Warum Demokratie Parteien braucht

Wer sich wundert, warum es in letzter Zeit auf diesem Blog etwas ruhiger zuging – ich hatte anderes zu tun:

Ich hab ein Buch geschrieben. Darin geht es um politische Parteien, und warum die eigentlich ziemlich cool sein können. Und um die Probleme, mit denen sie sich gerade so rumschlagen. Aber am wichtigsten: Es geht darum, dass ohne Parteien nicht alles besser wäre, sondern wir Parteien dringend brauchen, um Politik zu machen. Und sie deshalb ihre Krisen schleunigst bewältigen müssen.

Hannes Androsch hat mal gesagt, dass Erwin Pröll wegen seiner unfassbar rückständigen Vorstellung von Bildungspolitik der eigentliche Vater des Bildungsvolksbegehrens war. Wenn man so argumentieren will, dann ist für mich Roland „Wutbürger“ Düringer der Grund für mein Buch. Ihn, und alle, die seinen Tabula-Rasa-Rufen zum politischen System applaudieren, hab ich irgendwann nicht mehr gepackt. Denn die Welt werden wir nicht mit selbst angebauten Tomaten und einer Trockentoilette revolutionieren. In Österreich werden Gesetze noch immer im Parlament beschlossen, und da sitzen VertreterInnen von Parteien, die demokratisch gewählt wurden drinnen. Genau dort – in Parteien und Parlamenten – gilt es, tausende Sachen besser zu machen. Aber alles, was unsere Demokratie ausmacht, niederreißen zu wollen, ist populistisch und gefährlich. Klar ist Kritik berechtigt, aber was man im eigenen Nörgeln am politischen System eigentlich meint, und welche Konsequenz das Ende der Parteien hätte, muss man sich genau anschauen. Auf kurzen, knappen 120 Seiten habe ich versucht, das ein wenig zu präzisieren. Und bin zum Schluss gekommen, dass ich auch in Zukunft keine Politik ohne Parteien will. Ich freu mich, wenn das wer liest, wenn es die eine oder andere Diskussion anstößt und es das öffentliche Bild von Parteien ein wenig zurechtrücken kann.

Das Buch ist im Czernin-Verlag erschienen und kostet 12 Euro. Kaufen kann man es über die Seite des Verlags. Falls mich wer auf eine Veranstaltung einladen mag oder mehr über das Buch oder das Thema wissen will – gerne! Einfach hier einen Kommentar hinterlassen oder an eva.maltschnig [/a] reflex.at schreiben.

Mehr Infos zu mir gibts hier, und Veranstaltungen zum Buch dort.

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4 Antworten zu “Warum Demokratie Parteien braucht

  1. Pingback: Buchempfehlung: Warum Demokratie Parteien braucht | blog.sektionacht.at

  2. Francis

    Leider sind die zur Zeit in Österreich tätigen Partein nicht mehr reformierbar. Sobald „Querdenker“ das Parteiengebäude betreten werden Sie ohne wenn und aber bereits im Parterre wieder durch die Hintertür verabschiedet. Der Zuwachs bei den Nichtwählern gibt mir recht. Die Parteien bekommen immer stärker Komunistische Züge. Zu den demokratisch gewählten Vertretern fällt mir nur ein das diese eigenltich nur mehr zum Handheben mit einer riesigen Gage im Parlament sitzten. Die wirklichen Entscheidungen werden schon in den Gremien vor der Entscheidung im Parlament getroffen (Parlamentsklub). So gesehen könnten wir uns eine Menge Geld ersparen wenn nur mehr 1 Vertreter je Paretei im Parlament sitzen würde. Das Ergebnis wäred in etwa das gleich wie jetzt, nur halt billiger. Die wirkliche Alternative ist außschließlich in einer dramatsichen Einführung und Ausweitung der direkten Demokratie zu sehen. Das die Leute „falsche“ Entscheidung treffen halte ich für ein Geürcht. Siehe die seinerzeitige Entscheidung zur Atomkraft. Wäre damals nicht das Volk befragt worden hätten wir heute mit Sicherheit auch einige Atommeiler stehen.Daher bin ich der Meinung das die Parteien in der heutigen Form sowieso bald das zeitliche segnen werden.
    Liebe Grüße
    Francis

    • evamal

      hi francis,
      danke für den kommentar! die meisten deiner einwände beschäftigen mich genauso, bloß mag ich mich nicht so fatalistisch zurücklehnen und mich darauf verlassen, dass man sowieso nix besser machen kann. wenn du lust hast, schau doch mal in mein buch rein – ich wär gespannt, was du davon hältst.

      noch eine anmerkung zur direkten demokratie: in meiner recherche zum buch war einer der interessantesten bereiche für mich herauszufinden, wie direkte demokratie wirkt. die beurteilung des schweizer modells lautet zum beispiel bei den allermeisten: konservierend. direkte demokratie erschwert veränderungen, weil ein „ja“ zum status quo leichter fällt, als ein „ja“ zu einem umbruch. das ist gut für den naturschutz („nein zum neuen kraftwerk!“), aber schlecht für den ausbau von sozialen rechten – als zB der schwangerschaftsabbruch in österreich legalisiert wurde, unterschrieben fast 900.000 leute ein volksbegehren gegen die legalisierung. damals war das das erfolgreichste volksbegehren in der geschichte österreichs. ich bin froh, dass das der SPÖ egal war.
      in irland ist zb ein legaler schwangerschaftsabbruch für frauen nicht nur wegen der katholischen kirchenlobby nicht möglich, sondern auch, weil das abtreibungsverbot verfassungsrang hat und nur mittels volksabstimmung geändert werden kann. 2002 entgingen die irischen frauen nur um haaresbreite einer weiteren verschärfung des verbotes, das mit einem volksbegehren durchgesetzt hätte werden sollen, von einer legalisierung ist man hier meilenweit entfernt. drum bin ich mehr als skeptisch, das „das volk“ automatisch bessere politk macht als die parteien.

      liebe grüße,
      eva

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