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der anti-sexismus und der puritanismus.

vorweg: ich kenne keinen menschen, der hirter-bier trinkt. vielleicht ist es besonders ekelhaft, oder aber besonders unbekannt. letzteres problem scheint mit der neuen kampagne gelöst – die fasstypen, 3 nackte frauen (typen?) mit unterschiedlichen haarfarben, präsentieren seit geraumer zeit die tolle marke. leider hab ich grad kein verlinkbares foto gefunden, aber nicht so schlimm, besondere fans der kampagne können sich das plakat in A2 gratis bei hirter bestellen. oder auch das kampagnen-video dazu ansehen. erinnert vom stil her ein bisschen an das absurde bundesheer-rekrutierungsvideo, oder?

auf der homepage von hirter vernimmt mensch obendrauf eine gemeine drohung:

Mit der modernen, neuen Kampagne beweisen wir aber auch Mut für das Einschlagen neuer Wege, die Bereitschaft für Diskussion und die Auseinandersetzung mit unseren Kunden und Gästen. Deswegen setzen wir auf Gleichberechtigung! Auch Damen trinken unser Bier – weshalb man sich jetzt schon auf die Fortsetzung der Hirter Fasstypen Kampagne freuen kann.

so weit, so business as usual. ich kann mich nicht mehr erinner, über wie viele sexistische dreckskampagnen ich mich in meinem leben schon aufgeregt hab. bipa hat letztens überhaupt mit einem video geworben, dass eine frau zeigt, die gefoltert wird (das video ist leider nicht mehr online).

zwei sachen sind dieses mal aber anders – erstens: es tut wer was dagegen. und die initiative findet auch reges interesse, das freut mich ungemein. wenn mensch von der fpö beschimpft wird, dann macht mensch es richtig.

zweitens: es ärgert mich doch noch irgendwie mehr als sonst. walter gröbchen twittert im bezug auf dieses absurde video:  „Geht politisch überkorrekter Anti-Sexismus Hand in Hand mit einem neuen Puritanismus?“, und: „Um mich nicht mißzuverstehen: die Hirter-Bierwerbung ist nur plump, verklemmt, schlecht. Aber auch unendlich harmlos“. mehrere fehler hier.

erstens: das hirter video ist überhaupt nicht verklemmt.
zweitens: die hirter kampagne (und das video als teil dieses großen ganzen)  ist wohl das paradebeispiel von sexistischer werbung
drittens: leute, die von „politisch überkorrektem anti-seximus“ sprechen, sollten lieber gar nicht von anti-sexismus sprechen. das geht gewaltig schief. und sie stellen sich damit gewaltig ins abseits (vielleicht gehören sie da auch hin).
viertens: nein, anti-sexismus heißt nicht, dass ma sex blöde findet. morgen lernen wir im feminismus-unterricht, wie b-e-a-u-v-o-i-r buchstabiert wird.
fünftens: das für mich auffälligste zeichen dafür, wie sexistisch diese kampagne ist, hat trotzdem noch keineR benannt: der rothaarigen frau fehlt die brustwarze. hier geht es nämlich nicht um sowas wie positive körperlichkeit oder eine aktive weibliche sexualität, sondern um große titten, „perfekte rundungen“, männlichen blick und hypersexualisierte objekte. in dem sinn: sexistische werbung geht hand in hand mit puritanismus.

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Eingeordnet unter genderize, irgendwas mit medien, serious, seriously?