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how can New Orleans be so good?

Ich bin ja nicht unbedingt ein Fisch-Fan. Ich mein, ich esse ihn im Italienurlaub und hin und wieder im Restaurant, aber eigentlich find ich eher das Auslösen lustig als den Geschmack so prickelnd. Allein der Geruch von Fischstäbchen verursacht bei mir Übelkeit, und wenn ich für ein Kilo antibiotikafreien Wolfsbarsch 60 Euro zahlen muss, lass ich es lieber. In New Orleans ist aber alles anders: Erstens gibts hier Fisch und Seafood in unheimlichen Quantitäten (die verwenden hier Shrimps wie wir Zwiebel), und zweitens kennen sie die einzig richtige Zubereitungsart: Das Zeug gehört frittiert. Und so war der frittierte Catfish (Wels) gestern eine einzige Offenbarung. Zart, extrem saftig, knusprig, würzig, frisch. Ich will nie wieder was anderes essen. Britische Fish’n’Chips schmecken im Vergleich dazu wie Fishmac.

Nach diesem extrem befriedigenden Esserlebnis haben K. und ich 5 Dollar Cover-Charge für ein Grayson Capps Konzert investiert. Für die Performance des Blues (?) Sängers hab ich mich natürlich in mein bestes Lumberjack-Shirt geworfen. Es sah an mir in etwa so glaubwürdig aus, wie an dem jungen Chinese American neben mir. Aber hey, es ist Amerika, hier stört das keine_n. Nicht die Horde an 15-cm-high-heels Uptown-Bachelorette-Partygirls, die einen letzten Ausflug auf die Frenchmen unternommen haben, bevor es mit dem reichen Verlobten ernst wird. Nicht die angesoffenen white trash Tussis neben uns, von denen uns eine mit Bud Light in der Hand ausführlich zeigt, wie sehr ihr Jelly shaken kann. Nicht den rundlichen Typen im Batik-Shirt, nicht den exzentrischen Cowboyhut-Träger, nicht die stockbesoffenen Mitvierzigerin, die sich in der ersten Reihe in Trance tanzt.

Und schon gar nicht Grayson Capps. Der stellt sich in aller Ruhe ein Newcastle Brown Ale nach dem anderen rein, sieht aus, als würde demnächst Spanish Moss an seinen Haaren andocken, spricht in einer Sprache, die dem Englischen höchstens noch ähnelt und singt sich mit dem Inbegriff einer rauchigen Blues-Stimme in die so verschiedenen Herzen seines Publikums. In seiner Band finden sich einige look-a-likes: John Frusciante (Bassist), Mark Zuckerberg (am Tenorsax) und Paul Shaffer (Rhytmus-Gitarre). Das Repertoire der Gruppe an bärtigen Männern ist erstaunlich. Nach Blues-Gedudel, Country-Rhytmen und Rock-Getöse kommt auf einmal Frank’n’Furters „Sweet Transvestite“ daher. Capps spielt dabei mit seinen Haaren und räkelt sich am Mikro. Darauf folgt dann wieder ein Lied über den Tod und ein anders über exzessives Saufen.

Und Capps‘ Stimme funktioniert überall. Besonders am Schluss, als er die Schnulzen singt, die John Travolta und Scarlett Johansson in „A Love Song for Bobby Long“ durch New Orleans begleiten. Schließlich ist es auch seine Musik, wegen der man diesen Film ein zweites Mal ansieht. „How can New Orleans be so good?“ – eine wunderschöne rhetorische Frage.

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Ein Kommentar

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Überall Musik.

Gestern waren wir bei John Boutté im d.b.a., 5 $ charge – und 2 Stunden einer unglaublich guten Stimme zugehört. Boutté ist sowas wie eine New Orleanser Institution, dass sein „The Treme‘ Song“ als Titelsong für die HBO-Serie ausgewählt wurde, trug dazu natürlich bei (v.a. kommen so auch dahergelaufene Touris wie wir auf die Idee, uns Boutté anzuschauen). Weiterlesen

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