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Apokalypse

Letzten Sonntag waren Daniel und ich euphorisch. Endlich wieder Sat 1 The Taste, die beste Kochsendung im deutschen Privatfernsehen! Dieses Mal in Promi-Edition, wobei eines der fantastischen Eigenschaften dieses Formats ist, dass es eigentlich nur um die Köche und die Köchin geht. Also konkreter, eigentlich geht es um Roland Trettel, der Rest ist Staffage. Dieses Mal hatten sie irgendeinen Haubenkoch als Gast-Juror, der jedoch für einen guten Lacher zu Beginn sorgte. Wie denn die Szene auf ihn wirke, fragte die Moderatorin. „Apokalyptisch!“ Olli Pocher war kurz davor, Ketchup auf seinen Präsentierlöffel zu schmieren, Desiree Nick hatte eine ernste Meinungsverschiedenheit mit Cornelia Poletto (Rosinen im Karottensalat, top oder flop?) und Team Grün war schon fleißig am Schnippelwein kippen (Trettel kochte alleine). Es war das einzig angemessene Adjektiv.

Als ich heute mit meiner knapp zweijährigen Tochter Essen machte, musste ich an dieses Urteil denken. Seit sich der Herbst ankündigt erfreue ich mich an der Idee des „Meal Planning“ – der neue Lifestyle Trend sagt einfach, man soll sich vorher überlegen was man unter der Woche so kochen will, und dann weniger Stress haben. Man stellt sich also den Unwägbarkeiten des 21. Jahrhunderts (Donald Trump, österreichischer Wahlkampf, Klimakatastrophe, vielleicht ein Atomkrieg) mit einem Essensplan entgegen. Die Idee ist nicht, dass man relativ elaborierte Rezepte unter der Woche erstmalig ausprobiert. Was mich natürlich nicht daran hindert, genau das zu tun. Ich ging das systematisch vorbereitet an, für die Topfen-Schupfnudeln mit Rahmfisolen hatte ich nicht nur schon alles eingekauft, sondern am Vortag den Teig vorbereitet und die Fisolen geputzt. Deshalb wischte ich auch die Zweifel, die mich bei Lektüre des Rezepts zum Thema Umsetzbarkeit/Input-Output-Verhältnis und Anzahl der anzupatzenden Töpfe beschlichen, zur Seite.

Nora und ich begannen mit dem Schupfnudel wuzeln: Ich bemehlte die Arbeitsfläche, sie legte sich bäuchlings rein. Ich wuzelte ein Teigstück, sie nahm es mir aus der Hand und arbeitete es gründlich in die Arbeitsplatte ein. Ich staubte neues Mehl auf die Arbeitsplatte, sie putzte es runter, in Richtung Boden. Ich staubte neues Mehl auf die Arbeitsplatte, sie weinte. Sie wollte selbst neues Mehl auf die Arbeitsplatte stauben. Sie staubte selbst Mehl auf die Arbeitsplatte und naja was soll ich sagen, Apokalypse Hilfsausdruck. Ich schleppte sie auf den Spielplatz, wo sie nach einigem Wälzen in der Sandkiste die zweite Panierschicht gründlich aufbrachte. Dann wuchtete ich sie wie einen Zementsack auf meine Schulter, trug sie heim und lud sie vorm Fernseher ab, um fertig zu kochen.

Wie das ausging, ist auch keine Überraschung: Nora biss in eine Schupfnudel, verzog in unfassbar entzückender Art und Weise ihr Gesicht, sagte laut „WÄH!“ und aß Apfelmus aus dem Glas zu Abend. Ich aß nicht nur meine Portion, sondern natürlich auch ihre (bevor sie’s runterwirft…), es war gut, aber bei den Buttermengen im Rezept ist das weder eine große Kunst noch gesund. Die Küche war verwüstet, wir flüchteten wieder vor den Fernseher und ich machte im Kopf gleich den Essensplan für die Folgewoche: Backerbsuppe, Buchstabensuppe, Backerbsensuppe, Buchstabensuppe und Backerbsensuppe. Morgen kaufe ich alles dafür ein, ich hab das Leben schließlich im Griff.

 

 

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