenns so einfach wäre, hätten sies wohl schon gemacht.

Im Zentrum meinte gestern ein Typ, dass höchstens Energiesparpotentiale in privaten Haushalten ausgenützt werden könnten, denn die Wirtschaft hätte sich ohnehin schon so bemüht. Energiesparlampen, keine beheizten Klobrillen, so Zeugs halt.

Wiewohl ich davon überzeugt bin, dass individuelle Energiespar-Anstrengungen extrem viel Sinn machen, glaube ich, dass es nicht ausreichen wird, das Licht im Vorhaus abzudrehen, wenn wir auf Dauer ohne klimaschädliche und ganze Landstriche verseuchende Energieträger auskommen wollen. Wer nur von nachwachsenden Rohstoffen lebt, muss sich ziemlich einschränken: Keine Autos, keine Flugzeuge, keine Computer, keine Handys, keine elektrischen Zahnbürsten, keine Haarföhns, keine Heizungen, ich weiß nicht was alles noch nicht. Vielleicht auch keine Züge und kein Transport mehr außer Fahrräder. Ziemlich beklemmend, diese Vorstellung. Ein Wohlstandsverlust (gemessen an der Verfügbarkeit von Konsumgütern, Mobilität, Bequemlichkeit) geht damit in jedem Fall einher. Ich glaube, irgendeine Generation auf dem Planeten muss sich damit arrangieren, ich versteh aber durchaus, dass viele in Anbetracht dieser Alternative die Sintflut hinter sich akzeptieren.

Noch ein Lesetipp am Schluss: In „The Windup Girl“ von Paolo Bacigalupi gibts keine fossilen Brennstoffe mehr – in Federn gespeicherte Muskelkraft ist der wichtigste Energieträger. Coole Biopunk-Sci-Fi, ausgezeichnet konstruierte Welt. Aber dort leben?

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