Schlagwort-Archive: Umwelt

Willkommen in Amerika!

Guys and gals, I’m really well!

Also alle, dies noch nicht mitbekommen haben – seit Samstag weile ich in den Staaten, nach einem kurzen Intermezzo im Huckleberry-Finn-mäßigen Larose residiere ich (anders kann mensch das nicht nennen) in Lake Terrace Gardens, NOLA. Alles sehr gut hier, bei der Einrichtung, die ich übernehmen konnte, war zum Glück auch ein Fahrrad dabei. Im Vergleich zu den Durchschnitts-AmerikanerInnen ist meine Mobilität derweil aber immer noch ENORM begrenzt. Ohne Auto ist mensch hier tatsächlich ein armes Schwein – im doppelt übertragenen Sinn. Zum einen haben hier wohl wirklich nur die kein Auto, die sich keines leisten können. Der Bus ist nix für Reiche, mit dem Rad am Stadtrand kilometerweit zum nächsten Supermarkt zu radeln, auch nicht. Hier steckt auch gleich der zweite übertragene Sinn drinnen: Bei 34 Grad, sengender Sonne und den schlechtesten Straßen, die die westliche Welt zu bieten hat, 2,5 Kilometer zum nächsten Supermarkt zu fahren ist kein Spaß. Mit den Einkäufen, die an der Lenkstange baumeln, wieder zurück zu radeln übrigens auch nicht. Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter cheerio!, culture, student things

Atomkraft nein Danke – und was dann?

Der Aufschrei war groß: „Ich habs euch ja gesagt“ lautete der Subtext zahlreicher Facebook-Postings betreffend der Reaktor-Unfälle in Japan. Ich finde, hier wurde ziemlich selbstgerecht zur „Katastropheninformation“ beigetragen. Was aber für Japan (und den Rest der Welt) die Alternative zu Energie duch Kernspaltung wäre, das wissen die PosterInnen auch nicht.

Zu Japan (Infos aus dem gestrigen Im Zentrum und dem heutigen Interview mit einem der Science Busters – Professoren auf FM4):

  • In Japan stehen 55 AKWs
  • Japan hat die Möglichkeit der Energiegewinnung aus sauberen Quellen fast ausgereizt. An jeder möglichen Stelle wurde ein Staudamm gebaut, Solarenergie ist weit verbreitet, Windenergie kann aufgrund geographisch ungünstiger Verhältnisse (Taifuns!) kaum genutzt werden.
  • Japan verbraucht momentan rund 34,24 Barrel pro Kopf und Tag an Erdöl (Quelle: EIA 2009), im Vergleich dazu liegen die USA bei 60,4, Deutschland bei 29,9 BPD
  • Japan hat keine nennenswerten Rohstoffvorkommen, die zur Energieerzeugung genutzt werden könnten.

So, jetzt sollen die JapanerInnen also aus der Atomkraft aussteigen. Und dann? Dann müssten sie importieren: Kohle, Flüssiggas und Öl. In rauen Mengen. Und damit dann Strom erzeugen. Der weit verbreitete Mythos, dass Kohlekraftwerke in den 1970ern ausgestorben sind, wird ja bereits von den USA widerlegt. Dort wird die Hälfte der benötigten Elektrizität in Kohlekraftwerken erzeugt, diese Drecksschleudern sind auch ein wichtiger Grund für das Klimaproblem der USA. Und Japan soll auch diese Strategie verfolgen? Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Nicht aus sicherheitspolitischer Perspektive (China möchte auch Kohle haben, dann konkurrieren die am Weltmarkt, und diese Ölrenten-Regimes à la Saudi-Arabien über Gebühr zu unterstützen, ist auch nicht so großartig.), nicht aus wirtschaftspolitischer Perspektive (Die japanische Wirtschaft hätte dann vermehrt horrende und/oder extrem volatile Rohstoffpreise in ihrem ohnehin bereits jetzt schon sehr umfangreichen Wirtschaftsprobleme-Portfolio.) und schon gar nicht aus ökologischer Perspektive!

Ich bin die letzte, die für Atomkraft als saubere Energiealternative plädiert. Mit etwas Strom zu erzeugen, das auf Jahrtausende alles umbringen kann, was auch nur in die Nähe kommt, ist nicht klug. Es ist aber auch nicht klug, aus der Atomkraft auszusteigen, ohne saubere Alternativen anbieten zu können. Und mit ein paar Photovoltaik-Zellen ists hier nicht getan – die japanische Regierung setzte sich 2007 als Ziel, bis 2030 den Atomstromanteil am Gesamtverbrauch von 30 auf 40 Prozent zu steigern. Diesen Anteil im Elektrizitätsmarkt zu füllen, ist mit den momentan verfügbaren alternativen Energien einfach nicht möglich, glaube ich. Wenns so einfach wäre, hätten sies wohl schon gemacht.

Im Zentrum meinte gestern ein Typ, dass höchstens Energiesparpotentiale in privaten Haushalten ausgenützt werden könnten, denn die Wirtschaft hätte sich ohnehin schon so bemüht. Energiesparlampen, keine beheizten Klobrillen, so Zeugs halt.

Wiewohl ich davon überzeugt bin, dass individuelle Energiespar-Anstrengungen extrem viel Sinn machen, glaube ich, dass es nicht ausreichen wird, das Licht im Vorhaus abzudrehen, wenn wir auf Dauer ohne klimaschädliche und ganze Landstriche verseuchende Energieträger auskommen wollen. Wer nur von nachwachsenden Rohstoffen lebt, muss sich ziemlich einschränken: Keine Autos, keine Flugzeuge, keine Computer, keine Handys, keine elektrischen Zahnbürsten, keine Haarföhns, keine Heizungen, ich weiß nicht was alles noch nicht. Vielleicht auch keine Züge und kein Transport mehr außer Fahrräder. Ziemlich beklemmend, diese Vorstellung. Ein Wohlstandsverlust (gemessen an der Verfügbarkeit von Konsumgütern, Mobilität, Bequemlichkeit) geht damit in jedem Fall einher. Ich glaube, irgendeine Generation auf dem Planeten muss sich damit arrangieren, ich versteh aber durchaus, dass viele in Anbetracht dieser Alternative die Sintflut hinter sich akzeptieren.

Noch ein Lesetipp am Schluss: In „The Windup Girl“ von Paolo Bacigalupi gibts keine fossilen Brennstoffe mehr – in Federn gespeicherte Muskelkraft ist der wichtigste Energieträger. Coole Biopunk-Sci-Fi, ausgezeichnet konstruierte Welt. Aber dort leben?

2 Kommentare

Eingeordnet unter clever shit, serious, sirius black