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solidarität heißt widerstand!

normalerweise hab ichs ja nicht so mit nullachtfünfzehn-phrasen, heut passen sie aber. weil.

audimax besetzung

seit dem frühen nachmittag ist der audimax der uni wien besetzt – ausgehend von einer initiative der studierenden der akademie der bildenden künste wurde im zug einer demo heute spontan der größte hörsaal wiens zur besetzten zone erklärt. das ist wundervoll! denn erstmals seit langem regt sich bei studierenden wieder das bedürfnis, ihre eigenen anliegen lautstark und gewichtig zu artikulieren.

die novelle des universitätsgesetztes wurde mehr oder weniger still und heimlich während der sommermonate beschlossen – dass dort die möglichkeit eingeräumt wurde, in praktisch allen fächern zugangsbeschränkungen einzuführen, konnte nicht hinreichen kommuniziert werden, um breiten widerstand zu erzeugen. seit mehreren wochen nun erzeugt die presse von wissenschaftsministerium und uniko aber ein bild von universitäten, das einem katastrophenszenario gleicht. oh mein gott, so viele studierende, das GEHT ALLES NICHT, hilfe hilfe, wird da getönt. und die einzig mögliche antwort gebetsmühlenartig in presseaussendungen verwurstet: studiengebühren! zugangsbeschränkungen!

heute wäre der große tag gewesen: hahn hat sich mit einigen rektoren getroffen, um über die eierlegende wollmilchsau zugangsbeschränkungen zu „verhandeln“ (über eine tatsache zu „verhandeln“, die beide seiten aus ideologischen gründen UR SUPER finden ist eigentlich faktisch nicht möglich) – um 18:00 war die pressekonferenz von hahn und badelt. (die ergebnisse hier)

aber wen juckt das jetzt – über 1000 studierende haben die uni zumindest für heute nacht zu ihrem freiraum gemacht. der audimax ist voll von leuten, die es nicht länger hinnehmen wollen, von rektoraten und wissenschaftsministerium wie der letzte dreck behandelt zu werden. sie fordern bessere studienbedingungen, bildung, die nicht dem primat der ökonomischen verwertbarkeit folgt, freien hochschulzugang für alle und gute beschäftigungsverhältnisse für lehrende.

das rektorat der uni wien versucht indessen, die studierenden auseinanderzudividieren. aus dem standard artikel liest mensch folgende aussage einer rektoratssprecherin: „Die StudentInnen sind zwischen verzweifelt und wütend“, berichtet sie, die Telefone in den Beratungsstellen liefen auf Hochtouren. „Wir haben alle Hände voll zu tun, den StudentInnen das zu erklären“. ich bin nicht so naiv zu behaupten, dass alle studierende es super finden, wenn statt ihrer vorlesung ein besetzter hörsaal auf sie wartet.

chuck norris

aber: die studierenden wären in einer vorlesung im AUDIMAX der uni wien gesessen. da gehen meines wissens mehr als 1000 studierende rein (sitzplätze, wohlgemerkt). von solchen vorlesungen hat im normalfall keinE StudentIn was außer rückenschmerzen. Massenabfertigung, keinen Platz in der Lehrveranstaltung kriegen, Knock-Out Prüfungen, schlechte Studienbedingungen – das sind keine individuellen probleme. und die lassen sich auch nicht durch individuell zielstrebiges studieren lösen, sondern nur durch gemeinsames vorgehen.

das rektorat der uni wien versucht mit solchen aussagen die studierenden zu spalten, in die bösen besetzerInnen und die fleißigen, armen, die leider heute nicht lernen können. auch zugangsbeschränkungen erreichen nichts anderes als eine gedankliche einordnung in „ich“  und „die person, die mir meinen platz wegnimmt“

doch nur gemeinsam können wir studierenden eine verbesserung unserer situation erreichen. da hilft weder ellbogentechnik, noch ein, zwei presseaussendungen. unsere probleme lösen politische entscheidungen. und auf die strategie von ministerium und universitätenkonferenz, uns zu erklären, dass nur die besten gut genug für ein hochschulstudium sind, dürfen wir nicht hineinfallen.

deshalb sind tage wie heute wichtig, deshalb bringen gemeinsame proteste was. sie zeigen, dass studierende sich nicht für blöde verkaufen lassen, ideale haben, dafür eintreten und sich dabei den spaß an der sache „hochschulstudium“ nicht nehmen lasen werden. in dem sinn heißt solidarität heute widerstand, in die ubahn setzen und sich im vorübergehend besetztem audimax endlich mal selbstbestimmt auszubreiten.

mehr infos:

www.unbeschraenktstudieren.at – hp des vsstö, die umfassend über zugangsbeschränkungen und das neue universitätsgesetz informiert

www.malen-nach-zahlen.at – die homepage der initative der studierenden an der akademie der bildenden künste

www.freiebildung.at – (studi)-initiative, die sich immer wieder durch aktionen äußert und inhaltliche arbeit zum  thema hochschule macht, aktuell berichtet der blog über die besetzung und darum herum.

2 Kommentare

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Ausgeränkt.

Das „Times“ – Ranking für Hochschulen ist da. Ein weiteres in der unendlichen Reihe der Reihungen, bei der eine Uni der anderen dann die lange Nase zeigen kann und ein „ich bin besser als ihr“ in Richtung der unteren Plätze nölt.

Nun ist die Uni Wien wie eine Schlammlawine vom Platz 115 auf 132 gerutscht – welch Schmach, welch Schande. Und was sagt Johannes Hahn dazu? Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen! Dann wird alles besser!

Es folgt: die genauere Betrachtung.

Was sind eigentlich die Kriterien dieses Hochschulrankings? derstandard hat das in seinem artikel kurz zusammengefasst, und auch hier ist die „Scorecard“ zu finden.

Die zeigt deutlich: 40% der Bewertung sind daraus entstanden, dass 10000 WissenschaftlerInnen befragt wurden, was ihrer Meinung nach tolle Universitäten sind. Der Rest der Kriterien setzt sich aus Internationalität (wie viele AusländerInnen finden sich bei Lehrenden und Studierenden?), Qualität der Lehre (wie viele Lehrende pro StudentIn) und Forschung und Chancen am Arbeitsmarkt (die Wirtschaft wurde befragt).

Der/die aufmerksame LeserIn wird jetzt sagen: „Und warum sollten Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren die Sache besser machen? Das hat mit den gezogenen Kriterien des Rankings überhaupt nichts zu tun.“ – ja EBEN! Zwischen den Faktoren des Rankings und Studiengebühren/Zugangsbeschränkungen gibt es keine nachvollziehbare Kohärenz!

Und das zeigt auch die Realität: Von den österreichischen Universitäten ist die Uni Wien die größte und diversifizierteste, und sie ist im Gegensatz zu medizinischen Universitäten oder Fachhochschulen in vielen Bereichen nicht zugangsbeschränkt .  Rund 80% der Studierenden dort zahlen keine Studiengebühren. Und bei aller Liebe – weder die Med Unis noch eine beliebige FH hats in die Top 200 geschafft.

Lösungsansätze?

Wie die Unis bei Rankings zukünftig besser abschneiden können weiß ich nicht, ich halt es aber auch nicht für sonderlich zentral. Zuerst bräuchte es eine ernszunehmende Diskussion darüber, welche Maßstäbe an Unis überhaupt anzulegen sind, um sie für „gut“ oder „schlecht“ zu erklären – alleine WissenschaftlerInnen nach ihren Meinungen zu fragen find ich unseriös. Für das österreichische Hochschulwesen gilt nach wie vor: mehr Geld für den tertitären Bereich und ein gemeinsames Schulsystem im primären und sekundären Bereich. Und dann, erst dann diskutieren wir wieder über Rankings.

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