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keine Bagatelle.

Die HochschülerInnenschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien ist fest in der Hand der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (=AG, die mit dem Regenbogen). In der Universitätsvertretung (Studierendenparlament auf Ebene der einzelnen Hochschule) stellen sie die 2/3 Mehrheit. Die Universitätsvertretung hat laut HochschülerInnenschaftsgeset (HSG) die Aufgabe, Studierende auf Universitätsebene zu vertreten (z.B. bei Verhandlungen mit dem Rektorat oder anderen zentralen Stellen). Dem gegenüber sind Studienvertretungen dafür zuständig, in ihrem Wirkungsbereich (der Studienrichtung) die Studierenden zu vertreten – etwa gegenüber ProgrammdirektorInnen oder Bereichsverantwortlichen für Studienpläne etc.

Wer hat das Recht auf eine eigene Studienrichtungsvertretung?

Das Gesetz regelt diese Frage wie folgt:

§ 17. (1) Für jedes ordentliche Studium, insbesondere auch für Lehramts- und Doktoratsstudien, ist eine Studienvertretung einzurichten. Die Universitätsvertretung kann beschließen, dass Studien zu einer Studienvertretung zusammengefasst werden. Derartige Beschlüsse bedürfen der Zweidrittelmehrheit.

Im Regelfall ist also eine Studienrichtungsvertretung für jedes ordentliche Studium einzurichten. Ein ordentliches Studium erkennt mensch an der eigenen Studienkennzahl. Während also die bestimmten Spezialisierungsmöglichkeiten im Bachelorstudium Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als „Studienzweige“ gekennzeichnet sind und trotzdem unter einheitlicher Kennzahl laufen, sind die verschiedenen Master-Programme an der WU im Gegensatz zum „Bachelor für alle“ (Ausgenommen Wirtschaftsrecht – das ist ein eigenes ordentliches Studium) als ORDENTLICHE STUDIENRICHTUNGEN eingerichtet (Finanzwirtschaft und Rechnungswesen, Sozioökonomie, Management, Steuern und Rechnungslegung, Volkswirtschaft und so weiter). Denen gebührt im Normalfall auch eine EIGENE ORDENTLICHE STUDIENRICHTUNGSVERTRETUNG.

Warum erlaubt das HSG, Studienrichtungsvertretungen zusammenzulegen?

Manchmal kann eine Zusammenlegung von Studienrichtungsvertretungen sinnvoll sein. Besonders in der neuen Studienarchitektur bietet sich etwa die Zusammenlegung von Bachelor-, Master- und Diplomstudierenden einer Studienrichtung zu einer Studienrichtungsvertretung an. Beispiel dafür ist etwa die Stv PoWi, die Bachelor-, Master- und Diplomstudierende der Politikwissenschaft gleichzeitig vertritt. Ein Fachbereich, ein Institut, verschiedene Studienpläne, (fast) die selben Probleme – die Zusammenlegung führt in diesem Fall zu effizienter, schlagkräftiger Vertretung.

In der ersten ordentlichen Sitzung der Universitätsvertretung der WU Wien am 15. Oktober im Wintersemester 2010/2011 wurde unter dem Tagesordnungspunkt „Zusammenlegung von Studienrichtungsvertretungen“ folgendes beschlossen (Kopie aus dem Protokoll der Sitzung, nein, ich habe nicht bei der UV gefragt, ob ich den Auszug veröffentlichen darf, aber die Sitzungen sind wenn nicht anders beschlossen ohnehin öffentlich und ich finde, die WU-Studis sollten das auch in der beschlossenen Form lesen:)

ANTRAG Norbert Köck (AG WU):
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Diplomstudien“ zusammengefasst
werden.
– Diplomstudium Betriebswirtschaft
– Diplomstudium Internationale Betriebswirtschaft
– Diplomstudium Volkswirtschaft
– Diplomstudium Wirtschaftswissenschaften: Management Science
– Diplomstudium Wirtschaftswissenschaften: Wirtschaft und Recht
– Diplomstudium Wirtschaftswissenschaften: Sozioökonomie
– Diplomstudium Wirtschaftspädagogik
– Bakkalaureatsstudium Wirtschaftsinformatik
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Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Doktorat“ zusammengefasst werden:
– Doktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (2001)
– Doktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (2007)
– Doktorat Wirtschaftsrecht (2005)
– Doktorat Wirtschaftsrecht (2007)
– PhD Finance (2005)
– PhD-Studium Finance (2009)
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Masterstudien
Wirtschaftswissenschaften“ zusammengefasst werden:
– Finanzwirtschaft und Rechnungswesen
– International Management / CEMS
– Management
– Quantitative Finance
– Sozioökonomie
– Strategy, Innovation and Management Control
– Supply Chain Management
– Wirtschaftsinformatik
– Wirtschaftspädagogik (2007)
– Wirtschaftspädagogik (2010)
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Masterstudien“ zusammengefasst
werden:
– Volkswirtschaft (2009)
– Volkswirtschaft (2010)
Folgende Studienvertretungen sollen zur Studienvertretung „Wirtschaftsrecht“ zusammengefasst
werden:
– Bachelorstudium Wirtschaftsrecht (2006)
– Bachelorstudium Wirtschaftsrecht (2009)
– Masterstudium Wirtschaftsrecht (2007)
– Masterstudium Wirtschaftsrecht (2009)
PROTOKOLLIERUNG Jacqueline Lagler (AG WU):
 Nur eine kurz Anmerkung, es kann auch in einer StV Bereiche geben. Man kann dann auch
drinnen sagen, ok gut, der ist zuständig für VW, weil der studiert jetzt VW, der macht BW,
der macht IBW und der macht Wirtschaftsinformatik, das ist möglich. Die Tatsache, dass es
für 100 Leute eine eigene StV gibt, ist ineffizient.
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Peter Schweinberger (AG WU) verlässt die Sitzung um 12:53
ANTRAG Christian Tafart (AG WU):
 Schluss der Rednerliste
Abstimmung: GEG: 3
ENT: 1
PRO: 7
Die Sitzung wird um 12:59 für eine Pause unterbrochen.
Die Sitzung wird um 13:15 wieder aufgenommen.

Wiewohl schon mal zu hinterfragen ist, wie sinnvoll die Zusammenlegung aller Master-Studienrichtungsvertretungen zu einer Hyper-STV ist, geht aus diesem Beschluss klar hervor, dass bis zur letzten Sitzung die Einrichtung einer Master-Studienrichtungsvertretung Volkswirtschaft BESCHLOSSENE SACHE WAR.

In der letzten UV Sitzung ist der AG eingefallen, dass so eine eigene Studienrichtungsvertretung VW, die wie die Studienrichtungsvertretung Doktorat nicht in den Einflussbereich der Aktionsgemeinschaft fällt, ziemlich unbequem ist. Daher wurde ein neuer Beschluss zur Zusammenlegung der Studienrichtungsvertretungen gefasst – die VWlerInnen haben also kein eigene Vertretung mehr.

Dieser strategisch motivierte Schachzug ist keine Bagatelle. Hier wird das Gesetz nicht im Interesse der Vertretung der Studierenden ausgelegt, sondern alle nicht opportunen StudienrichtungsvertreterInnen ihres Wirkungsbereichs beraubt.

Folgende Stellungnahme gibts auf Facebook von Stefan Kilga (Vorsitzender ÖH WU, Aktionsgemeinschaft zur Causa:

Das dreigliedrige System (Bachelor – Master – PhD/Doktorat) und die parallel auslaufenden Diplomstudien haben die Studienstruktur in den letzten Jahren stark verändert. Das beeinflusst auch die Studierendenvertretung.

Um dieser neuen Struktur Rechnung zu tragen, ist es notwendig, auch die Studienvertretungen anzupassen: Die „alten“ Studienvertretungen der auslaufenden Diplomstudien (das sind IBW, BW, WiWi, WiPäd und VW) werden künftig zu einer gemeinsamen Studienvertretung zusammengefasst. Für die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Masterstudien wird es erstmals eine neue, gemeinsame Vertretung geben.

Was ist der Hintergrund? Die Studiensituation an der WU ist angespannt. Oder um es in anderen Worten zu sagen: Die WU ist am Limit. Unterfinanzierung, Knock-Out Prüfungen und Kürzungen in der Lehre betreffen alle Studierenden gleichermaßen und unabhängig vom gewählten Studium – teilweise sogar massiv. Aus diesem Grund ist jetzt wichtig, auf EINE starke, gebündelte und schlagkräftige Interessenvertretung zu setzen. Mit einer starken, gemeinsamer Basis. Mit dem Anspruch, die Studienqualität zu verbessern und gemeinsam für Fairness im WU-Studium zu kämpfen. Jetzt ist definitiv nicht die Zeit für Experimente.

An der WU studieren aktuell über 26.000 Personen. Auf die Masterstudien, die sich noch im Aufbau befinden, entfällt die zahlenmäßig kleinste Gruppe. Für jede dieser Kleinstgruppen einzelne Vertretungen einzurichten ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll – wenn nicht sogar gefährlich.

Die Behauptung, dass die Studienvertretung Master VW aufgelöst worden sei, ist – zum Glück für alle Volkswirtinnen und Volkswirte – falsch. Es gab bis dato keine eigene Studienvertretung für den Master VW, daher kann eine solche auch nicht aufgelöst werden.

Daher hat die ÖH WU beschlossen, für alle WU-Studierenden gemeinsam mit einer starken, konzentrierten Stimme gegen die gemeinsamen Probleme zu kämpfen.

Herzliche Grüße,
Stefan
lg

Warum sich einige seiner Argumente ad absurdum führen, habe ich oben bereits dargelegt, nur noch ein Kommentar zu Kilgas „ja nicht ausscheren, gemeinsame Vertretung ist stärker“ – Argument:

Die Universitätsvertretung, dessen Vorsitzende Kilga ist, ist für die Vertretung ALLER Studierender verantwortlich. Die Studienrichtungsvertretungen sind für die Vertretung ALLER STUDIERENDER EINER STUDIENRICHTUNG zuständig. Kilga kann also bereits seinen Einigkeits-Wunsch als UV-Vorsitzender ausleben. Studienrichtungs-Arbeit ist für die Aktionsgemeinschaft aber seit jeher ein Fremdwort. Ich habe kürzlich das Diplomstudium Sozioökonomie abgeschlossen, ich weiß, wovon ich rede. Wir waren als Studienrichtung Wirtschaftswissenschaft/Studienzweig Sozioökonomie mit den Studienzweigen Wirtschaft und Recht und Management Science in einer Studienvertretung vereint. In 11 Semestern Studium an der WU habe ich 2 (In Wörtern: Zwei) Mails von „meiner“ Studienrichtungsvertretung bekommen. Beratung? Fehlanzeige. Studienrichtungsspezifische Veranstaltungen? Fehlanzeige. SozÖk-Stammtische wurden von engagierten Einzelpersonen organisiert, die Stv-VW hat das Engagement und Interesse einiger SozÖks aufgefangen. Die Stv VW ist seit 2005 vom VSStÖ und kritischen Unabhängigen dominiert. Sie macht ihre Arbeit gut, bindet alle interessierten in ihre Planung ein, berät, vernetzt, und vertritt die Studierenden mit enormen Engagement. Kilga und seine AG WU vernichten diese Arbeit.

Zum Schluss noch ein Vergleich, das das Ausmaß dieser Frechheit verdeutlicht. Von 2007 bis 2009 hatten die Koalitionsfraktionen an der ÖH Uni Wien (GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi) eine Zweidrittel-Mehrheit. Mit dieser hätten ebenso Studienrichtungsvertretungen zusammengelegt werden können. Zum Beispiel hätte den MandatarInnen dieser Exekutivperiode einfallen können, die Studienrichtungsvertretung Rechtswissenschaft (traditionell AG-dominiert) mit einigen traditionell nicht-AG-dominierten Studienrichtungen entsprechender Größe zusammenzulegen. Dann hätte es nicht nur keine konservative Jus-Studienrichtungsvertretung mehr gegeben, es hätte überhaupt keine Studienrichtungsvertretung Jus mehr gegeben. Die UV Uni Wien, jene UV, die von der AG immer als links-linke Chaostruppe bezeichnet wird, hat sich nicht zu solchen Niederungen herabgelassen. Die AG WU, die von sich gerne das Image der professionellen, apolitischen Service-Truppe verbreitet, zeigt, wie tief Interessensvertretungs-Arbeit sinken kann. Dabei vergessen die FunktionärInnen der AG, dass der aus dieser Aktion resultierende Image-Schaden dabei an der ÖH als Interessensvertretung an und für sich hängen bleibt. Jenen, die sagen „wozu haben wir eine Interessensvertretung, wenn sie ihre Energie ohnehin nur in sinnlose Machtspielchen steckt?“, werden hier neue Argumente geliefert. Und das ist ihnen nicht zu verzeihen.

PS: Dienstag Abend Krisenplenum, 18:00 auf der WU. Genauer Ort wird noch auf der Homepage der Stv VW bekannt gegeben.

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Die Abstellkammer der Macht.

ob die besetzt sei, fragte wer auf twitter.

Ja, ist sie – Aufgrund des Zugangsbeschränkungs-Gesetzesentwurfs des bm:wf (ja, das ist ein schwarzes Ministerium) haben heute einige Studierende die Löwelstraße zum Besetzungsziel auserkoren. Die Geschichte wiederholt sich wie immer.

Kurze Rückblende: Im Jänner 2007 haben wir das auch gemacht. Damals wurde die Agenda der Regierung Gusenbauer präsentiert und mit ziemlicher Vehemenz wieder in Erinnerung gerufen, was Große Koalitionen für Österreich bedeuten. Leute werden für blöd verkauft („Die Studiengebühren wurden abgeschafft“ meinte Gusi in Verweis auf sein Sozialdienst-Modell, das ihm bösen Zungen zufolge im Taxi zur Antritts-Pressekonferenz eingefallen ist), das höchste der Gefühle ist das Erhalten von bereits Erreichtem, doch auch das schafft die Sozialdemokratie ob der „übermächtigen Sachzwänge“ nicht (Beispiel Erbschafts-und Schenkungssteuer). Gestaltungsspielraum hat auch die ÖVP nicht viel, sie ist darauf aber nicht so dringend angewiesen wie die SozialdemokratInnen – konservative Politik bedeutet nun mal, dass alles so bleibt wie es ist. Aber auch da stellt sie sich geschickter an als die SPÖ. Abseits des großkoalitionären Stillstands schießt das dritte Lager in den Umfragewerten nach oben, die Grünen bewegen sich nicht vom Fleck.

Gusenbauer verkaufte die Regierungsbeteiligung der SozialdemokratInnen 2007 jedoch derart dreist als Erfolg, dass sich selbst alteingesessene Parteimitgliedern die Haare im Nacken vor so viel PR-Schleim sträubten. Große Koalitionen waren bestimmt noch nie besonders sexy, Gusenbauer zeigte aber, in welcher Geschwindigkeit ma damit die SPÖ an die Wand fahren kann. Die Parteizentrale wurde damals v.a. von den roten Jugendorgs besetzt, was zumindest für einige Teile der so genannten Parteibasis inhaltlich nachvollziehbar war. Aus der Protestdynamik entwickelten sich langfristigere Initiativen (z.B. Sektion 8, Momentum), die auf verschiedene Art und Weise versuchen, Bewegung in die Sozialdemokratie und ihr gesellschaftliches Umfeld zu bringen.

Jetzt ist die Abstellkammer der Macht wieder besetzt, Grund ist die Zustimmung der SPÖ zu flächendeckenden Zugangsbeschränkungen. Hätte ich eine kleine Schwester, sie dürfte nicht mehr einfach so an der WU studieren. Das ist eine große Frechheit, aber keine große Überraschung. Auch, dass sich die SPÖ weder in Fragen der Vermögensbesteuerung, Schulreform, Transparenzdatenbank (ah, nein, die finden sie ja jetzt super) und der Pflegefinanzierung durchsetzen konnte oder kann, war irgendwo vorhersehbar. Das kürzlich beschlossene Budget reiht sich nahtlos in die Politik der Bundesregierung ein.

Der Sozialdemokratie steht auf Bundesebene ein mehrheitlich Rechtes Parlament gegenüber. Während für die ÖVP durchaus eine Alternative für diese Regierungsform gegeben ist, steht für die Bundespartei eine Koalition mit der FPÖ nicht zur Debatte. So wird Regieren zum Stellungskrieg, wobei das rote Regierungsteam mit dem Rücken zur Wand steht und die Beobachterin das Gefühl hat, dass es dabei gelangweilt in der Nase bohrt. „Das konnten wir halt nicht verhindern“ ist das Motto der Regierung Faymann II. Das ist nicht genug.

Natürlich ist die Volkspartei an der Blockadepolitik mit schuld. Und ich finde auch, dass die Lichtenfelsgasse in der Frage der Zugangsbeschränkungen eher besetzt gehört als die Löwelstraße. Wenn die SPÖ aber genau hinsehen würde, dann wäre folgendes zu erkennen:

Warum wird die Löwelstraße besetzt?
Weil sich auch Studierende gerade von der SPÖ mehr erwarten. Sie ahnen, wofür „sozialdemokratisch“ steht und finden den konstanten Verrat an den Grundwerten beschissen. (Ein bisschen wirkt es, als würde der KonsumentInnenschutz Etikettenschwindel aufdecken.)

Warum wird nicht die Lichtenfelsstraße besetzt?
Von der ÖVP erwartet ma landläufig nix anderes als beschissene Politik. Die ÖVP sagt „wir finden Zugangsbeschränkungen leiwi“, und was macht die SPÖ? Sie sagt nicht „wir finden Zugangsbeschränkungen auch leiwi“ oder „wir haben die Zugangsbeschränkungen mit der ÖVP für einen massiven Ausbau der neuen Mittelschule abgetauscht“ (schön wärs) oder „die ÖVP ist schuld“, sondern sie sagt „da konnten wir halt nix mehr machen“. Oder sie sagt gar nix.

Das Gute: Wenn ich wen enttäuschen kann, dann liegt der Person was an mir, dann hat sie noch Erwartungen in mich. Insofern sollte die SPÖ froh sein, dass überhaupt noch Leute kommen um die Parteizentrale zu besetzen. Mich wundert das ja tatsächlich ein wenig.

Einige Dinge stören mich dann aber doch an der Besetzung: Warum wird ausgerechnet bei Zugangsbeschränkungen die Parteizentrale besetzt, während bei dauernden Verschärfungen des Asylrechts nichts passiert? Warum schaffen Studierende es nicht, auch mal über den Tellerrand ihres eigenen Links-Seins zu blicken und zu sehen, dass ein Auftreten gegen die ÖVP genauso wichtig ist wie Kritik an der Sozialdemokratie? Die Mehrheit der ÖsterreicherInnen findet nämlich tatsächlich, dass Zugangsbeschränkungen gut sind, AusländerInnen deppert und Vermögenssteuern die rechtschaffenen Häuselbauer treffen. In dieser Zielgruppe betreibt ma mit einer Löwelstraßenbesetzung naturgemäß kein Themen-Lobbying sondern sitzt tatsächlich im Besenkammerl.

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do not feed economists!

ein transpi auf der gestrigen demo. ich spiele mit dem gedanken, mir das motiv auf den oberarm tätowieren zu lassen.

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solidarität heißt widerstand!

normalerweise hab ichs ja nicht so mit nullachtfünfzehn-phrasen, heut passen sie aber. weil.

audimax besetzung

seit dem frühen nachmittag ist der audimax der uni wien besetzt – ausgehend von einer initiative der studierenden der akademie der bildenden künste wurde im zug einer demo heute spontan der größte hörsaal wiens zur besetzten zone erklärt. das ist wundervoll! denn erstmals seit langem regt sich bei studierenden wieder das bedürfnis, ihre eigenen anliegen lautstark und gewichtig zu artikulieren.

die novelle des universitätsgesetztes wurde mehr oder weniger still und heimlich während der sommermonate beschlossen – dass dort die möglichkeit eingeräumt wurde, in praktisch allen fächern zugangsbeschränkungen einzuführen, konnte nicht hinreichen kommuniziert werden, um breiten widerstand zu erzeugen. seit mehreren wochen nun erzeugt die presse von wissenschaftsministerium und uniko aber ein bild von universitäten, das einem katastrophenszenario gleicht. oh mein gott, so viele studierende, das GEHT ALLES NICHT, hilfe hilfe, wird da getönt. und die einzig mögliche antwort gebetsmühlenartig in presseaussendungen verwurstet: studiengebühren! zugangsbeschränkungen!

heute wäre der große tag gewesen: hahn hat sich mit einigen rektoren getroffen, um über die eierlegende wollmilchsau zugangsbeschränkungen zu „verhandeln“ (über eine tatsache zu „verhandeln“, die beide seiten aus ideologischen gründen UR SUPER finden ist eigentlich faktisch nicht möglich) – um 18:00 war die pressekonferenz von hahn und badelt. (die ergebnisse hier)

aber wen juckt das jetzt – über 1000 studierende haben die uni zumindest für heute nacht zu ihrem freiraum gemacht. der audimax ist voll von leuten, die es nicht länger hinnehmen wollen, von rektoraten und wissenschaftsministerium wie der letzte dreck behandelt zu werden. sie fordern bessere studienbedingungen, bildung, die nicht dem primat der ökonomischen verwertbarkeit folgt, freien hochschulzugang für alle und gute beschäftigungsverhältnisse für lehrende.

das rektorat der uni wien versucht indessen, die studierenden auseinanderzudividieren. aus dem standard artikel liest mensch folgende aussage einer rektoratssprecherin: „Die StudentInnen sind zwischen verzweifelt und wütend“, berichtet sie, die Telefone in den Beratungsstellen liefen auf Hochtouren. „Wir haben alle Hände voll zu tun, den StudentInnen das zu erklären“. ich bin nicht so naiv zu behaupten, dass alle studierende es super finden, wenn statt ihrer vorlesung ein besetzter hörsaal auf sie wartet.

chuck norris

aber: die studierenden wären in einer vorlesung im AUDIMAX der uni wien gesessen. da gehen meines wissens mehr als 1000 studierende rein (sitzplätze, wohlgemerkt). von solchen vorlesungen hat im normalfall keinE StudentIn was außer rückenschmerzen. Massenabfertigung, keinen Platz in der Lehrveranstaltung kriegen, Knock-Out Prüfungen, schlechte Studienbedingungen – das sind keine individuellen probleme. und die lassen sich auch nicht durch individuell zielstrebiges studieren lösen, sondern nur durch gemeinsames vorgehen.

das rektorat der uni wien versucht mit solchen aussagen die studierenden zu spalten, in die bösen besetzerInnen und die fleißigen, armen, die leider heute nicht lernen können. auch zugangsbeschränkungen erreichen nichts anderes als eine gedankliche einordnung in „ich“  und „die person, die mir meinen platz wegnimmt“

doch nur gemeinsam können wir studierenden eine verbesserung unserer situation erreichen. da hilft weder ellbogentechnik, noch ein, zwei presseaussendungen. unsere probleme lösen politische entscheidungen. und auf die strategie von ministerium und universitätenkonferenz, uns zu erklären, dass nur die besten gut genug für ein hochschulstudium sind, dürfen wir nicht hineinfallen.

deshalb sind tage wie heute wichtig, deshalb bringen gemeinsame proteste was. sie zeigen, dass studierende sich nicht für blöde verkaufen lassen, ideale haben, dafür eintreten und sich dabei den spaß an der sache „hochschulstudium“ nicht nehmen lasen werden. in dem sinn heißt solidarität heute widerstand, in die ubahn setzen und sich im vorübergehend besetztem audimax endlich mal selbstbestimmt auszubreiten.

mehr infos:

www.unbeschraenktstudieren.at – hp des vsstö, die umfassend über zugangsbeschränkungen und das neue universitätsgesetz informiert

www.malen-nach-zahlen.at – die homepage der initative der studierenden an der akademie der bildenden künste

www.freiebildung.at – (studi)-initiative, die sich immer wieder durch aktionen äußert und inhaltliche arbeit zum  thema hochschule macht, aktuell berichtet der blog über die besetzung und darum herum.

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