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Wurmloch-Weisheit

Heuer hatte ich einen Neujahrsvorsatz, den ich stolz Daniel offenbarte. Nicht, dass er im engeren Sinn danach gefragt hätte (Ich: „Was ist eigentlich dein Neujahrsvorsatz?“ – Daniel: „Hab ich noch nicht darüber nachgedacht, vielleicht…“ – „MEINER IST MEHR BLOGGEN“). Ein bisschen wie Glennon Doyle Melton in ihrer Anfangsphase wollte ich sein, einfach jeden Tag um 5 Uhr früh eine Stunde lange was schreiben und es dann veröffentlichen und mit der rohen unmittelbaren Erzählung aus dem Alltag meine Mitmenschen inspirieren, aus ihrer Isolation erlösen, mit meinen Internetpredigten Positives verbreiten. Nur ohne um 5 Uhr früh aufzustehen. Dass es ein richtiger Neujahrsvorsatz war merkt man daran, dass ich ihn verlässlich gebrochen habe. Was ich stattdessen gemacht habe?

  • alle Statusmeldungen der BVG der letzen zwei Jahre durchgelesen (ich bereue keine Sekunde)
  • mir sehr viele Contouring-Videos auf Instagram angeschaut (Ich bereue einige Sekunden, weiß jetzt aber, dass Männer groß im Kommen bei den Schmink-Accounts im Netz sind und ich glaube, das ist irgendwie nicht so gut für die Gleichberechtigung wie man auf den ersten Blick meinen könnte.)
  • den gesamten Instagram Feed von Mimi Thorisson durchgescrollt (Mein Neid war so groß! 7 Kinder, deren Namen ich jetzt alle kann, Modelmaße und -aussehen, immer ein Glas Vintage-Champagner oder Bordeaux in der Hand, von Beruf Internet- und Fernsehköchin ohne ein Messer richtig halten zu können.)
  • den Wikipedia-Artikel zu Reinhold Messner samt aller Hyperlinks durchgelesen (Wusstet ihr, dass er die 8.000er weitestgehend mit 3 Zehen bestiegen hat? 7 hat er am Nanga Parbat gelassen.)

Ich springe also nach wie vor beherzt in jedes Wurmloch, das sich im Internet auftut. So scrollte ich mich letztens durch ein Interview mit Barack Obama, in dem er über die Bücher spricht, die er während seiner Amtszeit gelesen hat, was das Schreiben für ihn bedeutet, und warum gemeinsame Geschichten wichtige politische Werkzeuge sind. Er ist einfach perfekt in diesem Interview – wie er seine Ambitionen als Autor mit Anfang 20 beschreibt, was er warum wann gelesen hat und am Ende eine unglaublich gute Brücke zu seiner Arbeit:

I think that what one of the jobs of political leaders going forward is, is to tell a better story about what binds us together as a people. And America is unique in having to stitch together all these disparate elements — we’re not one race, we’re not one tribe, folks didn’t all arrive here at the same time.

What holds us together is an idea, and it’s a story about who we are and what’s important to us. And I want to make sure that we continue that.

Man kann gar nicht anders, als sich am Ende des Interviews selbst völlig nutzlos zu fühlen. Der Typ hat während er die ärgsten Sachen in der Politik bewältigte einfach mir nichts dir nichts den heißesten Sci-Fi-Dreiteiler des letzten Jahres gelesen? Ich war die letzten 5 Monate zu verpeilt um mein Hörbuch-Abo zu kündigen. Nach dem Obama-Minderwertigkeitsmoment baute mir der Algorithmus präzise einen Text in den Feed, in dem es darum geht, dass erfolgreiche Menschen um 4 Uhr früh aufstehen und um 06:30, wenn die Loser erwachen, schon Buchhaltung und Fitnessstudio erledigt haben. Sozialleben haben sie keines weil sie um 21:00 ins Bett gehen, aber den Preis zahlen sie gerne für den kleinen Vorsprung gegenüber der schlafenden Welt. Michelle Obama z.B. steht um 04:30 auf, heißt’s in dem Artikel.

„Bitte, das stimmt nicht!“, rufe ich aus meinem Wurmloch. Michelle Obama steht nämlich frühestens um 05:30 auf, manchmal auch um 06:00. Das erklärt sie selbst bei Ellen, kurz bevor sie testen, wer mehr Liegestütze schafft. Jeder, der in den letzten Tagen die obligatorischen 20 „wir sind so traurig dass Obama nicht mehr Präsident ist“-Videos gesehen hat, weiß das. Der Liegestütz-Wettbewerb ist nämlich ein ikonischer Internet-Moment. Den kennt man aber nur wenn man öfter sinnlos im Netz herumgurkt, statt Steuererklärung, Sit-Ups oder Meditationsübungen zu machen.

Überhaupt, was sind das für Leute, die meinen dass sie durch absurd früh aufstehen dem Alltagsstress ein Schnippchen schlagen können? Die meinen, die schönen Dinge im Leben einfach dann erledigen zu können, wenn sonst niemand was von ihnen will?

„WAKEY WAKEY BUSY DADS! Now is a good time to make a batch of cookies for the freezer and moisturise dry elbows. ‚Me-time‘

… witzelt manwhohasitall auf Twitter. Um 5 Uhr früh ist aber überhaupt nichts schön. Um diese Uhrzeit blickt man höchstens in die augenberingte Fratze des Neoliberalismus: Zeit verschwenden ist eine große Sünde.

So gesehen sind Internet-Wurmlöcher der Riss in der Matrix, Snapchat-Filter eine potenzielle Revolution. Recht auf Ausschlafen für alle! Ziellos Internet-Surfen ist ein Menschenrecht! Gebrochene Vorsätze sind die besten Vorsätze! Das sollte mal auf ein Demo-Schild.

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5 Sachen.

Viele Blogs, die ich gerne lese, funktionieren nach dem Muster „das hab ich heute gemacht“. Klingt eigentlich trottelsicher, aber wenn mensch sich diese Frage mal selbst stellt (ja, was hab ich heute eigentlich gemacht?), zeigen sich die Tücken dabei schnell. Bürotage mit diversen Recherchen, Leerläufen, obsessiven Internet-Surfens und online-Zeitunglesens ergeben nun mal keine lesenswerten Beiträge. Nur interessante Menschen, oder solche, die mit ihren Aktivitäten auch was von sich selbst preisgeben, liest mensch dann regelmäßig gerne. Zwei meiner Lieblingsblogs in der Kategorie sind AbsolutPatrice und FrauLiebe. Letztere macht am Sonntag immer sieben Sachen, und ich hab gedacht, heut häng ich mich da mal an. Bei mir sinds allerdings nur fünf geworden.

„Weihnachtsdekoration“ gemacht – mit Muscheln und Duftkerzen. Nachdem ich diese Supermarkt-Duftteile (Noten: frische Wäsche und „angel irgendwas“) 6 Stunden brennen hab lassen, riecht es bei mir jetzt als hätten rosarote Feen Waschmittel in die Wohnung gekotzt.

Julia Child dabei zugeschaut, wie sie mit ihren Risenhänden fachfrauisch ein Grillendl zubereitet. Diese Frau macht keine Gefangenen. Und bei vielen Dingen hat sie einfach recht, zum Beispiel: „How can a nation be great if its bread tastes like Kleenex?“ – ich stimme vollständig zu.

Mein Essen aufs beschlagene Fenster gemalt. Es gab heut einen kleinen Temperatursturz in New Orleans. Die Fenster sind natürlich kein bisschen wärmegedämmt, und so kann mensch toll zusehen wie bei fallenden Außentemperaturen die Luftfeuchtigkeit im Apartment an das Glas flüchtet. Fast hört mensch ein „swooosh“ wenn das passiert.

Zitrusfrüchte und Äpfel „dekorativ“ arrangiert. Es tut mir leid, ich kann das nicht besser. Die Grapefruits hier sehen zwar nicht ganz pikobello aus, aber ich schwöre, es sind die besten der Welt. Die sind nicht mal bitter. Warum sind Grapefruits bei uns eigentlich immer so bitter? Ist ja kein Wunder, dass die dann kein Mensch mag.

Abgewaschen hab ich dann auch. Mein Apartment hat zwar einen Geschirrspüler, offenbar legen GeschirrspülbauerInnen hierzulande aber keinen besonders großen Wert darauf, dass die tatsächlich das Geschirr sauber machen. Was sie stattdessen tun weiß ich nicht, jedenfalls muss ich alles was im Verschmutzungsgrad ein Wasserglas übersteigt höchstpersönlich schrubben. Zum Glück ist in Amerika aber alles größer – ich präsentiere: Das größte Palmolive der Welt.

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Zum Glück.

Ich dachte schon, ich hätte meine Freude an der aktiven Web 2.0 (Disqualifiziert ma sich eigentlich als nicht-am-Puls-der-Zeit, wenn ma das Wort verwendet? Oder ists schon retro und ma ist wieder cool damit?) -Nutzung verloren. Zum Glück war das falscher Alarm, Grund für mein Muffeltum war bloß meine DIPLOMARBEIT, die ich in wenigen Stunden bei der Buchbinderei abholen werde. (Foto folgt, Ich habe mich für dunkelblauen Leineneinband mit silberner Prägung entschieden. M. wählte die türkise Variante – findet ihr nicht auch, sie hat kein Recht, über meine Glitzerschischuhe zu lästern?)

Ansonsten verbringe ich meine Zeit mit GLEE – ein Soundtrack für alle Situationen im Leben. Hello! I’m back on web.

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ein Verkaufsgenie.

Ich habe hier schon einmal die schwiergie Beziehung zwischen P. und seinem Schischuh geschildert. Es ist war so ein geschäumtes Folterding (kauft euch nie ein geschäumtes Folterding), in das ma nur bei Plus 22 Grad reinkommt, sonst ist die Schale zu hart. Für Wintersportgeräte ja eher eine unpraktische Eigenschaft.

Da mein Schuh nach fast 10 Jahren den Geist aufgegeben hatte, zogen wir letztens los, um mir einen neuen zu kaufen, P. kam natürlich mit, nahm sein Folterinstrument mit und fragte, ob da was zu machen sei. „Na, bei denan kennan ma nix doa, oba i moch da a Ongebot“, die prompte Antwort des gerissenen Verkäufers. Er steckte P. und mich in Hauspatschen, die sich auch als Schischuhe eignen und ließ uns damit ein wenig im Geschäft herumspazieren. Die Folterinstrumente würde er behalten – ein genialer Schachzug: So würde sich P. in Zukunft nicht bei jedem Gang in den Keller, der drohenden letzen Ruhestätte der Schaumschuhe, an diese Fehlinvestition in Hartplastik erinnert fühlen und sich im Gegenzug über den enormen (?) Rabatt freuen, den wir bekommen würden. Auf dem Taschenrechner tippte das Verkaufsgenie die Summe des „Ongebots“ ein – „I glab des is a fairer Preis“, P. nickte, wir zogen die Hauspatschen wieder aus, unsere dagegen nahezu ungemütlichen Winterschuhe wieder an, P. gab eine große Summe Plastikgeld aus (wir hatten natürlich auch je noch ein Paar Schisocken um 40 Euro gekauft – ich mein, Socken um 40 Euro?! Dafür blieben wir bei den neuen Schi standhaft, obwohl sich P. wohl demnächst einen zum Ausprobieren abholen wird und wir das für mich angebotene Paar für M. auf die Seite legen haben lassen, ma weiß ja nie, so a Ongebot gibts vielleicht nie wieder.), ich bedankte mich bei P, wir verließen den Schauplatz.

Heute haben wir uns wie Schneekönig und Schneeprinzessin über die neuen Hauspatschen gefreut – ich mein, die taten nicht mal beim ersten Mal fahren weh. Das Verkaufsgenie hat uns also auch einen großartigen Firntag verkauft, und das ist tatsächlich ein außergewöhnliches Ongebot.

Damit in dem Blog mehr Bilder sind, möchte ich diesen Beitrag zusammenhangslos mit dem leckersten Faschingskrapfen der Welt illustrieren (oft kopiert, nie erreicht, hier zu kaufen).

bester Faschingskrapfen der Welt.

Und fürs Post Scriptum:

Könnte die Wintersportartikeldesignindustrie bitte aufhören, GLITZERNDE Damenschischuhe herzustellen? Ich mein, ma siehts zum Glück bei einiger Entfernung nicht, aber ich habe jetzt weiße, GLITZERNDE Schischuhe. Die Alternative wären entweder Rennschischuhschraubstöcke oder Designs à la Arschgeweih gewesen. Muss das sein?

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sonne macht glücklich.

Diese Binsenweißheit vergisst ma im wiener Winterwetter manchmal. Ganz unbewusst schleicht sich das Grau in eine/n hinein – ma geht nur noch mit hochgezogenen Schultern und wundert sich, wo die Kreuzschmerzen herkommen. Die Nase rinnt, ma ist ständig müde und zach. Und dann, auf einmal: Kein Schnee Matsch mehr auf den Straßen. Es riecht staubig, die Vögel zwitschern, ma braucht für draußen keine Jacke mehr. Nicht mal eine kleine. Gut, es ist jetzt der 16. Jänner, also noch ETWAS früh für Frühlingsbeginn, aber eigentlich ists ja ganz nett, dass ma uns wieder mal daran erinnert, dass das Wetter hier auch anders sein kann. Und dass schon 15 Minuten Sonne reichen, um den ganzen Tag fröhlich zu sein.

Gott, freu ich mich schon, wenns wieder länger als bis 17:00 hell ist und das Leben in der Stadt wieder erträglich wird.

das ist übrigens der Grund, warum der Winter am Land einfach enorm toll ist:

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Landleben.

Als Kind hatte ich ein Buch (oder gehörte es M, ich weiß nicht mehr), das hieß „Das Mädchen von den Glashausbergen“. Sowohl M. als auch ich haben es jeweils rund 9 mal gelesen. Es ist eine Coming of Age Geschichte eines australischen Mädchens, das gerne Jillaroo (australisch für Cowgirl) werden möchte. Ich glaub ihr Vater säuft, wird aber im Verlauf des Buches trocken und sie erfüllt sich ihren Traum, findet einen geeingeten Jackaroo zum glücklich werden. Sie essen tellergroße, zähe Steaks, treiben Kühe und leben im Outback. Genauso wollte ich auch werden, etliche Monate schrieb ich also in FreundInnenschaftsbücher in die entsprechende Spalte „Jillaroo“.

Jetzt hat sich zumindest das Fernsehen meinem Traum angenommen: McLeod’s Töchter dürfen den ganzen Tag reiten (warum die Typen lieber mit dem Motorrad fahren check ich echt nicht), Schafe scheren, Gangster jagen, sich verlieben, verletzte Kälber retten und so weiter. Tess, die etwas verrückte Schwester der Hauptfigur Claire züchtet sogar Lamas und baut biologisches Getreide an. Wer sich von euch schon mal gefragt hat, wer die Einschaltquoten für diesen Schmarren liefert: Es sind M. und ich.

Kürzlich hat mein Herz höher geschlagen, als ich die entsprechende Blogosphäre für meine eskapistischen Träume gefunden habe: Sie wird angeführt von Ree Drummond, ehemaliges City Girl und nun Ehefrau des Malboro Man, Mutter von 4 Kindern, alle homegeschoolt, lebt mit ziemlich vielen Kühen ziemlich in der Pampa von Oklahoma. Sie bloggt übers Kochen, die Kindererziehung (ab welchem Alter sollte Kindern zugemutet werden, Kälber umzuwerfen?) und die Freuden (Einsamkeit), Mühen (Frühaufstehen, Schwangerschaftstests bei Kühen) und Kuriositäten (wofür sind eigentlich Chaps gut?) des Farmlebens. Nebenbei auch noch tolle Fotografin, rangiert sie in den Social Media Charts der USA ganz weit oben, ihr Leben soll demnächst verfilmt werden (Hauptrolle: Reese Witherspoon).

Wir fassen zusammen: Mein Lebenstraum ist es, auf einer einsamen Ranch Pferde in den Sonnenuntergang zu reiten. Ich möchte Jillaroo sein. Besonders dann, wenn ich eigentlich Unisachen machen müsste, ist mein Verlangen nach einfacher, körperlicher Arbeit (auf dem Rücken von Pferden) enorm groß. Und ja: Nach 10 Minuten am Crosstrainer im Fitnessstudio möchte ich wieder runter. Ich hatte mal einen Hasen und habs gehasst, seinen Käfig auszumisten. Ich mag keinen Staub, ich finde Kühe stinken und Schafe noch mehr. Wenn ich täglich um 0400 aufstehen müsste, würde ich sofort eingehen. Ich möchte trotzdem auf einer Farm im Outback leben.

Daher meine dringende Bitte an die Fernsehindustrie: Macht doch ein neues Format – „Ich bin eine Jillaroo – holt mich hier raus!“. Mausi Lugner als Mädchen von den Glashausbergen würde mir meinen Romantizismus austreiben und ich könnte mich endlich meinem Schicksal als Schreibtischstute fügen.

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die perfekte erste palatschinke.

Wer von euch Erfahrung im Palatschinkenkoch-Business hat, der/die weiß, dass die erste nix wird. Die Pfanne ist noch nicht heiß genug, das Handgelenk ein wenig eingerostet, somit ist auch der Versuch des Wendes zum Scheitern verurteilt. Am Ende hat ma dann ein kleines, gelbes, labbriges Etwas, das nicht mal für Frittaten taugt. Nummer 2-15 gelingen dann meistens tadellos.

Ähnlich ist das normalerweise auch beim Schifahren – das erste Mal geht ma, weil ma weiß, dass danach die guten Schitage kommen. Zu Saisonbeginn ist die Katastrophe jedoch vorprogrammiert. Das Zusammenrichten dauert Jahre („Wo sind meine Schisocken, Mama?“ – „Ich weiß es nicht!“ – „Aber die die du anhast schauen aus wie meine!“ – „Ah wirklich? Na vielleicht haben wir ja dieselben…“), die Schihose zwickt. Alleine der obligatorische 10-Euro-Schein und der Labello, die ma in der Schijackentasche immer findet, erhellen diese Momente. Das angeschnäuzte Taschentuch aus der letzten Saison holt eine dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Während Vatern fluchend 4 Paar Schi ins Auto quetscht, versucht meinereiner fieberhaft, die Schischuh-Schnallen zuzukriegen (Knöchelverfettung?). Dafür verzögert Papa später selbst den Projektfortschritt, indem er am Parkplatz schweißgebadet versucht, den Einstieg in seine geschäumten Spezial-Super-Schuhe zu schaffen. Die Viertelstunde warten wird uns mit großartigen akrobatischen Leistungen im Schischuhanziehsport verkürzt. Akustische Untermalung inklusive. Und die Servicefrau gesteht Materialfehler ein („Na jetzt hob i eam versehentlich de dickn Schisockn gebn, mit de schofft eas jo nia eini…)

Währenddessen hat es zu scheien begonnen, wir trampeln zu den Gondeln und fahren dem Nebel entgegen. Das heißt, wir fahren dem Nebel entgegen, nachdem ich meine defekte Key-Card ausgetauscht habe. (Anstellen. Drehkreuz erreichen. Drehkreuz blockieren. Peinlich erröten. Feststellen, dass umdrehen wegen der Menschenmassen unmöglich ist. Den Liftler zu Hilfe rufen. Befreit werden. Dunkelrot anlaufen. Karte umtauschen. Nochmal anstellen.)  Üblicher Weise lichtet sich der Nebel jedenfalls ab 1000 m Seehöhe – heute nicht. Das heißt, es schneit und nebelt auf der ganzen Schmitten, visuelle Unterschiede zwischen Piste und dem Rest der Umgebung gibt es nicht. Endlich oben angekommen hüpfen wir in die Schi und brausen los (Papa), stoßen uns vorsichtig ab und testen unsere Grenzen im 10 km/h-Bereich (der Rest) um festzustellen, dass nach 2 1/2 Schwüngen die Oberschenkel unerträglich brennen. Ein deutscher Tourist fährt uns quer über die Schi um uns anschließend ob unserer Unvorsichtigkeit anzubrüllen. Weil ich vom singenden Holländer mit der neongrünen Ein-Meter-Zipfelmütze, der neben uns die Piste unsicher macht, abgelenkt bin, streckt mich eine kleine Schneewehe darnieder.

Die anschließende Fahrt mit dem Sessellift dauert ein wenig länger als üblich, ein 20-minütiger Stopp auf halber Strecke (der grünhäuptige Holländer hat vergeblich versucht, bei eben diesem Sessellift den Ausstieg ohne Sturz zu schaffen und versperrt mit seinem Schienbeinkopfbruch den Weg) lässt den Rotz in unseren Nasen gefrieren. Die Schneekanone, in dessen Aktionsradius unsere Sesselliftsessel zum Stillstand kam, bläst uns währenddessen Schnee mit der Konsistenz von Schmirgelpapierfetzen ins Gesicht. Wir fahren noch mal runter, die Kinder (also ich) quengeln und wollen nach Hause, aber nichts da. Heute wird jede Sekunde Pistenspaß ausgekostet.

Das Gute: Die Geschichte ist (fast) frei erfunden. Heute hätte auch die erste Palatschinke geklappt, ich schwöre: Das erste Mal Schifahren war AWESOME. Totally AWESOME.

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