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wir trauern um johanna dohnal.

johanna dohnal ist heute nacht verstorben.  die nachricht hat uns tief getroffen. uns meint damit in diesem fall besonders junge frauen aus den roten jugendorganisationen. nicht, weil wir sie besonders gut gekannt hätten. sondern weil sie uns in allen politischen fragen durch ihre taten immer ein unvergleichbares vorbild war.

johanna dohnal ist es zu verdanken, dass schwangerschaftsabbruch in österreich legal möglich ist. johanna dohnal ist es zu verdanken, dass die frauenbewegung in österreich gemeinsam agieren konnte. johanna dohnal war es, die uns mit ihrer politik und ihren worten mut gemacht hat, weiter zu kämpfen gegen den sexismus und die männerbünde – auch in den eigenen reihen. wir müssen lästig sein, dürfen nicht aufhören für unsere anliegen einzutreten, sollen uns nie ein blatt vor den mund nehmen und uns als frauen zusammentun und gemeinsam kämpfen.

andere haben sie besser gekannt. aber für unsere generation war sie eine jener politischen figuren, die frau aus voller überzeugung ein vorbild nennen wollte. heute nacht ist sie verstorben. sie wird uns fehlen.

„Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.“

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konsens kann mich mal.

zur abtreibungsdebatte meinen viele, die wäre in den 70er jahren hinlänglich geführt worden und sei jetzt ein alter hut. mitnichten, zeigt die umwelt gerade wieder aufs neue.

anlassfall der aufregung ist diesmal die geburtstagsfeier des pro:woman ambulatoriums im wiener rathaus. christoph schönborn, flankiert von klaus küng, rügt nun die verantwortlichen. den vorwurf, dass es „offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt“ (Schönborn) kontert wehsely gut:  sie stellt das selbstbestimmugnsrecht der frau nicht zur diskussion.

ein wenig weiter in der vergangenheit liegt ein unschöner artikel, der die persistenz der debatte um das selbstbestimmungsrecht von frauen aufzeigt und in diesem fall untergräbt. im februar 09 nahm „die zeit“ anleihe an alice schwarzers großem journalistischem durchbruch: „wir haben abgetrieben“ wurde damals im stern getitelt. „wir haben abgetrieben“,  sagen in der zeit acht männer, die monieren, dass ihre fraue/freundinnen ohne ihr wissen oder einverständnis einen schwangerschaftsabbruch durchführen ließen.  an anderer stelle habe ich mich bereits ausführlicher darüber aufgeregt.

und dann geht frau durch die straßen und trifft an jeder ecke auf neue „aktion leben“ plakate, die jeder frau, die einen schwangerschaftsabbruch durchführen möchte, einen vorwurf ins gesicht schmettert. und dann bin ich auf sitzungen der öh-bundesvertretung, in der ein mandatar der aktionsgemeinschaft der medizinischen universität wien  vom post-abortion syndrom als einer nachgewiesenen krankheit spricht.

die abtreibungs-debatte ist also lebendig wie eh und je. der begriff des „konsens“ wird hier strategisch verwendet – welcher wiegt schwerer, der konsens über den „schutz des lebens“ oder jener über das „selbstbestimmungsrecht der frau“? sonja wehsely tut gut daran, die debatte darüber zu verweigern. denn um die frage, was die mehrheits(?)bevölkerung in dieser sache denkt, darf es hier nicht gehen. es muss um den schutz von frauen, die ungewollt schwanger wurden, um das bestimmungsrecht über den eigenen körper gehen.

konsense sind gesellschaftlich konstruiert und mitnichten in stein gemeißelt. sie werden politisch verhandelt und in ihrer bedeutung verändert (hier ein recht plumpes beispiel für eine versuchte umdeutung) und dann als instrumente verwendet. den konservativen kommt das inhaltlich meist entgegen und die sozialdemokratie hat angst, gegen den „willen der bürgerInnen“ gesetzte zu machen.

das war nicht immer so. die fristenregelung in österreich wurde gegen massive proteste durchgesetzt – weil es nötig war. im erzkatholischen spanien wurde 2005 die gleichgeschlechtliche ehe ermöglicht, die der heterosexuellen ehe völlig gleichgestellt ist. weil es nötig war. gesellschaftspolitische entscheidungen müssen aus politischer motivation, und nicht aufgrund der vorurteile großer bevölkerungsschichten getroffen werden.

im übrigen:
christoph schönborn ist ein mann. klaus küng auch.  der erfinder des post-abortion syndroms heißt vincent rue. und der verfasser des zeit-artikels jörg burger. und alle zusammen werden nie ungewollt schwanger werden.

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